Ratingagenturen stellen US-Bonität infrage

Moody's und Standard & Poor's sorgen sich um die Schuldenlast der USA. Diese wird in zehn Jahren 397 Prozent der jährlichen Steuereinnahmen betragen, rechnet Moody's vor.

Ratingagenturen stellen USBonitaet infrage
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(c) EPA (Matthew Cavanaugh)

Wien. Nahezu zur selben Zeit ließen Vertreter der beiden Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P) mit der gleichen Meldung aufhorchen: Die USA müssen in Zukunft um ihre Bonitätsnote fürchten.

Bei den bedeutendsten Ratingagenturen genießen die USA derzeit die Bestnote Triple-A, und das bei stabilem Ausblick. „Kein Triple-A-Rating ist für die Ewigkeit“, sagte dazu Carol Sirou, die Frankreich–Chefin von S&P, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Paris. Sie könne nicht ausschließen, dass die Prognosen für die Vereinigten Staaten geändert werden müssen. Eine Moody's-Analystin sprach von einer steigenden Gefahr eines negativen Ausblicks, falls keine Sanierungsmaßnahmen getroffen werden.

 

Dollar-Bonus schrumpft

Derzeit zehren die USA noch vom „Dollar-Bonus“, so Sirou. Genauer gesagt profitieren sie vom Vertrauen in die Leitwährung Dollar und in amerikanische Staatsanleihen. Aber auch das könne sich ändern. Die amerikanischen Staatsschulden nähern sich nämlich unaufhaltsam der markanten Grenze von 100Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) an. Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, werden 2020 mehr als 17Prozent der Steuereinnahmen für die Zahlung der Zinsen draufgehen. Die Schuldenlast wird bis dann auf knapp das Vierfache der jährlichen Einnahmen anwachsen. „Ziemlich hohe Zahlen für ein mit Triple-A bewertetes Land“, kommentiert Moody's diese Zahlen in seinem aktuellen Bericht.

Seit der ersten US-Bonitätsbewertung von Moody's im Jahre 1917 halten die Vereinigten Staaten ihr Top-Rating. Auch der Ausblick wurde bis auf eine Ausnahme im Jahr 1996 nie negativ bewertet. Damals prüfte man allerdings sogar eine Abstufung.

 

Spielchen um Schuldengrenze

Der damalige Grund: Die Republikaner legten 1996 dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton einen Stein in den Weg, indem sie eine Erhöhung der Schuldengrenze ablehnten. Und genau dieses Spiel wiederholt sich, wie berichtet, dieser Tage. In den USA müssen neue Schulden vom Kongress abgesegnet werden. Damals wie heute brauchte die demokratische Präsidentenpartei die Stimmen der Republikaner. Und damals wie heute werden die nötigen Stimmen der Republikaner als Druckmittel eingesetzt. Denn ein Verbleib bei der aktuellen Höchstgrenze würde es den USA unmöglich machen, ihre Staatsanleihen zurückzuzahlen. Sie wären de facto insolvent.

Ob es so weit kommen wird, ist äußert fragwürdig, in der Ära Clinton ließen sich die Republikaner am Ende erweichen. Auch heute spiegelt sich die Angst vor der Zahlungsunfähigkeit der USA noch nicht am Finanzmarkt wieder.

Am Donnerstag wurden 13Mrd. Dollar (9,7 Mrd. Euro) an 30-jährigen Staatsanleihen mit einer Verzinsung von 4,515Prozent ausgegeben. Das entspricht nur einer geringen Verteuerung gegenüber der letzten Auktion. Auch die Nachfrage ist leicht gestiegen.

Doch den guten Ruf als sicheren Hafen haben der Dollar und amerikanische Staatsanleihen verloren. Glaubt man Moody's, blühen den USA in den nächsten Jahren zumindest höhere Finanzierungskosten: Die Anleger werden sich ihr Risiko in Form von höheren Zinsen abgelten lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2011)

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