Der Weg zum etwas anderen Einfamilienhaus

Planung. Form follows Function: Spektakuläre Architektenhäuser bieten ihren Bewohnern auch Besonderes.

(c) photography (C) simon.bauer@ufg.ac.at

Von guten Architekten geplante Einfamilienhäuser fallen auf. Rein durch die Form herauszustechen sei aber nicht das Ziel der Planung, betonen die Entwerfer. Selbst bei Projekten wie dem kürzlich beim Bewerb um das Haus des Jahres ausgezeichneten „Ramphouse“ folge die Form der Funktion, meint Architekt Johannes Will: „Die Architektur hat ausschließlich mit dem Ort, an dem es steht, und seinen Bewohnern zu tun.“
Will plante dieses Einfamilienhaus gemeinsam mit seinem Kollegen Bernd Leopold. Die Vorgaben waren ein 80 Meter langes und nur zwölf Meter breites Grundstück mit Nachbarn links und rechts sowie eine dörfliche, locker bebaute Umgebung. Dazu kam der Wunsch des Bauherrn nach maximalem Naturerlebnis. Beides haben Will und Leopold mit subtilen Mitteln realisiert, die letztlich das Äußere geprägt haben: So gibt es im Haus nur Rampen und keine Stufen. Ein räumlich komplexer Bau mit verschiedenen Ebenen ist entstanden, in dem sich durch kleine Positionsänderungen völlig andere Blickwinkel nach außen ergeben. „Man kann Dinge ein- und ausblenden“, erläutert der Architekt.
Diese formalen Lösungen entwickelte Will nicht allein im stillen Kämmerlein, sondern nach intensiven Gesprächen mit dem Bauherrn. Er meint, wer sich den Traum vom eigenen Haus realisieren möchte, wisse genau, was er braucht. Das Geschick des Architekten sei es, diese Wünsche und Sehnsüchte aufzuspüren und zu realisieren. Will setzt hier auf intensive Vorgespräche gemeinsam mit einem Coach: „Das bringt einen gewissen Ausgleich, der Coach begleitet, moderiert, baut die Fragen anders auf.“

Bauherren sollen schreiben

Das Architektenpaar Andrea Dämon und Andreas Doser von Ad2-Architekten, das ebenfalls bereits eine Reihe spektakulärer Einfamilienhäuser geplant hat, wählt einen anderen Weg, um Vorstellungen und Bedürfnisse seiner Auftraggeber zu erfahren. Sie halten die Bauherrn zum Schreiben an: „Wir wünschen uns vor dem Planungsprozess von ihnen eine Erzählung über ihre Art zu wohnen und zu leben“, erläutert Doser. Wie sie zu Hause angezogen sind, wie groß ihre Garderobe ist, was sie am Morgen, Abend und Wochenende tun, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen und viele andere Details, die letztlich die Planung des Hauses bestimmen, sollen in einem Text oder einer Collage festgehalten werden.
Solch genaues Kennenlernen des Bauherrn und seiner Ansprüche stellt für Architekten die Basis für ein außergewöhnliches, maßgeschneidertes Haus dar. Das unterstreicht auch Christian Stummer vom Architekturbüro Two in a box in Ottensheim: „Es bedarf einer gewissen Zeit des Kennenlernens, man muss sich spüren, man muss sich mögen, das ist ein sehr intensiver Prozess.“ Es gehe um das Horchen zwischen den Zeilen, meint Stummer, „welche Stimmung soll das Haus bekommen, welche Materialien sprechen den Bauherrn an?“
Ziel guter Planung, so die Architekten, sei immer ein individuelles Haus, das den Wünschen seiner Bewohner gerecht werde. „Die Summe vieler Details macht das aus“, so Stummer. Als ein Beispiel nennt er den zentralen Raum, in dem sich die Familie trifft: „Er sollte einen Bezug nach außen haben, er braucht Großzügigkeit, die Proportionen, aber auch die Akustik müssen stimmen.“
Räume sollen Erlebnisse bieten und dürfen nicht langweilig sein: „Ideal sind Rundumblicke, die den ganzen Tag im Haus erlebbar machen“, meint Doser. Blickbeziehungen auf die Umgebung, Sonnenuntergänge, die vom Sitzplatz aus miterlebt werden können, sind weitere Beispiele dafür. Auch der burgenländische Architekt setzt hier auf spezielle Verglasungen. Eine schräge Oberlichte im Schlafzimmer, durch die man beim Einschlafen die Sterne sieht, wo sich am Morgen nach einem Regen das Sonnenlicht in den Tropfen spiegelt, „das ist faszinierender als jedes Bild, das man kaufen kann“.

Was Sie beachten sollten beim . . . Planen mit Architekten

Tipp 1

Der Weg zum Planer. Einen wirklich guten Architekten zu finden ist nicht leicht. Nicht zuletzt deshalb, weil die Chemie zwischen Bauherrn und Planer stimmen muss. Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis, Berichte in Wohn- und Architekturzeitschriften und Recherche im Internet helfen bei der Wahl. Die endgültige Entscheidung sollte aber erst nach einem ausführlichen Gespräch mit dem künftigen Planer fallen. Der Stil des Architekten und seine Arbeitsweise müssen den Bauherrn ansprechen.

Tipp 2

Der Weg zum Bau. Rund sechs bis zwölf Monate dauert es vom ersten Kontakt bis zum Spatenstich. Nach ausführlichen Gesprächen, bei denen die Wünsche der Bauherren eruiert und grundlegende Entscheidungen über Bauweise und Technik getroffen werden, erfolgt der Vorentwurf. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich bereits die Baukosten abschätzen. Änderungen sind noch problemlos möglich. Danach werden Einreichplan, Polier- und Detailplanung und Ausschreibung erstellt.

Tipp 3

Der Weg zum Ziel. Die Planung eines Architektenhauses dauert oft bis zu einem Jahr. Sich nicht drängen zu
lassen empfehlen die Entwerfer: „Je mehr Zeit man sich für die Planung nimmt, desto schneller ist man bei der Umsetzung“, sagt Will. Ein von einem guten Architekten geplantes Haus kostet naturgemäß mehr als eine Standardlösung. Dafür bekommt der Bauherr ein Haus, das die individuellen Gegeben- heiten des Grundstücks ausnützt und Bedürfnisse bestmöglich erfüllt.

 

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