Gold: "Pessimismus-Peak erreicht"

Während Investoren Anteile an Goldfonds verkaufen, greifen die Notenbanken auf dem physischen Markt weiter zu. Südkorea hat seine Reserven um 24 Prozent aufgestockt.

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Symbolbild – (c) AP (Kamran Jebreili)

Wien. Der Goldpreis befindet sich seit Tagen unter der Marke von 1600 Dollar – rund 17 Prozent weniger als noch Mitte 2011. Damals markierte der Goldpreis in Dollar seinen bisherigen Höchststand von rund 1900. Im Februar hat der weltgrößte Goldfonds, der SPDR Gold Trust, den größten Rückgang seit 2004 verzeichnet. Auch Megaspekulant und Währungsexperte George Soros hat sich von rund der Hälfte seiner insgesamt mehr als einen Million Anteile an dem ETF (Exchange Traded Fund) getrennt. Gleichzeitig machen Gerüchte um eine Straffung der US-amerikanischen Geldpolitik die Runde, was weiteren Druck auf das Edelmetall erzeugt. Ist dieser Trend nach unten gekommen, um zu bleiben? Ist der Bullenmarkt im Gold vorbei, die Blase schon geplatzt?

Keine Straffung bei der Fed

Nein, sagt Ronald Stöferle, Autor des renommierten Goldreports der Erste Bank und zukünftiger Partner der liechtensteinischen Fondsgesellschaft Incrementum. Er sieht die Fundamentaldaten beim Gold intakt. „Der maximale Pessimismus im Goldsektor ist derzeit erreicht. Der Peak sozusagen. Was die Stimmungsindikatoren betrifft, sehen wir die tiefsten Stände seit 2008. Und Goldaktien sind in Relation zu Gold auf dem tiefsten Stand seit 42 Jahren.“ Soll heißen: Die Stimmung ist so schlecht, sie kann nur noch besser werden.

Dass Kleinanleger und manche Fondsmanager sich angesichts von Gerüchten über eine mögliche Straffung der US-Geldpolitik aus dem Gold treiben lassen, kann Stöferle verstehen: „Viele glauben das wirklich.“ Die Realität sehe aber ganz anders aus. „Man muss schon schauen, was die Fed macht, nicht darauf hören, was sie sagt.“ Und was sie macht, lässt sich an der Entwicklung der Dollar-Geldmenge ablesen. Diese ist dank des weiterhin laufenden US-Gelddruckprogramms allein seit Jahresbeginn um 162 Milliarden Dollar angewachsen.

In Japan steht derweil gar nichts von einem Goldpreisverfall in den Zeitungen, denn der Yen soll nach der Umbesetzung der Notenbankspitze nach dem Willen der Regierung inflationiert werden wie nie zuvor – was den Goldpreis in Yen vor wenigen Wochen auf ein Allzeithoch katapultierte. Derzeit notiert er nur fünf Prozent unter diesem Rekord. In Euro steht Gold bei rund 1200 – knapp elf Prozent unter dem Rekordwert von Ende 2012.

Sinclair: 3500 Dollar pro Unze

Die Verkäufe der Goldfonds werden wiederum durch die weiter anwachsenden Zukäufe der Notenbanken wettgemacht – die scheinen das Vertrauen ins gelbe Metall gerade erst wiederzufinden. Russland erweiterte seine Reserven im Jänner um rund zwölf Tonnen auf 970 Tonnen. Südkorea hat im Februar 20 Tonnen gekauft – und seine Goldbestände mit einem Schlag um 24 Prozent erhöht: auf 104 Tonnen. Diese Bewegungen auf dem physischen Markt gilt es genau zu beobachten.

So warnte der Goldinvestor Jim Sinclair am Donnerstag in einem Interview mit „King World News“: „Das physische Gold ist Geld, das Papiergold ein Casinospiel.“ Mit Papiergold meint Sinclair vor allem die an Terminbörsen gehandelten Kontrakte. „Der Goldmarkt hat sich verändert. Gewichtige Staaten wie Russland und China nehmen das sehr ernst. Der Boden ist erreicht, der Preis wird wieder steigen. Und wenn er auf 3500 Dollar steigt, wird an den Terminmärkten kein Gold mehr physisch gehandelt, sondern nur noch Cash ausgetauscht“, so Sinclair.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2013)

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