Gold: Erste-Analysten sagen 2300-Dollar-Kursziel ade

Der Goldpreis legte einen dramatischen Absturz hin. In einem Spezialreport kündigten die Analysten der Erste Bank an, ihre Prognosen zu revidieren.

Gold bars are seen at the Czech National Bank in Prague
Gold bars are seen at the Czech National Bank in Prague
REUTERS

Nach dem dramatischen Absturz des Goldpreises auf unter 1400 US-Dollar je Feinunze - umgerechnet nur mehr knapp über 1000 Euro - hat die Erste Group am Dienstag angekündigt, ihr langfristiges Kursziel für das Edelmetall revidieren zu wollen. "Wir müssen die Kräfte im Markt weiterhin beobachten und werden nach ausführlicher Evaluierung unser langfristiges Kursziel überarbeiten", schreiben die Rohstoff- und Goldexperten Hans Engel und Stephan Lingnau in einem aktuellen Gold-Spezialreport. Eine Bodenbildung können sie derzeit noch nicht erkennen.

Die Erste-Goldanalysten hatten in den vergangenen Jahren unter Federführung ihres damaligen Goldexperten Ronald Stöferle internationale Aufmerksamkeit erlangt und zählten bis heute zu den optimistischsten Prognostikern, was die Entwicklung des Goldpreise anbelangt. Am Ende des aktuellen Goldpreiszyklus, dessen Höhepunkt für 2011/12 erwartet wurde, rechnete Stöferle mit einem Goldpreis von 2300 US-Dollar. Stöferle machte sich im Dezember des Vorjahres selbstständig, wird aber als Berater der Erste Group auch künftig jährlich einen Goldreport publizieren.

Noch im Dezember wurde Anstieg erwartet

Noch im September glaubte Stöferle, dass "der Goldsektor derzeit auf einem extrem soliden Fundament steht", die niedrige Bewertung "könnte einen attraktiven Einstiegszeitpunkt signalisieren". Im Dezember prognostizieren die Erste-Experten - ausgehend vom damals aktuellen Goldpreisniveau von rund 1700 Dollar - einen weiteren möglichen Anstieg um 10 bis 15 Prozent. Bereits im Juli hatte das Edelmetall zum ersten Mal das von Stöferle ausgegebene Preisziel nicht erreicht: Bei 2000 Dollar sollte es damals stehen, tatsächlich waren es aber nur knapp 1600 Dollar. Sein bisheriges Allzeithoch erreichte der Goldpreis im September 2011 mit 1920 Dollar je Feinunze.

APA
Nach der markanten Kurskorrektur in den letzten Tagen rechnen die Erste-Goldanalysten nunmehr mit einem Anhalten der Abschwächung beim Goldpreis. Eine Bodenbildung sei derzeit noch nicht absehbar. "Die zuvor wichtige Unterstützungsmarke von 1500 Dollar sollte sich in den kommenden Monaten als starker Widerstand für den Goldpreis erweisen und wir erwarten nicht, dass diese Marke im zweiten Quartal überschritten werden kann", so die Goldexperten der Erste.

Viele Investoren überrascht

Die jüngste Abwärtsbewegung habe viele Investoren hinsichtlich Geschwindigkeit und Ausmaß überrascht, so die Nachfolger von Stöferle am Dienstag. Engel und Lingnau glauben, dass Verkäufe auf dem "Papiergold"-Markt die Preiskorrektur ausgelöst haben. Auf dem physischen Goldmarkt herrsche dagegen kein Abgabedruck.

"Es hat einen technischen Durchbruch unter die wichtigen Unterstützungen von 1520 bzw. 1500 Dollar je Feinunze stattgefunden und in der Folge sind ETFs und Futures (Derivative Produkte) mit hohem Volumen verkauft worden", schreiben die Experten. Dabei sei auch der seit 2006 bestehende langfristige technische Aufwärtstrendkanal gebrochen. Durch den Anstieg der Volatilität seien in weiterer Folge die Einschuss-Erfordernisse (Margin-Requierements) durch die Comex und die Shanghai Gold Exchange erhöht worden, was zu weiteren Abgabedruck geführt habe. Auch die zuletzt leicht schwächer als erwarteten Wirtschaftsdaten aus China hätten auf das Sentiment und die Rohstoffpreise gedrückt.

(APA)

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