Falsche Treue zum eigenen Bankkonto

Bequemlichkeit siegt, wenn es darum geht, seiner alten Bank den Rücken zu kehren. Dabei ist es relativ einfach, sein Gehaltskonto auf ein neues Kreditinstitut zu übertragen – und oft auch billiger.

Clemens Fabry

Von der Wiege bis zur Bahre. So oder so ähnlich ist das Verhältnis der Österreicher zu ihrer Bank: Wer sich einmal für ein Kreditinstitut entschieden hat, der bleibt auch dort. Komme, was wolle. Bequem ist es schließlich, Sparbuch, Gehaltskonto und Kredit aus einer Hand zu erhalten. Den Kunden scheint es dabei ziemlich egal zu sein, wie teuer das Konto und die Gebühren für den Kredit sind.

Dabei ließe sich im Lauf der Jahre durchaus Geld sparen, entschiede man sich bloß für eine andere Hausbank. Selbst die Geldhäuser werben mittlerweile mehr oder weniger offensiv um neue Kunden und fordern diese auf, die Seiten zu wechseln. Sein Konto auf ein anderes Institut zu übertragen mag auf den ersten Blick diffizil anmuten. Sieht man allerdings genauer hin, so fällt auf: Es ist einfacher als gedacht.

Wer sein monatliches Gehalt auf ein neues Girokonto überweisen lassen will, sollte vorab seine Hausaufgaben machen. Das bedeutet: Die Angebote der Banken genau unter die Lupe zu nehmen. Jedes Kreditinstitut bietet in der Regel mehrere Kontomodelle an. In Österreich vorherrschend sind sogenannte Pauschalkonten. Das bedeutet, dass den Kunden quartalsweise ein bestimmter Betrag von ihrem Konto abgebucht wird. In diesem enthalten sind meist sämtliche elektronische wie automatisierte Buchungen, Überweisungen oder das Drucken von Kontoauszügen im Bankfoyer. Allerdings können zusätzliche Gebühren anfallen, die nicht Teil der Pauschalverrechnung sind. Dazu zählen häufig Bareinzahlungen oder Barauszahlungen an der Kasse, weil diese bereits automatisiert über entsprechende Geräte in den Bankfilialen abwickelbar sind. Auch die Zusendung von Kontoauszügen kann (im Gegensatz zum Ausdruck im Foyer) kostenpflichtig sein.

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Je teurer das Kontopaket einer Bank ist, desto umfangreicher der Leistungskatalog der Institute. Greift man etwa bei der Erste Bank zum teureren Kontopaket (27,7 Euro pro Quartal, ab 1. April 28,36 Euro), ist die Kreditkarte bereits inkludiert. Wer sich allerdings für die günstigere Variante – um 14,71 je Quartal – entscheidet, zahlt für die Kreditkarte (Mastercard oder Visa) ab September dieses Jahres 4,54 Euro pro Monat.

Höherer Preis, besserer Service

Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien kostet das teuerste Konto zehn Euro pro Monat (30 Euro je Quartal), das günstige ist um sechs Euro im Quartal zu haben. Maestrokarte gibt es bei der Billigvariante dafür ebenso wenig wie eine Kreditkarte.

Auch die Bawag bietet unterschiedliche Modelle an. Doch das, was hier auf den ersten Blick gratis erscheint, ist es bei genauerer Betrachtung nicht. Denn im Basispaket (ab null Euro) sind bloß 30 automatisierte Buchungen pro Quartal enthalten. Ab der 31. Buchung müssen Kunden 0,15 Euro pro Stück bezahlen. Die Kontoführung ist darüber hinaus auch nur dann umsonst, wenn der Durchschnittssaldo mindestens 880 Euro je Quartal beträgt. Ansonsten fallen quartalsweise Gebühren von 13,50 Euro an.

Obwohl die Banken mehr oder weniger transparent mit Preisen und Konditionen umgehen, verbergen sie häufig die Höhe der Soll- und Habenzinsen. Die Habenzinsen sind bei den meisten Banken ohnedies gleich niedrig, Unterschiede gibt es allerdings bei den Überziehungszinsen, die bis zu 13 Prozent betragen können.

Wer sich nun also für ein Konto entschieden hat, kommt nicht umhin, den Gang zur Bank seiner Wahl anzutreten. Neukunden sollten sich dann nicht nur ausweisen können, sondern auch ihre Gehaltszettel im Gepäck haben. Daten über Daueraufträge werden von der alten Bank an das neue Kreditinstitut übermittelt, wie Robert Trunetz von der Erste Bank sagt. Damit auch alle Einziehungsaufträge erfasst werden, ist die Mithilfe des Kunden gefragt. Wer alte Kontoauszüge mitnimmt, kann schnell und einfach abklären, mit wem sich die Bank in Verbindung setzen muss. Die Kontoschließung muss übrigens kostenlos sein.

Das alte Konto sollte gedeckt sein

Michaela Kollmann von der Arbeiterkammer empfiehlt, sein altes Konto jedoch nicht sofort aufzulösen, sondern zumindest die Einzahlung des ersten Gehalts auf das neue Girokonto abzuwarten. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Umsteiger ihre Kontoschließung vielleicht noch etwas länger hinauszuzögern. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch alle Abbuchungsaufträge erfasst wurden. Das alte Konto sollte, solange es noch besteht, auch gedeckt sein. Denn sobald die Bank von der Kündigung erfährt, könnte sie den Überziehungsrahmen sperren. Aufträge können dann mangels Deckung mitunter nicht mehr durchgeführt werden – was wiederum Kosten verursacht. Doch auch das neue Konto sollte mit ausreichend Liquidität versorgt sein. Denn der Überziehungsrahmen wird oft erst nach dem ersten Gehaltseingang gewährt.

Sobald Kunden ihre neuen Bankomat-und Kreditkarten erhalten, sollten sie auch nur noch diese verwenden. Die alten Karten müssen an die Bank retourniert werden.

Was Sie beachten sollten beim... Kontowechsel

Tipp 1

Auswählen. Jeder Kontoinhaber hat andere Bedürfnisse: Während manch einer Kreditkarten benötigt, kann ein anderer gut auf sie verzichten. Bevor man seine Bank wechselt, sollten einzelne Kontomodelle genau unter die Lupe genommen werden. Manche Angebote erscheinen günstig, sind bei genauerem Hinsehen aber doch nicht umsonst. Je teurer ein Paket ist, desto mehr kann das Konto.

Tipp 2

Kontoschließung. Banken dürfen keine Gebühren mehr für die Schließung eines Kontos verrechnen. Wer zu einer anderen Bank wechselt, sollte sein altes Konto jedoch nicht unmittelbar nach Bekanntgabe der Kündigung auflösen, sondern für die Dauer von ein oder zwei Monaten behalten. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch alle Abbuchungsaufträge erfasst werden.

Tipp 3

Verhandeln. Viele Kunden wechseln ihre Bank, weil sie mit dem Service ihres Instituts unzufrieden sind. Wer aber bloß findet, dass die Überziehungszinsen seines Instituts zu hoch sind, muss nicht gleich das Konto wechseln. Am besten ist es, einen Termin bei seinem Bankberater zu vereinbaren und über die Höhe der Soll- und Habenzinssätze zu verhandeln.

Tipp 4

Dauer. Sein Konto zu wechseln dauert nicht lange. Bei der Bank sind lediglich ein paar Unterschriften zu leisten. Zusätzlich geht man mit dem Berater die Einziehungsaufträge durch. Bis alles vom neuen Konto abgebucht wird, kann jedoch etwas Zeit vergehen. Nach rund einem Monat, also spätestens mit dem Eingang des neuen Gehalts, sollte jedoch alles übertragen worden sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2013)

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