Onlinebroker: Der Markt wird größer

Bei Onlinebrokern handelt man günstiger als bei Filialbanken. Doch gibt es zwischen ihnen Unterschiede, nicht nur preisliche. Worauf man noch achten sollte.

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Wien.Der Wettbewerb auf dem Onlinebroker-Markt wird größer. Der niederländische Anbieter Degiro bietet seine Dienstleistungen nun auch in Österreich an– mit Transaktionskosten, die um durchschnittlich 80 Prozent unter denen der Konkurrenz liegen sollen. So fallen beim Kauf von österreichischen Aktien um 1000 Euro 2,20 Euro Spesen an; das entspreche einem Drittel des nächstbilligsten Angebots (Flatex). Bei US-Aktien gibt es besonders günstige Konditionen. Beratung oder Haftung bei Irrtümern des Kunden gibt es nicht.

Bei der Konkurrenz– die Platzhirsche sind Direktanlage (vor Verkauf an BNP Paribas), Brokerjet (Erste), Bankdirekt (RLB Oberösterreich), Easy Bank (Bawag) und der deutsche Anbieter Flatex– gibt man sich gelassen und verweist auf Serviceleistungen, die Degiro nicht anbietet, etwa den Abzug der Kursgewinnsteuer und den Verlustausgleich. Einer der wichtigsten Gründe für die Entscheidung für einen Onlinebroker sind dennoch die Kosten. Die sind generell bei Direktbanken geringer als bei Filialbanken. Wie aus einem Vergleich des Vereins für Konsumenteninformation hervorgeht, gilt das auch, wenn man keinen Berater hinzuzieht, sondern online bei einer Filialbank handelt. Dann zahlt man drei Mal so viel, wie bei Direktbanken anfällt. Bei der Ordererteilung über das Internet erwiesen sich Flatex, Brokerjet und Direktanlage als die kostengünstigsten. (Der Vergleich im Magazin „Konsument“ erschien im Mai; Degiro wurde nicht berücksichtigt).

 

Vorsicht bei Überträgen

Den größten Brocken machen Transaktionskosten aus. Dem Vergleich zufolge entsprechen sie selbst bei zehnjähriger Haltedauer 60 Prozent. Der zweitgrößte Brocken sind Konto- und Depotgebühren. Nicht alle Anbieter verrechnen solche (Flatex und Degiro etwa nicht, Brokerjet dann nicht, wenn man mindestens ein Mal pro Quartal handelt). Auf weitere Kosten (etwa für Depotüberträge) sollte man die Preislisten der Anbieter durchforsten. Ein Depotübertragvon einem Anbieter zum anderen ist meist teuer. Im schlimmsten Fall fallen Kosten beim alten und beim neuen Onlinebroker an. Degiro verlangt etwa 25 Euro pro Position für jeden Übertrag von oder zu Degiro.

„Wenn ein Kunde zehn Positionen auf dem Depot hat, dann muss er für den Übertrag zu Degiro 250 Euro an Spesen bezahlen. Für diesen Betrag könnte er bei Flatex 26 Trades in Höhe von 1000 Euro abwickeln“, rechnet Robert Ulm von Flatex vor. Bei Degiro bestreitet man das nicht: „Bei uns sind die Kosten so niedrig, dass man die Wertpapiere besser verkauft und dann bei uns kauft“, sagt Degiro-Vorstand Jasper Anderluh. Eine Strategie, die steuerliche Nachteile bringen kann, wenn es sich um vor 2011 erworbene „Altbestände“ handelt, die keiner Kursgewinnsteuer unterliegen. Verkauft man sie und kauft sie zurück, verzichtet man für weitere Gewinne auf diesen Vorteil.

Auch auf die Höhe der Zinsensollte man achten. Solche fallen an, wenn man schon Wertpapiere besitzt, diese als Sicherheit einsetzt, neue Papiere kauft und erst im Nachhinein bezahlt. Direktanlage, Brokerjet, Flatex, Bankdirekt und Easy Bank gehören Einlagensicherungsfonds an. Das Bargeld auf dem Verrechnungskonto (bis zu 100.000 Euro) unterliegt der Einlagensicherung. Die Wertpapiere sind von den Bankbilanzen getrennt und damit bei einer Bankinsolvenz sicher. Degiro unterliegt zwar der Aufsicht der niederländischen Finanzaufsichtsbehörde, ist aber keine Bank und gehört keinem Einlagensicherungsfonds an. „Das brauchen wir nicht, denn bei uns stehen auch die Einlagen der Kunden nicht in der Bilanz und sind damit sicher“, sagt Anderluh.

 

Oft Schulungen angeboten

Neben der Abwicklung des Wertpapierhandels bieten einige Onlinebroker weitere Dienstleistungen an. So verweisen etwa Brokerjet und Flatex auf Schulungen und Seminare, Direktanlage auf Ansparpläne für Fonds, ETFs, Aktien oder Zertifikate. Zudem gibt es befristete Rabatte für Neukunden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2014)

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