Arme Reiche: Als „Privatier“ ein Mächtiger Rumäniens

Dan Voiculescu gab nach seinen Firmen auch sein Senatsmandat ab.

AP

BUKAREST/WIEN. Es gebe nicht „Freunde“ und „Feinde“, sondern nur Menschen, die ihn kennen, und solche, die ihn nicht kennen, philosophiert Dan Voiculescu auf seiner Website. „Glücklicherweise ändern jene, die mich nicht kennen, ihre Meinung über mich, wenn sie mich kennenlernen.“ Manche sehen das als Drohung.

Wenn Voiculescu, einer der umstrittensten Unternehmer-Politiker des an solchen nicht armen Landes, Ende September den 61. Geburtstag begeht, ist er „nur noch Privatier“. 2001 hatte er formell alle Geschäfte den beiden Töchtern Camelia und Corina übergeben – soeben legte er sein Mandat als Senator zurück.

Als Politiker war er nicht übermäßig erfolgreich. Die 1991 von ihm gegründete Humanistische Partei zog 2004 über gemeinsame Wahllisten mit den Postkommunisten ins Parlament ein, mutierte zur Konservativen Partei, beteiligte sich an der Koalition mit Liberalen und Demokraten, verließ aber diese 2006 wieder. Bei Voiculescu liest sich das so: „2001 beschloss Herr Dan Voiculescu, sich aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen, als seine Partei die Wahlen gewann und er begann, das Land gemeinsam mit anderen Parteien zu regieren.“

Er regiert tatsächlich mit – über die 1990 gegründete Mediengruppe Intact, inzwischen ein Verbund aus sechs Sendern rund um Antena 1, dazu die Tageszeitung „Jurnalul National“, ein Sportblatt und eine Finanz-Wochenzeitung. Staatspräsident Traian Basescu, dessen vorübergehende Absetzung durch das Parlament er betrieben hatte, unterstellt ihm und den beiden anderen Medienmogulen Dinu Patriciu und Sorin Ovidiu Vantu: „Sie wollen die Dinge schwächen, die sie davon abhalten, ökonomische Vorteile von Politikern zu erhalten, die sie kontrollieren.“


Sieben Dollar Zuschuss pro Tag

Unternehmer wurde der studierte Ökonom als Rumänien-Vertreter der zypriotischen Crescent-Handelsgruppe. So nebenbei war er auch Offizier der gefürchteten Geheimpolizei Securitate. Als Außenhändler habe er vom rumänischen Staat sieben Dollar pro Tag bekommen, sagt er – nach 21 Jahren habe er 30.000 Dollar besessen und die Grivco-Gruppe gegründet. Laut Kritikern hatte er die 20 Firmen via Privatisierung spottbillig aufgekauft. Seine erste Million machte Voiculescu nach eigenen Angaben 1996 mit Dividenden von Grivco und Antena 1. Heute wird sein Vermögen auf 400 Mio. Euro geschätzt.

Um Ausreden war er nie verlegen. So kaufte Grivco Ende 2004 vom staatlich kontrollierten Konzern Rovinari billigen Strom für den Eigenbedarf und gab ihn mit großem Gewinn an den staatlichen Verteiler Electrica weiter. Voiculescus Erklärung: Damals sei er bei Grivco nicht Chef, sondern „nur“ Aktionär gewesen.

Mit dem Rückzug aus dem Senat könnte Voiculescu der Aufhebung seiner Immunität zuvor gekommen sein: Die Antikorruptionsbehörde DNA hat ein Verfahren gegen ihn wegen Geldwäsche eingeleitet. Doch er bleibt bei seinem Motto: „Wenn ich neu beginnen müsste, würde ich denselben Weg wählen. Meinen Weg!“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2007)

Kommentar zu Artikel:

Arme Reiche: Als „Privatier“ ein Mächtiger Rumäniens

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen