Staatsfinanzen: „Wundersame“ Geldvermehrung in der Türkei

Eine Änderung der Berechnungsgrundlage macht die Türken reicher.

ISTANBUL (APA). Welcher Finanzpolitiker träumt nicht davon – auf einen Schlag 30 Prozent mehr Pro-Kopf-Einkommen und 15 Prozent weniger Staatsschulden. In der Türkei ist dieses Kunststück jetzt geglückt, dank einer Neuberechnung der Staatsfinanzen durch das Statistikamt in Ankara. „Wir sind über Nacht reich geworden“, meldete eine Zeitung mit ironischem Unterton: Einige Beobachter sehen in den neuen Zahlen eher Schönrechnerei als fundierte Kalkulation.

Doch die neue Berechnungsart vermittelt nach Meinung von Experten ein realistischeres Bild der Lage, auch weil die bisher kaum erfasste Schattenwirtschaft besser berücksichtigt wird. Selbst auf die Beziehungen der Türkei zur EU könnten sich die neuen Zahlen positiv auswirken.

Nach den neuen Zahlen der Statistiker lag das Pro-Kopf-Einkommen der Türken im Jahr 2006 bei 7500 US-Dollar (4889 Euro) – bisher war die Summe mit 5480 Dollar angegeben worden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2006 lag laut Neuberechnung bei 758 Mrd. Dollar (494 Mrd. Euro), und nicht bei 576 Mrd. Dollar. Die Staatsschulden sanken mit einem Schlag von 63 Prozent des BIP auf 48 Prozent. Die neuen Berechnungsmethoden entsprächen den EU-Standards, erklärte das Statistikamt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2008)

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