Rumänien: Moody's: „Überhitzung der Wirtschaft“

Ratingfirma kritisiert Regierung und warnt vor Abhängigkeit von Westbanken.

LONDON/WIEN (go). Rumänien könnte noch heuer in den Strudel der Kreditkrise geraten, der im August 2007 in den USA begonnen hat. Zwar sei die rumänische Volkswirtschaft viel stabiler und deutlich robuster als in den 90er Jahren. Die starke Abhängigkeit von ausländischen Banken und die zuletzt stark steigende Neuverschuldung der Regierung seien aber Gründe dafür, dass Rumänien noch lange nicht so kreditwürdig sei wie die meisten anderen neuen EU-Mitgliedstaaten. Das befindet die Ratingagentur Moody's in einer neuen Studie.

Moody's kritisiert die „unordentliche“ politische Situation vor den Parlamentswahlen im November. Der politische Wettstreit habe das Privatisierungsprogramm „praktisch gestoppt“. Die Regierung rede nun sogar davon, einen staatseigenen „Energie-Champion“ zu formen. Zwar seien die Risiken, die Rumäniens Staatsfinanzen verursachten, nach Ansicht der Ratingagentur gering. Die Fiskalpolitik habe sich aber in der jüngsten Vergangenheit stark verschlechtert. So rechnet Moody's damit, dass Rumänien heuer wegen der Erfüllung zahlreicher Wahlversprechen nicht das geplante Budgetdefizit von 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) hinnehmen wird müssen, sondern mehr als drei Prozent Neuverschuldung.


Österreich ist größter Investor

Das wäre nicht so schlimm, würde die Regierung diese zusätzlichen Ausgaben in die Modernisierung der teils noch sehr minderwertigen Infrastruktur investieren, hält Moody's fest. Die Qualität der Regierungsausgaben sei aber „ziemlich armselig“. Ende 2007 war die Regierung deutlich hinter ihre Pläne für Kapitalinvestitionen zurückgefallen. Die laufenden Ausgaben – vor allem für die Gehälter von Staatsbediensteten und höhere Pensionen – seien aber schnell gestiegen.

Die meisten Auslandsinvestitionen in Rumänien stammen aus Österreich. Vor allem heimische Banken sind sehr aktiv. Moody's nennt keine Namen, weist aber auf das Risiko hin, dass ein Großteil der Kredite, die das rumänische Wirtschaftswachstum antreiben, von den Töchtern ausländischer Banken kommt. Die globale Finanzkrise könnte „manche internationale Banken und Investoren dazu bewegen, ihre Geldflüsse nach Rumänien zu verringern.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2008)

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