Energie: Kreml winkt der Ukraine mit neuem Gasvertrag

Russische Gaslieferungen an die Ukraine sollen heute fixiert werden – aber ohne Einigung über den Preis.

Gasflamme
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Moskau/Kiew (ag./mac). Dass Russland jeden Winter die Gasrechnung erhöht, daran mussten sich die Menschen in der Ukraine längst gewöhnen. Dass ab 1. Jänner aber gar kein russisches Gas mehr in die Ukraine fließen könnte, löste im Land erneut schwere Sorgen aus. Ende des Jahres läuft der Gasliefervertrag des ukrainischen Staatskonzerns Naftogaz mit dem russischen Monopolisten Gazprom aus. Angesichts der momentanen Spannungen zwischen den beiden Ländern befürchten viele einen Energieengpass in der Ukraine.

Doch nun gibt es erste Anzeichen einer Entspannung im drohenden Gaskonflikt, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax. Ihr zufolge wird Premierministerin Julia Timoschenko heute, Donnerstag, einen Gasliefervertrag mit Russland unterzeichnen.

 

Keine Einigung auf Preis

Einen endgültigen Gaspreis für das kommende Jahr soll das Papier aber nicht enthalten. Dabei entzündet sich genau daran seit Jahren regelmäßig Streit zwischen den beiden Ländern. Seit sich die Ukraine in der „Orangen Revolution“ 2005 stärker dem Westen zugewandt hat, erhöhte Gazprom jeden Winter die Preise für die Ukraine drastisch.

Eskaliert ist die Situation im Winter 2005/2006, als Russland der Ukraine nach erfolglosen Verhandlungen den Gashahn einfach abgedreht hatte. Ein harter Schlag auch für Europa, denn um ihren Energiebedarf zu decken, zweigte die Ukraine Teile des für Europa bestimmten Erdgases einfach ab.

Russland deckt ein Viertel des europäischen Gasbedarfs. Ein Großteil davon läuft durch Pipelines, die durch die Ukraine verlegt sind. Dort ist die Abhängigkeit vom russischen Monopolisten allerdings noch größer. Kiew importiert 71 Prozent des Erdgasbedarfs von Gazprom.

2006 musste die Ukraine letztendlich einer Verdopplung des Preises zustimmen. Im Jahr darauf erhöhte Russland den Preis um 37, heuer um weitere 38 Prozent. Für den kommenden Winter kündigte Gazprom eine erneute Verdopplung der ukrainischen Gasrechnung an. Derzeit zahlt Kiew 179,50 Dollar (127 Euro) für 1000 Kubikmeter Erdgas. Das ist immer noch weniger als die Hälfte des Preises für europäische Abnehmer. Setzt Gazprom die geplante Erhöhung auf 400 Dollar aber durch, wäre das ein „absoluter Schock“ für die ukrainische Wirtschaft, sagte Timoschenko vergangene Woche. Und auch Europa dürfte wohl erneut zu zittern beginnen, denn ohne Einigung auf einen Preis bleibt auch das für Donnerstag erwartete Papier wertlos, und Europas Gas könnte erneut in der Ukraine hängen bleiben.

 

Moskau stützt Timoschenko

Beobachter bewerten den Vertrag als Unterstützung des Kremls für die ukrainische Premierministerin Timoschenko. Präsident Viktor Juschtschenko, mit dem sie im Moment im Wahlkampf steht, hatte zuletzt den „Fünf-Tage-Krieg“ der Russen gegen Georgien scharf kritisiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2008)

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