Gute Geschäfte mit schlechtem Wetter

Österreichs größter privater Anbieter Ubimet breitet sich rasch nach Osten aus. Ubimet kauft und nutzt die Daten und Modelle von der Hohen Warte, ergänzt sie aber um Messungen an eigenen Stationen, vor allem in unwettersensiblen Zonen.

(c) BilderBox (Erwin Wodicka)

Wien. Die düstere Prognose zuerst: Bei Bauernregeln rümpfen Meteorologen zwar meist die Nase, aber vor dem Siebenschläfertag haben sie Respekt. Die Regel besagt: Wie das Wetter am 27. Juni ist, so bleibt es zwei Monate lang. „Da gibt es eine klare Korrelation, vor allem, wenn man die ganze Woche nach der Sonnenwende betrachtet“, gesteht Manfred Spatzierer, oberster Wetterfrosch und Co-Geschäftsführer von Ubimet. Kurz und schlecht: Es sieht nach einem verregneten Sommer aus.

Besser sind die Aussichten für das Unternehmen Ubimet. 2004 vom Uni-Absolventen Spatzierer und seinem Kommilitonen Michael Fassnauer als „meteomedia“ gegründet, entwickelte sich das Start-up zum größten privaten Wetterdienstleister Österreichs. Ende Mai kauften die beiden den 51 Prozent-Anteil eines Schweizer Risikokapitalinvestors zurück, benannten die Firma in Ubimet um und konzentrieren sich nun auf die Expansion nach Osteuropa.

Möglich wurde die für Österreich neue Art von Geschäft durch eine „Liberalisierung“ des Wetterdienstes. Neben der staatseigenen Zentralanstalt für Meteorologie und dem ebenfalls staatlichen Flugwetterdienst bei der Austrocontrol haben sich in den letzten Jahren mit Ubimet und Mowis zwei private Anbieter etabliert.

 

300.000-mal gewarnt

Ubimet kauft und nutzt die Daten und Modelle von der Hohen Warte, ergänzt sie aber um Messungen an eigenen Stationen, vor allem in unwettersensiblen Zonen mit weißen Flecken. Dazu kommt die Erfahrung von 24 stolzen Meteorologen, die durchaus den Anspruch erheben, dass sie Sonne und Regen besser voraussagen als der frühere Monopolist.

Mowis ist stärker in der Vermarktung der Daten über Onlineportale, vor allem über die Plattform „wetter.at“. Der Marktführer Ubimet hat im Medienbereich mit der „Presse“ und dem „Standard“ große Printkunden, sein Schwerpunkt liegt aber bei den postleitzahlengenauen Warnungen vor Gewitter und Schnee.

300.000 Österreicher wissen Bescheid, wann sie besser das gekippte Fenster schließen, die Markise einrollen und die Balkonpflanzen in Sicherheit bringen sollten. Sie erhalten – meist über Versicherungen wie Uniqa, Victoria Volksbank oder Raiffeisen Versicherung – die Warnmeldung der Ubimet per SMS oder E-Mail.

Dazu kommen Firmen und Organisationen, für die es eine große Rolle spielt, welche Unbill von oben droht: die ÖBB, Energieversorger, der Zivilschutz, Schneeräumer, Touristiker und Veranstalter. So hat Ubimet etwa beim Donauinselfest 2007 eine Massenpanik verhindert: 20 Minuten vor dem Hagel wurden hunderttausende Besucher unter schützende Brücken und Dächer gelotst.

Zwei Monate später in Budapest fehlte eine solche rettende Prognose. Am Stadtfest zum Nationalfeiertag Ende August kamen bei Sturmböen und Gewittern mehrere Menschen ums Leben. Ungarn ist auch der erste Auslandsmarkt, in dem Ubimet Fuß gefasst hat. Hier kommen die interessierten Kunden in Ballungszentren vor den eigenen Messstationen, die erst sukzessive aufgebaut werden. Ähnliches gilt auch für Polen und für Tschechien, wo in Kürze gestartet wird. Anfragen gibt es aus Rumänien, Bulgarien und der Ukraine.

„Die Märkte im Osten kennen wir noch nicht gut, aber mit dem Himmel darüber beschäftigen wir uns schon seit Jahren“, erklärt Fassnauer. In Ungarn musste er Lehrgeld zahlen: „Der staatliche Wetterdienst war wenig kooperativ, die Rechtsunsicherheit ist groß. Kurz nach dem ersten Angebot sollten die Daten plötzlich das Dreifache kosten.“ Sogar nationale Töne wurden laut, da hieß es: „Wir lassen uns nicht von Österreichern sagen, wann die ungarische Saat im Boden erfriert.“

Dabei liegt die Trefferquote bei den Prognosen schon bei 90Prozent. Deutlich höher übrigens als bei der Verheißung zum Siebenschläfertag, die sich nur in 70Prozent der Fälle erfüllt – die Hoffnung auf einen schönen Sommer lebt.

Auf einen Blick

Neben der staatlichen „Zentralanstalt“ gibt es in Österreich mit Ubimet und Mowis auch private Wetterdienste. Ubimet expandiert nach Osteuropa und ist in Ungarn, Polen und Tschechien präsent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2009)

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