Türkei feilscht für Nabucco um Gas aus Katar

Das Emirat überlegt den Bau einer 2000 Kilometer langen Gaspipeline vom Golf in die Türkei.

Nabucco
Nabucco
(c) EPA (BURHAN OZBILICI/POOL)

Istanbul (ag/mac). Erst vor wenigen Wochen hatten die Staatsoberhäupter der Türkei, Österreichs, Ungarns, Rumäniens und Bulgariens offiziell den Startschuss zum Bau der Nabucco-Pipeline gegeben. Lange hatte die Türkei um höhere Zugeständnisse gepokert und so diese wichtige Einigung verzögert. Ohne die Türken wäre das Projekt zum Scheitern verurteilt gewesen, laufen doch knapp zwei Drittel der 3300 Kilometer langen Pipeline über türkisches Territorium.

Nun wird das Land aktiv und könnte türkischen Medien zufolge zur Lösung eines der größten Probleme der europäischen Pipeline beitragen: Mit dem Golf-Emirat Katar könnte sich Europa eines der erdgasreichsten Länder der Welt als Energielieferanten sichern. Bei einem Gespräch mit dem Emir von Katar, Scheich Hamad Bin Chalifa Al Thani, habe Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Bau einer mehr als 2000 Kilometer langen Gaspipeline vom Golf in die Türkei angeregt, berichtete die Zeitung „Sabah“ am Mittwoch. Der Emir, der die Türkei zur Zeit besucht, habe auf den Vorschlag positiv reagiert, heißt es weiter.

 

Emirat voll Erdgas

Sollte sich Katar tatsächlich zu einem verlässlichen Lieferanten für die Nabucco-Pipeline entwickeln, hätte das europäische Prestigeprojekt eine Sorge weniger. Noch mangelt es der Pipeline, die Europas Abhängigkeit von russischen Erdgasimporten minimieren soll, an genügend Gaslieferanten.

Aserbaidschan hat seine Teilnahme zwar zugesagt, mehr als vier der angestrebten 31 Milliarden Kubikmeter Erdgas wird das Land im Jahr aber nicht liefern können. Katar hatte Ende des vergangenen Jahres laut eines Berichts des Mineralölkonzerns BP gesicherte Erdgasreserven von 25,46 Billionen Kubikmetern. Damit lagern 13,8 Prozent der weltweiten Erdgasvorkommen in diesem Golf-Emirat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2009)

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