Osteuropa als Goldgrube für Investmentbanker

Die Firma "Vienna Capital Partners" ist in Zentral- und Osteuropa zu einer der führenden Investmentgesellschaften aufgestiegen. Seit Jahresbeginn wurden Deals im Volumen von 1,5 Mrd. Euro abgewickelt.

Heinrich Pecina, Gründer der Investmentfirma „Vienna Capital Partners“ (VCP).
Heinrich Pecina, Gründer der Investmentfirma „Vienna Capital Partners“ (VCP).
(c) Clemens Fabry

Wien (höll). „Die Totenstarre des Jahres 2009 scheint überwunden zu sein“, freut sich Heinrich Pecina, Gründer der Investmentfirma „Vienna Capital Partners“ (VCP). In Osteuropa feiern Investmentbanker wie Pecina ein Comeback. Das Geschäft mit Börsengängen, Firmenübernahmen und anderen Transaktionen legt wieder zu. Allein im ersten Halbjahr 2010 wickelte „Vienna Capital Partners“ Transaktionen im Gesamtvolumen von 1,5 Mrd. Euro ab – das ist doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Damit ist die Wiener Investmentfirma in Osteuropa zu einem der führenden Anbieter aufgestiegen.

Der größte Deal kam in der Vorwoche zustande. Gemeinsam mit Partnern fädelte Pecina den Teilverkauf des größten ungarischen Chemiekonzerns BorsodChem (Jahresumsatz: 600 Mio. Euro) an den chinesischen Rivalen „Wanhua Industrial Group“ ein.

Die Chinesen übernahmen im Zuge einer Kapitalerhöhung 38 Prozent an BorsodChem. Laut Pecina wurde Wanhua die Option eingeräumt, in den nächsten 24 Monaten die Mehrheit an BorsodChem zu erwerben. An dem Chemiekonzern ist VCP mit 6,5 Prozent beteiligt. Die Chinesen haben sich verpflichtet, 140 Mio. Euro in den Ausbau von BorsodChem zu investieren. Mit dem Geld sollen unter anderem zwei neue Betriebsanlagen errichtet werden. „Erstmals beteiligt sich ein strategischer Investor aus China mit einer so großen Investitionssumme in Zentral- und Osteuropa“, sagte Pecina am Montag bei einem Pressegespräch in Wien.

Zusätzlich hält Vienna Capital Partners 25 Prozent der Aktien an der börsenotierten Budapester Bank FHB. Diese will demnächst die ungarische Banktochter der Allianz-Versicherung übernehmen.

 

Ungarn: zu hohe Bankensteuer

Als Miteigentümer eines Kreditinstituts hat Pecina keine Freude mit der geplanten Bankensteuer, die dem ungarischen Staat jährlich 700 Mio. Euro bringen soll. Die Regierung in Budapest will die Abgabe noch heuer einführen. Die erste Rate soll im September eingehoben werden, die zweite Tranche im Dezember. Angesichts der geringen Größe des ungarischen Marktes sei die Abgabe überhöht, kritisiert Pecina. In der Vorwoche waren Verhandlungen zwischen Bankenvertretern und der Budapester Regierung gescheitert.

In Polen betreute „Vienna Capital Partners“ die Mehrheitsübernahme am Lebensmittel- und Getränkehersteller „Agros Nova“ durch eine Beteiligungsgesellschaft. In Kroatien war VCP an der Übernahme des Papierkonzerns Belisce durch den österreichischen Rivalen Constantia Packaging beteiligt. Pecina ist davon überzeugt, dass die Transaktionen auch in der zweiten Jahreshälfte zunehmen werden.

Denn viele Konzerne in Osteuropa brauchen frisches Kapital. Weil die Banken bei der Kreditvergabe zurückhaltend sind, sind nun andere Lösungen gefragt. Außerdem nutzen Beteiligungsgesellschaften die Chance und kaufen sich günstig bei Firmen ein.

Wie hoch der Gewinn von VCP im Vorjahr gewesen ist, sagt Pecina nicht. Er verrät nur, dass an die Eigentümer drei Millionen Euro ausgeschüttet wurden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2010)

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