IWF-Bericht: Wenn chinesische Blase platzt, erzittert Weltwirtschaft

China wird als Handelspartner immer stärker, das Interesse an Wirtschaftsreformen auch. Der IWF warnt allerdings in einem Bericht, dass konjunkturelle Schocks im Land auf die Weltwirtschaft übergreifen können.

Symbolbild
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(c) EPA (Paul Hilton)

Wien/gre. Die Wettbewerbsverzerrungen in der chinesischen Wirtschaft werden zunehmend zu einem Risikofaktor für die ganze Welt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat dazu nun eigens einen Bericht verfasst, in dem er warnt, dass konjunkturelle Schocks in China auf die Weltwirtschaft übergreifen können.
Denn die Verflechtung mit der Weltwirtschaft wird immer dichter. Und das Land selbst wird für viele Handelspartner immer wichtiger: Für 78 Länder, die gemeinsam mehr als die Hälfte des Welt-BIPs generieren, ist China der größte oder zweitgrößte Handelspartner. 2000 waren es noch 13 Länder mit einem Anteil von 15 Prozent am globalen BIP gewesen.
Der IWF sieht die Wurzel der Instabilität in der geänderten Rolle Chinas: Es ist zu einem bedeutenden Abnehmer von Rohstoffen und anderen Gütern geworden. Viele Länder haben gerade während der Krise deshalb von der Dynamik der chinesischen Wirtschaft profitiert. Das Land sei der zentrale Händler in der Weltwirtschaft, niemand sonst hat stärkere Beziehungen zu wichtigen Industriestaaten. Damit entsteht allerdings auch die Gefahr, dass konjunkturelle Schocks auf die Weltwirtschaft übergreifen.

Strukturreformen notwendig

Deshalb hat die chinesische Wirtschaft und die Frage nach deren Nachhaltigkeit eine immer größere Bedeutung für Europa und die USA. Laut Ansicht vieler Experten profitiert China von Wettbewerbsverzerrungen. Die USA monieren schon länger, dass der Yuan (offizielle Bezeichnung Renminbi) unterbewertet sei – um bis zu 23 Prozent, wie der IWF errechnete. Seit einiger Zeit lässt die Führung zwar eine leichte Anpassung an den Dollar zu – im letzten Jahr um 5,5 Prozent. Durch die Dollarschwäche wertete der Yuan aber verglichen zu anderen Währungen weiter ab. Das verschafft den Exporteuren den Vorteil, dass ihre Produkte für das Ausland vergleichsweise billig sind, weshalb die Exporte boomen und die Handelsbilanz hohe Überschüsse verzeichnet. Im Gegenzug werden hohe Reserven in fremder Währung angehäuft.
Doch das ist nur ein Teil des Problems. Denn nicht nur der Wechselkurs, sondern auch eine hohe Sparquote – und damit niedrige Konsumnachfrage – halten die Preise niedrig. Die Industrie profitiert also auch von relativ niedrigen Kosten für Arbeit und Produktionsmittel.
Das gesparte Geld wird investiert, China hat eine der höchsten Investitionsquoten der Welt. Das nährt Vermögensblasen, zum Beispiel auf dem Immobilienmarkt. Unterstützt wurde die Entwicklung noch von Konjunkturprogrammen, die so nebenbei die Geldmenge stark erhöhen und die Preise treiben.
Die Folgen von platzenden Blasen konnte die Welt in den Wirtschaftskrisen des vergangenen Jahrzehnts sehen. In China gilt es das zu verhindern. Die Regierung hat das erkannt und Maßnahmen in den aktuell gültigen Fünfjahresplan aufgenommen. Der IWF lobt das, drängt aber auf eine lückenlose Umsetzung.

Vermögenssteuer gegen Blase

Weitere Aufwertungen des Yuan, verbunden mit Reformen des Finanzsystems hätten signifikant positive Effekte auf die Weltwirtschaft, schreibt der IWF.
Zur Blasenbekämpfung müssten die Kapitalpreise (zum Beispiel durch Zinserhöhungen) weiter erhöht werden, es wird auch eine Vermögenssteuer und die Schaffung neuer Anlageformen – als Alternative zu Immobilien und Co. – vorgeschlagen. Der Inlandskonsum soll angekurbelt und die Sparquote gesenkt werden.
Wenn die Preise für Kapital steigen, passt sich auch die Kostenstruktur der chinesischen Industrie langsam an die der ausländischen Konkurrenz an. Derzeit gilt die Kostenstruktur in China als verzerrt, schreibt der IWF. Die niedrigen Preise für Kapital und Arbeit werden als unfaire Wettbewerbsvorteile gesehen.
Die gesamte Weltwirtschaft muss Interesse daran haben, dass China die Verwerfungen in seiner Wirtschaft beseitigt. Geschieht das nicht, sitzen alle im selben Boot.

Auf einen Blick

Der IWF (Internationaler Währungsfonds) warnt davor, dass die chinesische Wirtschaft zu einem Problem für die Weltwirtschaft werden könnte. Die Handelsverflechtungen nehmen weiter zu, China wird auch als Importeur immer wichtiger. Die chinesische Wirtschaft profitiert von der unterbewerteten heimischen Währung und von im Vergleich niedrigen Produktionskosten. Niedrige Zinsen und hohe Staatsausgaben beflügeln allerdings die Inflation und die Bildung von Vermögensblasen.

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