Slowakei: Harter Streit um weiches Mineral

Zwei Firmen mit österreichischen Müttern streiten um eine Konzession für Talkabbau. EuroGas will die Slowakei vor einem internationalen Schiedsgericht auf 500 Millionen Euro klagen.

Slowakei Harter Streit weiches
Slowakei Harter Streit weiches
Minenarbeiter – (c) Dapd (Petr David Josek)

Bratislava. 500 Mio. Euro will die österreichische Firma EuroGas einklagen - so enorm sei der Schaden, den die slowakische Bergbaubehörde der slowakischen EuroGas-Tochter Rozmin zufügte, indem sie ihr die Abbaukonzession für ein zukunftsträchtiges Mineral entzog.

Die Konkurrenzfirma, der die Lizenz inzwischen gehört, steht ebenfalls unter österreichischer Federführung: VSK Mining ist ein Tochterunternehmen des Baustoffkonzerns Schmid Industrieholding. Der Streit dreht sich um Talk, das weichste in der Natur vorkommende Mineral. Es gibt weltweit nur wenige für den Bergbau zugängliche Lagerstätten für den wertvollen Rohstoff für die Papier- und Kunststoffindustrie.

Talk wird zum knappen Gut

Die vermutlich größte nutzbare Lagerstätte Europas und eine der größten der Welt befindet sich in Gemerská Poloma in der Südslowakei. Als das Talkvorkommen vor 25 Jahren entdeckt und dann von Experten erforscht wurde, versprach es rasch zur Goldgrube für die strukturschwache Region mit 30 Prozent Arbeitslosigkeit zu werden. Denn alle Experten sagen dem Talkabbau eine große Zukunft voraus: Weil die bisherigen Talkgroßmächte China und Indien immer mehr Talk für ihre eigenen Industrien brauchen, beschränken sie zunehmend den Export. Umso wertvoller wird die Mine in Gemerská Poloma, sind sich EuroGas und VSK Mining einig.

Damit endet aber auch schon die Übereinstimmung, der Rest ist Thema von umstrittenen Behördenentscheidungen, Gerichtsklagen und einstweiligen Verfügungen. Fakt ist Folgendes: Im Jahr 2004 entzog die staatliche Bergbaubehörde der EuroGas-Tochter Rozmin die Konzession für den Abbau mit der Begründung, die Firma habe jahrelang keine Schritte unternommen, um mit dem Abbau des Minerals zu beginnen. Während es für ein börsenotiertes Unternehmen sinnvoll sein kann, untätig eine Konzession zu halten und auf Preissteigerungen auf dem Weltmarkt zu warten, sah sich der slowakische Staat geschädigt, weil er ohne aktive Förderung auch keine Gebühreneinnahmen verbuchen konnte.

In einem neu aufgerollten Verfahren wurde die Konzession unter umstrittenen Umständen an eine bis dahin unbekannte andere Firma vergeben, aus der später VSK Mining wurde. Doch seit die in Österreich bereits im Kalkbergbau erfahrene Schmid Industrieholding bei VSK Mining das Sagen hat, geht offensichtlich wirklich etwas weiter: Stolz konnte diesen Freitag der inzwischen fertige vier Kilometer lange Stollen der Öffentlichkeit präsentiert werden, durch den in einigen Jahren bis zu 100.000 Tonnen Talk pro Jahr ans Tageslicht gefördert werden sollen.

Rund 20 Mio. Euro hat VSK Mining in die Vorbereitungsarbeiten (Stollen, Rettungsschacht und zahlreiche Forschungsbohrungen) investiert. In den nächsten zwei Jahren sollen weitere 20 Mio. Euro vor allem für den Bau der Verarbeitungsanlagen aufgewendet werden.

 

Jeder sieht sich als Sieger

Überschattet ist aber jeder konkrete Schritt durch den sich ziehenden Behörden- und Gerichtsstreit: Erstmals 2008 und dann nochmals im Mai 2011 hat das Oberste Gericht der Slowakei den Konzessionsentzug für mangelhaft erklärt und an die Bergbaubehörde zur Überarbeitung zurückverwiesen. Während die Behörde selbst und auch VSK Mining dahinter nur kleine Formalfehler sehen, die man demnächst in Ordnung bringen werde, erklärte sich EuroGas bereits als Gewinner: VSK Mining habe damit die Lizenz verloren und angeblich bereits die Arbeiten am Stollen eingestellt, verkündete EuroGas in einer Aussendung.

Von der „Presse“ auf die weiterlaufenden Arbeiten angesprochen, beharrt EuroGas-Vertreter und Rozmin-Geschäftsführer Alexander Danicek auf seiner Darstellung: „Das sind ja nur Reparaturarbeiten, aber keine wirkliche Produktion.“ Weitere Auskünfte will er mit Verweis auf noch laufende Gerichtsverfahren keine geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2011)

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