Streit um Schwarzwälder Schinken geht in die nächste Runde

Seit 13 Jahren tobt der Schinkenstreit, der in Italien grundsätzlich nicht möglich wäre. Wären da nicht findige Chinesen, die einfach eine Stadt Parma gründeten.

Wo kommt jetzt der Schinken wirklich her?
Wo kommt jetzt der Schinken wirklich her?
Wo kommt jetzt der Schinken wirklich her? – (c) imago stock&people

Es ist alles sehr kompliziert, aber der reihe nach. Die EU regelt vieles in unserem Leben und dem der Unternehmen. So hat Brüssel festgelegt, dass Schwarzwälder Schinken aus dem Schwarzwald kommen und nach klar festgelegten Methoden hergestellt werden muss. Dadurch wird jedoch nur die Produktion des Schinkens geregelt und es wird noch nicht gesagt, wo der Schinken aufgeschnitten und verpackt wird.

Seitdem auch eine Firma aus Norddeutschland den Schinken abpackt, versuchen die Schwarzwälder Schinkenhersteller eine spezifiziertere Regelung durchzusetzen. Nämlich dass auch Aufschnitt und Verpackung des geräucherten Fleisches im Schwarzwald zu erfolgen hat. 

Und weil das Unternehmen aus dem Norden das so nicht akzeptieren will, werden seit 2005 Gerichte und Behörden mit der Auseinandersetzung beschäftigt.  Das Marken- und Patentamt in München lehnte die weiter gehende Spezifikation zunächst ab. Die Entscheidung hob dann aber das Bundespatentgericht wieder auf. Anschließend hob der Bundesgerichtshof wiederum die Entscheidung des Bundespatentgerichts auf.

In Italien ist alles geregelt

So ging der Streit durch alle Rechtsinstanzen und landete nun beim Europäischen Gerichtshof, der über den Fall entschieden soll. Am Donnerstag findet die mündliche Verhandlung zum Schinkenstreit statt, berichtet die "Welt". Dadurch ist auch gesichert, dass der Streit eine Fortsetzung findet und es bis zu einem Urteil noch Monate oder gar Jahre dauern wird. 

In Italien ist das alles klar geregelt. Der berühmte Parmaschinken muss nicht nur in Parma hergestellt werden, er muss auch dort aufgeschnitten und verpackt werden. Damit scheint alles eindeutig. Scheint, denn wo kommen die Schweine für den Parmaschinken her. Im schlimmsten Fall aus China. Denn findige Chinesen haben, weil sie wissen, dass der Schinken aus Parma kommen muss, kurzerhand eine Stadt gegründet und diese allen Ernstes Parma genannt. Schinken, der dort hergestellt wird, kommt folglich zweifellos aus Parma und ist Parmaschinken.

Es wird also kompliziert bleiben, selbst wenn der Europäische Gerichtshof dem Verband der Schwarzwälder Schinkenhersteller recht gibt.

>>> Bericht in "Die Welt"

(red.)

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