Warum die Fiat-Arbeiter keine Ronaldo-Fans sind

Cristiano Ronaldos Wechsel zum FC Juventus wird in Turin also großer Coup gefeiert. Doch in einer süditalienischen Fabrik regt sich Widerstand: Das Geld werde aus den Taschen der Arbeitern gestohlen.

Juventus supporters hold, after buying, the original Juventus' jersey printed with the name and number of Cristiano Ronaldo after his transfer to Juventus in Turin
Juventus supporters hold, after buying, the original Juventus' jersey printed with the name and number of Cristiano Ronaldo after his transfer to Juventus in Turin
Christiano Ronaldo kickt künftig für Juventus - für 31 Millionen Euro netto pro Saison. – REUTERS

An die Wand vor dem Fiat-Werk in Pomigliano d’Arco bei Neapel haben fünf gefeuerte Arbeiter Transparente geklebt. Zu sehen ist darauf Fußball-Star Cristiano Ronaldo. Geschrieben steht „Per Ronaldo 400 milioni, agli operai solo calci nei c...“. Auf Deutsch heißt das: „Für Ronaldo 400 Millionen, für die Arbeiter nur Tritte in die E...“. Auch Italienisch ist das ganze noch um ein Wortspiel angereichert, nachdem für Fußball und Tritt dasselbe Wort verwendet wird: Calcio.

Und so wird der Fußball in Italien einmal mehr zum Politikum. Grund dafür: Die Unternehmerfamilie Agnelli aus Turin, die Juve kontrolliert, ist gleichzeitig der größte Aktionär des Automobilkonzerns Fiat-Chrysler Automobiles (FCA). Die Fiat-Arbeiter ärgern sich darüber, dass Fußball-Superstar Ronaldo nach neun Jahren von Real Madrid zum FC Juventus Turin wechselt. Bis zu 400 Millionen Euro soll Agnelli für den Transfer von Ronaldo hinblättern. Geld, das den Protestierenden zufolge aus den Taschen der Arbeiter gestohlen wurden.

Diese, beklagt etwa der Betriebsrat des Fiat Werks in Melfi in Süditalien, würden schon lange große Opfer bringen. Seit zehn Jahren hätten sie keine Lohnerhöhung mehr erhalten. „Ist es normal, dass eine einzelne Person Millionen verdient und Tausende von Familien mit dem Gehalt nicht bis Mitte des Monats auskommen?“ Unter den schwierigen Umständen könne man "diese Ungerechtigkeit“ nicht akzeptieren. Nun haben die Arbeitnehmervertreter zum Streik aufgerufen: Ausgerechnet am Montag, während Turin Ronaldos Ankunft feiern will, will man in Melfi die Arbeit niederlegen.

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(sk)

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