"Zug der Schande": Auf Bahnhof in Rom lagern seit Monaten 700 Tonnen Müll

Eigentlich hätten 700 Tonnen römischer Müll mit dem Zug nach Deutschland gebracht werden sollen. Doch der Müll-Zug steht seit zwei Monaten auf einem Bahnhof im Norden Roms. Anrainer und Umweltschützer gehen auf die Barrikaden.

Müll-Zug
Müll-Zug
In diesem Zug warten 700 Tonnen italienischer Hausmüll auf den Abtransport. – Legambiente Lazio

Seit zwei Monaten steht dieser Zug in der sengenden Sonne am Rande von Rom. An Bord: 700 Tonnen Müll, die eigentlich schon längst außer Landes gebracht werden hätten sollen. Weit weg, in eine Müllverbrennungsanlage im deutschen Köln. Doch offenbar fand das mit der Entsorgung beauftragte Unternehmen Enki keinen Platz mehr für den Müll, Anfragen wurden bisher nicht beantwortet. Medien berichten von einem Streit mit dem Auftraggeber AMA, Roms überforderte Müllentsorgungsgesellschaft. Diese versprach, das Problem binnen weniger Tage zu lösen und den Müll abzutransportieren.

Anrainer gehen mittlerweile auf die Barrikaden: "Die Lage ist dramatisch", sagt der Präsident eines Bürgerkomitees. Er spricht von "totaler Verantwortungslosigkeit", von undefinierbaren Müll, der die ein paar hundert Meter entfernte Wohngegend "verpeste". Die Umweltschutzorganisation Legambiente zeigt sich in einer Aussendung empört über den "Zug der Schande".

Rom karrte Müll auch nach Österreich

Es ist nicht das erste Mal, dass aufgrund Entsorgungsproblemen italienischer Müll in ein Nachbarland gebracht wird, auch in Österreich wurde Abfall aus der italienischen Hauptstadt regelmäßig verbrannt - ein gutes Geschäft. Bis Ende des Vorjahrs hat die Stadt ihren Abfall in der Müllverbrennungsanlage in Dürnrohr bei Zwentendorf entsorgt. Doch der Deal scheiterte an den hohen Ausgaben.

Die Situation ist seit Jahren angespannt: Pläne für die Errichtung von Müllverbrennungsanlagen scheiterten in Rom selbst immer wieder aufgrund von Anrainerprotesten. Dazu kamen Missmanagement und Korruption beim Entsorgungsunternehmen AMA, bei dem ein Finanzloch in der Größe von 650 Millionen Euro klafft.

 

(sk/APA)

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