Deutschland: Veganer fordern Musterklagen für Fleischverbote

Ein Fernsehbericht, der über die Landwirtschaft als Hauptverursacher von Feinstaub berichtet, ruft die Vegane Gesellschaft auf den Plan. Sie fragt sich: Warum gibt es keine Fleischverbote, wenn es Diesel-Fahrverbote gibt?

Die Presse (Clemens Fabry)

Eine groß angelegte Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie sorgt noch vor ihrer Veröffentlichung für Aufregung in Deutschland. Die ARD-Sendung "Monitor" berichtete vorab von den zentralen Ergebnissen der Studie, die nicht im Verkehr die Hauptursache für die teils hohe Feinstaub-Belastung sieht, sondern in der Landwirtschaft. Zu 45 Prozent soll die Landwirtschaft dafür verantwortlich sein, nur zu 20 Prozent der Verkehr.

Die Studienautoren kommen unter anderem zur Erkenntnis, dass durch Luftverschmutzung weit mehr Menschen vorzeitig sterben als bisher gedacht. Studienleiter Jos Lelieveld sagte gegenüber "Monitor": "Die Massentierhaltung führt zu Ammoniak, Ammoniak führt zu Feinstaub und Feinstaub führt zu frühzeitigen Todesfällen." Würde es die Feinstaubbelastung aus der Landwirtschaft nicht geben, so Lelieveld, hätte man in Deutschland jährlich rund 50.000 vorzeitige Todesfälle weniger.

Deutschland hat sich bereits vor Jahren verpflichtet, die Emissionen durch Ammoniak zu reduzieren – bisher ohne nennenswerten Erfolg. Dabei würde es die technischen Voraussetzungen für eine massive Reduktion längst geben, zitiert "Monitor" Experten. Warum sie nicht umgesetzt wurden? Umweltschützer und Grüne meinen, die Regierung wolle sich "nicht mit der Agrarlobby anlegen".

Vegane Gesellschaft: "Wer A sagt, muss auch B sagen"

Die Reaktion der Veganen Gesellschaft Deutschland auf den Bericht ließ auch nicht lange auf sich warten. Vorsitzender Christian Vagedes forderte in einer Facebook-Stellungnahme Musterklagen für Fleischverbote: "Da der meiste Feinstaub aus der Massentierhaltung stammt, begrüßen wir Musterklagen, die die Verursacher-Betriebe dicht machen und den Beginn von Fleischverboten." Alles andere wäre "verlogen".

Ein gefundenes Fressen sind für Vagedes die Dieselfahrverbote, die angesichts der Feinstaubbelastung in Deutschland von Gerichten verhängt wurden: "Wer A sagt und gerichtlich Fahrverbote durchsetzt, muss auch B sagen und Fleischverbote durchsetzen". Wenn Gerichte ernsthaft Straßen für Diesel-Autos sperren würden "wäre es extrem unlogisch, über den Fleischkonsum hinwegzusehen."

>>> Bericht von "Monitor" (ARD)

(sk)

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