USA überprüfen erstmals Goldreserven

In den Tresoren der „NY Fed“ lagern Goldreserven von drei Dutzend Ländern – auch ein Teil des deutschen Goldes. Die USA überprüfen nun erstmals in der Geschichte ihre Goldvorräte auf Gewicht und Echtheit.

Goldbarren
Goldbarren
dpa

New York/Wien. Die USA überprüfen erstmals in der Geschichte die Goldreserven, die in den Kellern der Federal-Reserve-Filiale von New York lagern. Dieses „Audit“ wird vom US-Finanzministerium in Zusammenarbeit mit der Zentralbank Federal Reserve durchgeführt und hat schon im Jänner begonnen, wie die „Los Angeles Times“ berichtet.

Die Goldvorräte in den Kellern der New York Fed sind sagenumwoben. Und weil es noch nie eine derartige Überprüfung gab, existieren auch zahllose Verschwörungstheorien um den Tresor in 24 Metern Tiefe. Wie zum Beispiel jene, dass dieser Tresor längst leer sei oder die echten Goldbarren durch gefälschte ausgetauscht wurden. Diese Theorien will man mit dem aktuellen Audit wohl entkräften.

Neben einem großen Teil der Goldreserven der USA lagert in New York auch Gold von drei Dutzend anderen Ländern – darunter auch ein nicht unbedeutender Teil der deutschen Goldreserven, die offiziell insgesamt rund 3400 Tonnen betragen. Ob auch ein Teil der 280 Tonnen des österreichischen Goldes in New York lagert, ist unbekannt. Die Nationalbank verrät nur, dass sich das Staatsgold teilweise an „wichtigen Goldhandelsplätzen wie London oder Zürich“ befindet. In Deutschland gibt es eine Initiative von Experten und Politikern der CDU, die eine Heimholung der Goldreserven fordern. Der ehemalige französische Präsident Charles de Gaulle ließ das französische Gold Ende der 1960er-Jahre aus New York mit U-Booten nach Paris bringen – und verurteilte damit das Währungssystem von Bretton Woods zum Untergang. 1971 ließ Richard Nixon die Goldkonvertabilität des Dollars aufgeben, weil die Goldreserven der USA sonst gänzlich verschwunden wären um das Außenhandelsdefizit zu finanzieren.

 

Gold oder Wolfram?

In den Kellern der NY Fed liegen 530.000 Goldbarren, rund 34.000 davon gehören den USA. Gold im heutigen Gegenwert von rund 21 Mrd. Dollar (rund 17 Mrd. Euro). Laut „LA Times“ wurden mehr als 350 Barren im Rahmen einer Stichprobe überprüft. Die Barren wurden zuerst auf eine elektronische Waage gelegt und dann mit einem langen, dünnen Bohrer angebohrt. Der Hintergrund: Es tauchen immer wieder Goldbarren auf, deren Kern nicht aus Gold sondern aus Wolfram besteht. Das Metall hat sehr ähnliche physikalische Eigenschaften wie Gold – ist aber weitaus billiger.

Die Goldbarren in den Kellern der Zentralbanken haben eine Standardgröße von 400 Unzen (rund 11,3 Kilogramm). Bei einem Wert von 521.000 Euro pro Barren ist diese eher plumpe Form der Alchimie ein einträgliches Geschäft. Unbestätigten Meldungen zufolge lässt auch China die ins Land importierten Goldbarren inzwischen einschmelzen und überprüfen. Das aktuelle Audit prüft nur die Goldbarren der USA in den Kellern der NY Fed. Die Barren ausländischer Regierungen werden nicht untersucht. Manchen Politikern wie dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ron Paul ist auch dieses Audit zu wenig. Er fordert seit vielen Jahren eine Überprüfung der Goldbestände, nicht durch die Regierung, sondern durch unabhängige Experten.

Ergebnisse des Audits sollen Ende des Jahres vorgelegt werden. Länder wie Deutschland könnten dann auf die Idee kommen, ihr eigenes Gold in New York auch testen zu lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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