Andreas Dangl: "Wir sind Ökonomen und erwarten Rendite"

Andreas Dangl baute in Österreich das erste Windrad. Mittlerweile ist er der größte private Windparkbetreiber des Landes. Mit Alternativenergie will er die Welt verbessern und gleichzeitig Geld verdienen.

Symbolbild
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(c) AP (Heribert Proepper)

Die Presse: Sie sind der größte private Windparkbetreiber Österreichs. Warum bauen Sie Windräder? Um Geld zu verdienen oder um die Welt zu retten?

Andreas Dangl: Man hat in einem Leben ja viele Dinge nicht selbst in der Hand. Ich bin 1993 mit meiner Frau in den Urlaub an die Nordsee gefahren und habe dort diese Windmühlen gesehen. Mit meinem Cousin habe ich in der Jugendzeit immer an solchen Geräten gebastelt und gesagt: Das muss doch funktionieren. Nun habe ich gesehen, bei den Dänen und Deutschen funktioniert es wirklich.

Angetrieben hat Sie also der Erfindergeist?

In Österreich habe ich ein paar Leute kennengelernt. Gemeinsam wollten wir die Idee aus dem Norden an guten Windstandorten auch in Österreich realisieren. Ich war Jungunternehmer. Und ich war ein schlechter Jungunternehmer, weil ich mein Kerngeschäft mit meinem Interesse für Windenergie in Gefahr gebracht habe. Aber letztlich haben wir das erste Windrad gebaut. Ob das Geld oder Utopie der Antrieb war? Eigentlich beides. Wir wollen die Welt verbessern, und das geht nur eingebettet ins ökonomische System. Von dem her sind wir zutiefst Ökonomen und erwarten Rendite.

Was haben Sie mit dem Strom aus dem ersten Windrad gemacht? Verkauft oder selbst verwendet?

Wolfgang Schüssel wollte als Wirtschaftsminister damals netzgekoppelte Windkraftanlagen ausprobieren. Wir sind ins Ministerium und haben gesagt: Das machen wir. Dafür gab es eine Investitionsförderung von der Kommunalkredit, und die Energiewirtschaft steuerte drei Jahre lang höhere Einspeisetarife bei. Alles zusammen haben wir eine schwarze Null geschafft.

Wer hat das damals finanziert?

Die Bank hat mir gesagt: Kommen Sie wieder, wenn das erste Windrad funktioniert. Als Jungunternehmer notorisch kapitalschwach habe ich dann das System der Bürgerbeteiligung aus Dänemark importiert. 1995 haben wir auf 15Jahre die erste Anleihe auf ein Windrad ausgeschrieben. Garantiert war ein Prozent Zinsen, läuft es gut, entsprechend mehr. Ein Drittel finanzieren wir über die breite Bevölkerung, den Rest über Banken. Dann kam mit der Liberalisierung der Vorläufer zum heutigen Ökostromgesetz und damit ein länger garantierter Einspeisetarif.

Heute geht es der Branche ja deutlich besser, der erhöhte Einspeisetarif ist 13Jahre garantiert. Wann wird Windkraft ohne Förderung rentabel sein?

Windenergie kostet in der Produktion ungefähr neun Cent je KWh. Der Strompreis lag schon einmal bei acht Cent, liegt heute aber bei fünf Cent. Ich weiß nicht, wie sich die Strompreise entwickeln werden. Aber eines weiß ich. Ein deutscher Außenminister hat einmal gesagt: Die Förderung von erneuerbaren Energiequellen ist eine Art Energiepreislebensversicherung. Und sie kostet jeden Haushalt zwölf Euro im Jahr.

Laut Energieregulator E-Control sind es im Schnitt 35Euro im Jahr, bis 2015 wird der Wert auf 50Euro steigen.

Soll sein. Andererseits sind die Marktpreise derzeit weit unten.

Ist bei Windrädern noch eine Effizienzsteigerung zu erwarten?

Technologisch kommt schon noch etwas nach. Aber die Sprünge werden nicht mehr 40 Prozent, sondern nur fünf Prozent ausmachen. Windenergie wird nie fünf Cent kosten. Möglich, dass der Preis auf acht Cent sinkt.

In den letzten Jahren hat die Windkraft auch bei vielen Umweltschützern das gute Image verloren. Stichwort Vogelschutz. Wie gehen Sie damit um, dass nun auch Sie zu den „Bösen“ gehören?

Mein erstes Windrad habe ich um 15.000Schilling geplant. Heute brauchen wir 200.000 Euro Risikokapital, mit dem wir fast nur Gutachten bezahlen. Wir sagen nicht: Windenergie überall um jeden Preis. Andererseits sollen Windräder auch nicht um jeden Preis verhindert werden. Es kann nicht sein, einfach zu sagen: Wir haben hier eine March oder ein paar seltene Vögel, deswegen darf keine Windenergie gemacht werden. Früher galten Standorte am Waldrand wegen der Fledermäuse als unmöglich. Dann haben Detektoren gezeigt, dass die Fledermäuse nur im Sommer und da auch nur in manchen Stunden in diesen Gebieten sind. Heute schalten wir die Anlagen dann einfach ab, produzieren ein bisschen weniger Strom. Bei den Vögeln ist es ähnlich.

Wer kauft eigentlich ein Hundertstel eines Windrades? Ökofreaks oder Leute, die was verdienen wollen?

Am Anfang waren es umweltorientierte Anleger, die mit einem kleinen Plus zufrieden waren. Wir hatten aber auch Phasen mit hohem Wachstum. Die Aktie stieg von 100 auf 350 Euro in zehn Jahren. Da gab es natürlich ein paar Spekulanten, die kurzfristig orientiert waren. Die meisten sind aber nicht die klassischen Börsianer. Sondern etwa die Oma, die dem Enkel eine Aktie kauft. Viele Menschen über vierzig, die nachdenken und wissen wollen, was mit ihrem Geld passiert. Wir sind zwar eine Aktiengesellschaft, aber nicht an der Börse notiert. Das macht ein bisschen unseren Charme aus. Natürlich müssen wir rentabel sein.

Was nicht schwer ist, wenn man 13Jahre lang einen erhöhten Preis garantiert bekommt. Das würde sich jeder Unternehmer wünschen, dass die Kunden verpflichtet wären, sein Produkt teuer zu kaufen.

Wir sind in einer angenehmen Situation. Aber wir sind etwa da, wo das Auto in den 1960er-Jahren ist. Einfach noch nicht ganz ausgereift. Windräder sind Industrieprodukte, die schnell produziert werden und viele Mängel haben können. Die Anlagen können gut oder schlecht betrieben werden. Genau das macht den Unterschied, ob es ein Nullsummenspiel wird oder neun Prozent Rendite abwirft.

Beim Thema Börse schwingen bei Ihnen leichte Vorbehalte mit. Ist es denn moralischer, aus dem Kaufzwang für Kunden Profit zu schlagen?

Ja, wenn die Rendite in entsprechenden Größenordnungen bleibt. Renditen von fünf bis neun Prozent sind in Ordnung. Werden sie zweistellig, müssten die Tarife angepasst werden.

Förderungen haben ja das Problem, dass sie von den Empfängern schnell als Grundrecht angesehen werden. Ein Beispiel sind die Biogas-Anlagen. Die wurden hingestellt und müssen seither immer stärker gefördert werden, um zu überleben.

Dennoch sind Förderungen der richtige Schritt. Sie führen auch zu Innovationen. Aber es gibt auch Dinge, die einfach wenig Sinn machen. Etwa Biogas aus Mais. Dafür gibt es in Österreich kaum Potenzial. Wenn man den Mut hat, das zu erkennen, muss man es abhaken und sagen: Danke, das war's.

Zur Person

Andreas Dangl baute 1995 die erste Windkraftanlage Österreichs. Der 49-Jährige ist heute Vorstandschef der WEB Windenergie AG (WEB steht für Windenergie bringt's.). Dangl ist der größte private Windparkbetreiber des Landes. Das Unternehmen mit Sitz in Pfaffenschlag bei Waidhofen an der Thaya erzielte 2011 einen Umsatz von 18 Millionen Euro und wies einen Bilanzgewinn von 3,45Millionen aus. [Auer]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)

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