Profitabilität: Weniger Bankfilialen, teurere Kredite

Weil die Erträge im Privatkundengeschäft zurückgehen, erhöhen die Banken die Gebühren und Kreditaufschläge. In fünf Jahren soll jede dritte Filiale geschlossen werden.

(c) APA (BARBARA GINDL)

Wien. Beim Verein für Konsumenteninformation und der Arbeiterkammer häufen sich die Beschwerden über höhere Gebühren bei den Banken. „Nicht jede Anhebung ist zulässig“, sagt Peter Kolba, Rechtsexperte des Vereins für Konsumenteninformation (VKI).

Bei Krediten beispielsweise dürfen die Aufschläge nur bei Neuabschlüssen erhöht werden. Trotzdem greifen einige Banken in bestehende Verträge ein. Sie verwenden dabei die sogenannte Erklärungsfiktion. „Wir führen hier gerade einen Musterprozess“, so Kolba zur „Presse“. Bei einer Erklärungsfiktion teilt eine Bank den Kunden etwa mit, dass sich ab einem bestimmten Zeitpunkt die Aufschläge für Kredite von 1,5Prozent auf zwei Prozent erhöhen.

Begründet wird dies mit den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise und den höheren Kosten für die Geldbeschaffung an den Kapitalmärkten. Machen die Kunden innerhalb von acht Wochen keinen Einspruch, tritt die Erhöhung in Kraft. „Das ist nicht zulässig“, sagt Kolba.

In einem Musterprozess gegen eine Raiffeisenbank setzte sich der VKI bereits in zwei Instanzen durch, nun wartet man auf das Urteil des Obersten Gerichtshofs. Einige Banken nutzen die Erklärungsfiktion auch, um diverse Entgelte wie etwa für die Kontoführung zu erhöhen.

 

Banken brauchen Milliarden

Solche Praktiken zeigen, dass so manche Institute ein Problem haben: Die Gewinne sind seit Jahren rückläufig. Gleichzeitig verlangt die Aufsicht, dass die Finanzkonzerne ihren Kapitalpolster erhöhen. Allein in den nächsten fünf Jahren müssen sie wegen der strengeren Eigenkapitalvorschriften acht bis 13 Milliarden Euro an zusätzlichem Geld beschaffen, erklärt Österreichs Nationalbank.

Am gestrigen Montag veröffentlichte der Wirtschaftsprüfer KPMG eine Studie, wonach das Geschäftsmodell der heimischen Banken auf dem Prüfstein steht. „Flache Zinskurven und Kosten für Regulatorien halten die Profitabilität auf einem niedrigen Niveau“, sagt KPMG-Partner Alexander Lippner. KPMG befragte dazu Führungskräfte von 110 Banken in Österreich und fünf osteuropäischen Ländern. 46Prozent der Befragten gehen davon aus, dass 2013 die Erträge weiter sinken werden. 29Prozent erwarten gleichbleibende Erträge. Nur 25Prozent rechnen mit einem Anstieg.

„Mit Gebührenerhöhungen allein ist es aber nicht getan“, so Lippner. Die Institute reagieren auf die Entwicklung auch mit Kosteneinsparungen. Zusätzlich fokussieren sie sich auf profitable Kundensegmente und Märkte.

Bank-Austria-Chef Willibald Cernko erklärte im „WirtschaftsBlatt“, dass es bei Neukrediten im Schnitt eine Erhöhung zwischen 20 und 60 Basispunkte (0,6 Prozentpunkte) geben wird. Kunden der Bank Austria sollen ab heuer auch über Onlinevideo mit dem Berater kommunizieren können. Wie viele Filialen im Gegenzug geschlossen werden, steht noch nicht fest. Cernko geht davon aus, dass in Österreich in den nächsten fünf Jahren ein Drittel der Bankfilialen zugesperrt wird. Derzeit werden an einem Standort durchschnittlich 2000 Kunden betreut. Es sind aber 5000 notwendig, um nachhaltig profitabel zu sein.

Auch bei Raiffeisen laufen Umbauarbeiten. Das Spitzeninstitut, die Raiffeisen Zentralbank (RZB), bemüht sich, von den Landesbanken die Anteile verschiedener Töchter (wie der Bausparkasse, der Kapitalanlagegesellschaft und der Factorbank) zu übernehmen.

Hält die RZB an den Töchtern die Mehrheit, können Programme zur Effizienzsteigerung durchgeführt werden. Die Bawag dürfte den seit 2010 laufenden Sparkurs verschärfen. Dabei könnten hunderte Stellen gestrichen werden, heißt es.

Die Erste Bank hat vergangenen Herbst die Kreditaufschläge für Klein- und Mittelbetriebe um bis zu 0,5Prozent angehoben. In nächster Zeit seien keine Anpassungen geplant. „Bei Privatkrediten gab es im Jänner eine Senkung“, heißt es bei der Erste Bank.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2013)

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