Sundt: „Meterweit von Schuld entfernt“

Der ehemalige Telekom-Boss Heinz Sundt zahlt seine Aktienprämie nicht zurück. Er will nichts von jenen Manipulationen mitbekommen haben, die im Februar 2004 zum heiß ersehnten Kursanstieg der Telekom-Aktie führten.

Heinz Sundt
Heinz Sundt
Heinz Sundt – (c) REUTERS (HEINZ PETER BADER)

Wien. „Wenn Sie den Begriff ,Gegengeschäft‘ verwenden, stellen sich bei mir die letzten Haare auf.“ Heinz Sundt (65), früher Generaldirektor der Telekom Austria (TA), will nichts von jenen Manipulationen mitbekommen haben, die im Februar 2004 zum heiß ersehnten Kursanstieg der Telekom-Aktie führten.

Über ominöse Gegengeschäfte, die die Telekom dem Börsenhändler Johann Wanovits versprochen hatte, habe er sicher „keine Informationen“ gehabt. Er habe damals auch nicht gewusst, dass dieser Wanovits den Kurs der Telekom-Aktie durch Stützungskäufe so weit nach oben gedrückt hatte, dass 95 Telekom-Manager in den Genuss von Prämien kamen. Circa 8,9 Millionen Euro waren dadurch aus dem Vermögen der Telekom abgeflossen. Der Staatsanwalt nennt dies Untreue.

Auch Sundt selber durfte sich über knapp 400.000 Euro brutto freuen. Außer ihm stehen nun dessen einstige Vorstandskollegen Stefano Colombo und Rudolf Fischer sowie der frühere Prokurist Josef Trimmel – und auch der Börsenspezialist Wanovits vor Gericht.

Gestern, Dienstag, am zweiten Verhandlungstag, verfiel Sundt in die Rolle des umsichtigen, in heiklen Details aber ahnungslosen Managers. „Ich war bei keiner einzigen Besprechung dabei, in der es darum ging, dass ein Dritter Aktien der Telekom kaufen soll.“ Richter Michael Tolstiuk: „Der Angeklagte Fischer sagte aber: ,Das wurde im Vorstand diskutiert.‘“ Jedenfalls nicht in seiner Gegenwart, so Sundt. Eventuell sei „in inoffiziellen Gesprächen“ dieser Broker erwähnt worden. Sollte dies so gewesen sein, „ist es nicht ausgeschlossen, dass ich so etwas überhört habe“. Seine damals erhaltene Prämie will Sundt jedenfalls nicht zurückzahlen. Er lasse es auf einen Zivilprozess mit der Telekom ankommen. Alles andere sei ein Schuldeingeständnis. „Und davon distanziere ich mich meterweit.“

Der als Kronzeuge vorgesehene Ex-Controlling-Chef der TA, Gernot Schieszler (er tritt am Montag als Zeuge auf), hatte aber zu Protokoll gegeben, dass Sundt „enormen Druck“ auf Colombo ausgeübt habe, um das Kursziel, 11,70 Euro pro Aktie, zu erreichen. Sundt, vertreten vom immer wieder energisch einsteigenden Anwalt Martin Nemec, dementierte nun auch dies.

Sundt im Clinch mit Grasser

Wieder zu den „Gegengeschäften“ – laut Anklage waren es Scheingeschäfte, die dazu dienten, Wanovits für seine Dienste zu bezahlen. Diese Geschäfte liefen über den Lobbyisten Peter Hochegger. Sundt über Hochegger: „Sein Know-how war für uns Goldes wert. Es gab eine intensive Kooperation mit ihm.“ Mit Wanovits habe dies aber nichts zu tun gehabt. Einmal habe er, Sundt, den Lobbyisten ersucht, „eine Brücke“ zum damaligen Finanzminister, Karl-Heinz Grasser, zu schlagen. Denn: „Das Verhältnis zu Grasser war chronisch gestört.“ Dies habe aber nicht geklappt. Sundt verriet auch, dass Grasser vorhatte, die Staatsanteile an der TA zu verkaufen, um ein Nulldefizit zu erreichen. Aber, wie gesagt: Mit der Anklage habe dies alles nichts zu tun.

Indessen gab Ex-Prokurist Trimmel zu, bei zwei heimlichen Bargeldübergaben an Wanovits dabei gewesen zu sein. Und auf dessen Aufforderung je „10.000 bis 15.000 Euro“ eingesteckt zu haben. Das Gleiche habe Schieszler getan. Trimmel (er gibt die Vorgänge zu, bekennt sich aber „nicht schuldig“ im Sinne der Anklage): „Das war ein Riesenfehler.“ Generell sieht Trimmel seine Rolle so: „Ich Trottel bin halt dabei gewesen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2013)

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