ÖBB: Mehr Förderung, mehr Gewinn

Die Rückkehr in die Gewinnzone fiel im Vorjahr deutlicher aus als erwartet. Grund sind neben Kosteneinsparungen aber auch gestiegene Zahlungen der öffentlichen Hand.

PRAeSENTATION - OeBB 'BILANZ 2012': KERN
PRAeSENTATION - OeBB 'BILANZ 2012': KERN
PRAeSENTATION - OeBB 'BILANZ 2012': KERN – APA/HERBERT NEUBAUER

Wien/Jaz. „Wir können nicht mehr so weitermachen wie bisher.“ Mit diesem Satz trat Christian Kern vor drei Jahren seinen Job an der Spitze der heimischen ÖBB an. Sein damaliges Ziel: Bis 2015 soll die Bahn einen jährlichen Gewinn von rund 200 Mio. Euro machen, 2013 soll es „schwarze Zahlen“ geben. Zumindest Letzteres hat die Staatsbahn – wie seit einigen Monaten erwartet – bereits 2012 erreicht. Und mit einem Vorsteuergewinn von 66,5 Mio. Euro wurde sogar der im Herbst prognostizierte Wert von 60 Mio. Euro noch übertroffen.

„Wir sind mit dem Resultat sehr zufrieden“, so Kern am Freitag bei der Präsentation der Bilanz. Um jedoch auch hinzuzufügen: „Wir sind keine Fantasten und wissen, dass wir in vielen Bereichen noch nicht Weltklasse sind.“ Dennoch sieht Kern sich und die Bahn auf dem richtigen Kurs. „Wir haben es geschafft, das Denken im Unternehmen zu verändern.“ Die ÖBB würden langsam ein „ganz normales Unternehmen“, in dem auf Wirtschaftlichkeit geachtet werde.

Kosteneinsparungen haben demnach auch dazu geführt, dass trotz eines nahezu gleich gebliebenen Umsatzes in Höhe von 5,24 Mrd. Euro der Vorsteuergewinn um 94,4 Mio. Euro verbessert wurde. Die größten Einsparungen gab es mit über 110 Mio. Euro bei „bezogenen Leistungen“ wie den Diensten von Speditionen. Diese wurden vor allem aufgrund der gesunkenen Nachfrage im Güterverkehr nur mehr in geringerem Ausmaß benötigt.

 

Weniger als 40.000 ÖBBler

Aber auch beim größten Kostenblock, den Personalkosten, gab es eine nur moderate Kostensteigerung von rund 38 Mio. Euro auf 2,37 Mrd. Euro. Möglich wurde dies, weil 2012 erstmals die Zahl der Eisenbahner mit 39.833 Personen (exklusive Lehrlinge) auf unter 40.000 fiel. Dass es dennoch eine Kostensteigerung gab, hängt mit der alternden Belegschaft (höhere Durchschnittsgehälter) sowie Einmaleffekten zusammen.

Dafür seien jedoch anders als in den Vorjahren im Jahr 2012 auch keine organisatorischen Kündigungen mehr genutzt worden, um den Personalstand zu senken, so Kern. Dies sorgte auch dafür, dass das Pensionsantrittsalter der altersbedingten Pensionisten auf 59,4 Jahre gestiegen ist und „nur“ mehr 1,4 Jahre unter dem ASVG-Wert liegt.

Doch es waren nicht nur Maßnahmen auf der Kostenseite, die die Ergebniszahlen bei der Bahn verbesserten. So verkaufte etwa die angeschlagene Güterverkehrsparte Waggons an eigene Töchter, um so die Bilanz zu verbessern. „Ja, es gab bei der RCA auch formelle Gründe für das bessere Ergebnis“, so Kern. Unter dem Strich sei das für die gesamte ÖBB jedoch ein Nullsummenspiel gewesen, da diese Erträge in der Konzernbilanz ja konsolidiert würden.

Konkrete Auswirkungen hatte aber die Zunahme der Geldflüsse der öffentlichen Hand an die ÖBB. Diese stiegen im Vorjahr um 149,1 Mio. Euro auf 2482 Mio. Euro (weitere 1,7 Mrd. Euro zahlt der Bund für ÖBB-Pensionisten, dieses Geld fließt jedoch nicht in die Bilanz der Bahn). Die größte Zunahme gab es dabei beim Zinszuschuss für die inzwischen auf 18,4 Mrd. Euro angestiegene Nettoverschuldung sowie dem Beitrag zum Betrieb des Schienennetzes. Diese beiden Posten machen mit 1540 Mio. Euro den Großteil der Zahlungen der öffentlichen Hand aus.

Der Rest fließt für gemeinwirtschaftliche Leistungen (etwa Schülerfreifahrten) sowie bestellte Verkehre. Letztere will Kern daher auch nicht als Zuschüsse sehen. „Wenn man beim Bahnhofsrestaurant ein Bier bestellt und nachher die Rechnung bezahlt, ist das ja auch kein Zuschuss an den Wirt“, so der ÖBB-Chef.

Der Anteil des mit Verkehrsdienstleistungen direkt auf dem Markt erwirtschafteten Umsatzes fiel dadurch jedoch um einen Prozentpunkt auf nur mehr 51 Prozent des gesamten Umsatzes. Weitere elf Prozent entfallen auf sonstige Umsätze wie Vermietungen, der Rest stammt jedoch vom Steuerzahler.

 

Schulden steigen weiter an

Dieser Wert wird in den kommenden Jahren auch kontinuierlich weiter steigen. So soll die Verschuldung durch das geplante Bauprogramm bis zum Jahr 2029 auf „zwischen 28 und 30 Mrd. Euro“ ansteigen. Der jährliche Zinszuschuss wird sich laut früheren Aussagen aus dem Infrastrukturministerium daher auf über eine Mrd. verdoppeln. „Dieses Geld haben jedoch nicht faule Eisenbahner beim Frühstückstisch verspeist. Dieses Geld wurde und wird investiert“, so Kern. So soll es in den kommenden Jahren weitere Verkürzungen der Fahrtzeiten geben.

Damit die steigenden Schulden jedoch nicht die Eigenkapitalquote von 5,9 Prozent weiter nach unten drücken, seien Gewinne notwendig. Für heuer rechnet Kern mit einem Vorsteuergewinn von 90 Mio. Euro. Bis 2015 soll dieser auf 150 Mio. und danach um 50 Mio. Euro pro Jahr steigen.

Bild: APA

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2013)

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