Meinl-Tochter Heidi Chocolat kauft Niemetz

Das rumänische Unternehmen will die Produktion der Schwedenbomben weiterführen. Heidi Chocolat machte angeblich 5,25 Mio. Euro netto locker.

Schwedenbombe
Schwedenbombe
Schwedenbombe – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Die Schwedenbombe wird international: Der rumänische Schokoproduzent Heidi Chocolat, seit April in das Meinl-Firmenimperium eingegliedert, kauft den insolventen Wiener Schwedenbombenhersteller Niemetz. Masseverwalter und Gläubigervertreter haben am Mittwochnachmittag den Zuschlag erteilt. Der künftige Besitzer will am Produktionsstandort Wien festhalten und neben dem süßen Schaumgebäck auch die Niemetz-Cremeriegel Manja und Swedy weiterführen. Der Kaufpreis soll laut Creditreform 5,25 Millionen Euro netto betragen.

Eine offizielle Kaufsumme wurde von Heidi-Generaldirektor Erwin Vondenhoff nicht genannt. Er sagte aber, dass das zuletzt genannte Angebot von 4,3 Millionen Euro noch einmal nachgebessert worden sei. Das auf Premium-Produkte spezialisierte Unternehmen mit Sitz nahe Bukarest hat jedenfalls angekündigt, in den kommenden Monaten kräftig in das Marketing, die Produktion und den Vertrieb investieren zu wollen.

"Wir glauben an das Potenzial der Marke und des Produkts", begründete Vondenhoff das erfolgreiche Werben der Meinl-Tochter um Niemetz. Um den schon seit Monaten schwer angeschlagenen Betrieb wieder in Schuss zu bekommen, "braucht es sicherlich ein paar Monate", meinte er. Über den Sommer werde man hier ganze Arbeit leisten.

Niemetz: Überlebenskampf der Schwedenbomben

Zu Schwedenbomben-Engpässen soll es jedenfalls nicht kommen. "Oberste Zielsetzung von Heidi Chocolat ist der reibungslose und unterbrechungsfreie Fortbetrieb von Niemetz in Wien", versprach der neue Besitzer. Mittelfristig soll die Schwedenbombe auch in Nachbarländer Österreichs exportiert werden.

Was die Arbeitsplätze betrifft, wurden Bestrebungen, "mit so vielen Mitarbeitern wie möglich rasch eine Einigung bezüglich deren Verbleib bei Niemetz unter Heidi zu erreichen", signalisiert. Gespräche mit der Belegschaft sind laut Vondenhoff in den nächsten Tagen geplant.

Heidi Chocolat, das mit der Niemetz-Übernahme erstmals am österreichischen Markt aktiv wird, galt als einer der Favoriten im Fall eines Bieterverfahrens. Der Tiroler Lebensmittelgroßhändler Interfood, der ebenfalls bis zuletzt im Rennen war, ging somit leer aus.

Heidi Chocolat

Heidi Chocolat mit Sitz nahe Bukarest steigt mit der Übernahme von Niemetz erstmals in den österreichischen Markt ein. Der auf Premium-Produkte spezialisierte Schokohersteller wurde 1994 von der Schweizer Traditions-Confiserie Läderach gegründet. Seit April gehört der Süßigkeitenhersteller zum Firmenimperium von Julius Meinl und ist laut Unternehmenswebsite in mehr als 40 Ländern vertreten - neben Europa, den USA und Australien auch in einzelnen Staaten Südamerikas, Afrikas und Asiens.
Niemetz kämpfte seit Monaten ums Überleben. Immer wieder spielten die Gesellschafter auf Zeit und vertrösteten die Gläubiger. Zuletzt wurde noch ein Investor mit Sitz in Kolumbien aus dem Hut gezaubert, der die zwecks Erfüllung des Sanierungsplanes nötigen 4,2 Millionen Euro hätte bezahlen sollen. Das Geld kam aber bis Ende der Frist (Dienstag, 24 Uhr) nicht an. Daraufhin wurde am heutigen Mittwoch der Verkauf besiegelt.

Die zum Zug gekommene Heidi Chocolat wurde 1994 von der Schweizer Traditions-Confiserie Läderach gegründet. Seit April gehört der Süßigkeitenhersteller mit rund 300 Mitarbeitern zum Firmenimperium von Julius Meinl und ist laut Unternehmenswebsite in mehr als 40 Ländern vertreten. Die Produktpalette reicht von klassischen Schokotafeln in diversen Geschmacksrichtungen über Pralinen bis hin zu Creme- oder Nussriegeln.

Die Geschichte von Niemetz reicht deutlich weiter zurück. Das Unternehmen wurde 1890 ursprünglich als Konditorei gegründet. Nach längeren finanziellen Turbulenzen meldete der Traditionsbetrieb Anfang Februar schließlich Insolvenz an. Zuvor waren Lieferanten und Mitarbeiter gar nicht oder nur zum Teil bezahlt worden. Als Gründe für den stetigen Abstieg wurden von Fachleuten u.a. fehlende Produktinnovationen, veraltete Maschinen und schlechtes Marketing genannt.

(APA)

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