Meinl-Tochter kauft Niemetz

Die zu Meinl gehörende Firma Heidi Chocolate hat sich gegen Konkurrent Interfood durchgesetzt. Niemetz wird weiterhin in Österreich produzieren. Die Jobs bleiben erhalten.

Meinl Tochter kauft Niemetz
Meinl Tochter kauft Niemetz
Meinl Tochter kauft Niemetz – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Die Sanierung von Niemetz ist gescheitert, die Zukunft der Schwedenbombe ist gesichert. Am Mittwoch lieferten sich die beiden Bestbieter Heidi Chocolate und Interfood einen eineinhalbstündigen Auktionswettstreit, den schließlich die zu Meinl gehörende Heidi Chocolate knapp für sich entschied. Ursprünglich hatten beide Firmen für den insolventen Schwedenbomben-Hersteller Niemetz 4,3 Mio. Euro geboten. Mit 5,25Mio. Euro Kaufpreis netto (zuzüglich Umsatzsteuer) machte Heidi schließlich das Rennen. Interfood hatte bei 5,2 Mio. Euro das Handtuch geworfen.

Es sei eine „reine Preisentscheidung“ gewesen, bestätigten in die Verhandlungen involvierte Personen. Denn was die Rahmenbedingungen der Übernahme betrifft, habe der Masseverwalter Stephan Riel schon im Vorfeld mit den beiden Bestbietern identische Verträge ausgehandelt.

Erwin Vondenhoff, Generaldirektor von Heidi Chocolate, die ihren Firmensitz in Rumänien hat, beeilte sich indes zu versichern, dass der österreichische Firmenstandort und die 66 Arbeitsplätze von Niemetz gesichert seien. Außerdem habe man vor, in den Produktionsstandort zu investieren. Zahlen nannte er keine, Insider halten ein Minimum von 300.000 bis 500.000 Euro für notwendig, um die veraltete Produktionsmaschinerie zu erneuern.

 

Expansionspläne in Europa

Doch das ist noch nicht alles: „In einer zweiten Phase wollen wir das Potenzial der Marke im angrenzenden Ausland ausloten“, so Vondenoff zur „Presse“: „Vor allem in der Schweiz und in Deutschland ist sicher Potenzial vorhanden. Generell überall in einem Umkreis von 700 Kilometern von Wien.“ Zu weite Transportstrecken könne man mit einem Frischeprodukt wie den Schwedenbomben, das Kühlung benötige, nicht zurücklegen. An eine Expansion außerhalb Europas denke man deshalb nicht.

Ein entscheidender Faktor für das Interesse an Niemetz sei die aktive Facebook-Community gewesen. Mit der Facebook-Aktion „Rettet die Niemetz-Schwedenbombe“ konnte die Nachfrage kurzzeitig extrem gesteigert werden, fast überall waren die Schwedenbomben ausverkauft. „Wir sind selbst ein Unternehmen, das in sozialen Medien aktiv ist, daher wollen wir uns gezielt an diese Zielgruppe richten“, sagt Vondenhoff.

Für die Mitarbeiter von Niemetz sei die Entscheidung eine „große Erleichterung“, sagt ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden will, zur „Presse“. „Die Mitarbeiter sind natürlich glücklich damit, dass die Produktion in Wien bleibt.“ Die Niemetz-Eigentümer Ursula Niemetz und ihr Lebenspartner und Geschäftsführer Steve Batchelor, der mit 20Prozent am Unternehmen beteiligt war, waren nach der Entscheidung nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Das Paar soll gelassen auf das Aus reagiert haben. Am Dienstag hat es noch bis in die Abendstunden hinein geheißen, dass Niemetz einen kolumbianischen Investor an der Hand habe.

Die Frist, bis zu der die vereinbarte Summe von 4,2 Mio. Euro auf dem Konto von Masseverwalter Stephan Riel sein sollte, ist Dienstagmitternacht verstrichen. In der Gläubigerausschusssitzung soll das Paar Niemetz/Batchelor noch einmal um Aufschub der Frist um einige Tage gebeten haben. Diese wurde aber nicht mehr gewährt. „Die Presse“ hat am Dienstagabend noch durch die WKO-Außenhandelsstelle in Bogotà in Erfahrung gebracht, dass der angebliche Investor, die Firma Bagrup Investments Kolumbien SA, in Kolumbien nicht gelistet ist. Gläubigerschützer haben die Seriosität dieses Angebots von vornherein stark bezweifelt.

 

Bald weiße Schwedenbomben

Über die jetzige Lösung zeigte man sich zufrieden. „Mit der Standortzusage für Österreich ist das eine optimale Lösung“, sagte etwa Gerhard Weinhofer von der Creditreform. Auch Masseverwalter Stephan Riel hält das für ein „außerordentlich gutes Ergebnis für die Gläubiger. Heidi-Generaldirektor Vondenhoff plant inzwischen bereits, die Schwedenbombe sanft zu „entstauben“. „Ich sehe da Möglichkeiten bei der Verpackung, außerdem könnte man auch andere Schokoladetypen zur Umhüllung verwenden, etwa weiße oder dunkle Schokolade.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2013)

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