Denkfabrik: Stimme für die Marktwirtschaft

Mit dem Start der „Agenda Austria“ hat Österreich erstmals einen von Parteien und Verbänden unabhängigen, marktwirtschaftlich orientierten Thinktank.

Franz Schellhorn
Franz Schellhorn
Franz Schellhorn – Michaela Bruckberger

Wien/Red. Österreich hat nun eine unabhängige wirtschaftspolitische Denkfabrik nach dem Muster der in der Schweiz vergleichsweise erfolgreichen „Avenir Suisse“: Die von privaten Geldgebern finanzierte „Agenda Austria“ ist sozusagen offiziell gestartet. Sie wolle „unabhängig, aber nicht neutral Lösungen im Sinne der Marktwirtschaft“ erarbeiten, wie „Agenda“-Chef Franz Schellhorn, bis vor Kurzem Economist-Ressortchef und stellvertretender Chefredakteur der „Presse“, bei der Präsentation am Freitag sagte. Es handle sich um den einzigen österreichischen Thinktank, der völlig unabhängig von Parteien, Institutionen und Interessenverbänden agieren könne.

Der gravierendste Unterschied zu den bisher im Land tätigen Wirtschaftsforschungsinstituten: „Agenda Austria“ nimmt keine externen Forschungsaufträge an. Das habe, so Schellhorn, den Vorteil, dass ergebnisoffen gearbeitet werden könne und die Ergebnisse „mit niemandem abgestimmt werden müssen“. Die Financiers (derzeit zwölf Unternehmen, acht Privatpersonen, eine Stiftung) verpflichten sich, keine inhaltliche Einflussnahme auszuüben. Bis Jahresende soll die Zahl der Financiers, die vorerst einmal für drei Jahre zusammen mindestens eine Mio. Euro pro Jahr aufbringen sollen, auf 25 ansteigen. Dann sollen auch deren Namen veröffentlicht werden. Vorerst bleiben die Geldgeber noch anonym – worin sich die „Agenda Austria“ übrigens gravierend vom Vorbild „Avenir Suisse“ unterscheidet: Dort findet man die Namen der rund 100 Unterstützer auf der Website.

Die Richtung, in der die neue Denkfabrik in der Öffentlichkeit Stimmung machen wird, ist klar: marktorientiert und wirtschaftsliberal. Es gehe darum, marktwirtschaftlich orientierte Wege aufzuzeigen, wie der Wohlstand der Bevölkerung mit einfachen Korrekturen ausgebaut und abgesichert werden könne und wie man Bürger entlasten könne, ohne den Staat in die Unfinanzierbarkeit zu treiben.

Zu diesem Zweck sollen im Endausbau acht wissenschaftliche Mitarbeiter (derzeit sind es fünf) drei bis vier Studien pro Jahr abliefern. Die erste Studie soll (wie auch das erste „Discussion Paper“) noch im September veröffentlicht werden, zwei weitere Studien sollen vor Jahresende noch folgen. Die Themen werden noch nicht genannt.

Organisiert ist „Agenda Austria“ in Form eines Vereins, in dessen Vorstand der frühere Chef der Kathreinbank, Christoph Kraus, der Wirtschaftsanwalt Christian Dorda und der frühere Pharma-Unternehmer Rainer Burian sitzen. Unterstützt wird die Mannschaft von einem wissenschaftlichen Beirat, bestehend aus den Uni-Professoren Karlheinz Paque (Magdeburg), Sabine Kirchmayr-Schliesselberger (Wien) und Friedrich Schneider (Linz). Rainer Münz (HWWA, Erste Bank) und Gerhard Schwarz von „Avenir Suisse“ gehören dem Beirat ebenfalls an. Als „Senatspräsident“ fungiert Ex-IV-Präsident Veit Sorger.

Widmen will sich die „Agenda“ unter anderem den Schwerpunkten Staatsorganisation, Standort Österreich, Bildung und Gesundheit. Erstes sichtbares Ergebnis ist ein gestern vorgestelltes „Handbuch zur intellektuellen Selbstverteidigung“, in dem mit häufig gebrauchten „wirtschaftspolitischen Mythen“ aufgeräumt wird.

Auf einen Blick

„Agenda Austria“, eine neue, von Privatleuten und Unternehmen finanzierteDenkfabrik, will marktwirtschaftliche und wirtschaftsliberale Lösungenfür die wirtschaftspolitischen Probleme des Landes erarbeiten. Und zwar „unabhängig, aber nicht neutral“, jedenfalls aber völlig abseits jeglichen Einflusses von Verbänden und Interessenvertretungen. „Agenda“-Chef Franz Schellhorn will heuer noch drei Studien präsentieren. Ziel ist die Schärfung des Bewusstseins für marktwirtschaftliche Lösungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2013)

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