Lohnrunde: Metaller wollen "ordentlichen Ruck"

Heute starten die für die Industrie richtungsweisenden KV-Verhandlungen. Ein harter Kampf zwischen Arbeitgebern und -nehmern ist programmiert. Für Brisanz ist heuer gleich mehrfach gesorgt.

Lohnrunde Metaller wollen ordentlichen
Lohnrunde Metaller wollen ordentlichen
(c) APA (Patrick Pleul/DPA)

Wien. Getrennt marschieren, vereint schlagen: Nach diesem Motto ziehen die 180.000 Metaller am Freitag in die traditionelle Herbstlohnrunde, die Vorbildwirkung für alle anderen Branchen hat. Für Brisanz ist heuer gleich mehrfach gesorgt: Die sechs Metallerbranchen wollen wie schon im Vorjahr getrennt verhandeln, was die Gewerkschaft als Bruch der Sozialpartnerschaft erachtet. Die Arbeitnehmervertreter wiederum dürften mit einer hohen Forderung in die Schlacht ziehen, obwohl die Wirtschaft quasi stagniert – das Wirtschaftsforschungsinstitut geht von einem Plus von 0,3 Prozent aus. Und die als Basis herangezogene Jahresinflationsrate dürfte laut Wifo nur 2,1 Prozent betragen.

Gerade weil die Wirtschaft schwächelt, fordert Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske einen guten Abschluss. Nur so würde der private Konsum gestützt. Rainer Wimmer, Verhandler für die Produktionsgewerkschaft Pro-Ge, schlägt in dieselbe Kerbe. „Es muss einen ordentlichen Ruck geben“, sagt er zur „Presse“. Denn die Metallindustrie bewege sich auf hohem Niveau, habe mit einem Produktionswert von 59Mrd. Euro das Vorkrisenniveau von 53 Mrd. Euro schon überschritten. Zudem habe es bei Führungskräften heuer ein Gehaltsplus von 4,5 Prozent gegeben.

 

Bis zu 3,4 Prozent im Vorjahr

Munition lieferte den Gewerkschaftern just Wifo-Chef Karl Aiginger, der am Mittwoch eine Studie präsentiert hatte, wonach hohe Löhne der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes nicht schaden. Es gehe vielmehr darum, in einem Land gesellschaftliche Ziele zu erreichen, nämlich hohe Einkommen, Beschäftigung, sozialen Zusammenhalt und ökologische Nachhaltigkeit, so der Wirtschaftsforscher.

Tatsächlich ist die Lohnhöhe allein für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes nur bedingt relevant. Entscheidend ist, was die Menschen für diesen Lohn leisten. Der wohl beste Gradmesser dafür sind die Lohnstückkosten. Ihre Entwicklung zeigt an, ob die Produktivität mit den Lohnkosten Schritt halten konnte oder nicht. Und genau diese Entwicklung sieht nach einer aktuellen Erhebung der OECD in Österreich nicht besonders rosig aus. Demnach erhöhten sich Österreichs Lohnstückkosten in den vergangenen neun Quartalen, während sie in den meisten anderen Ländern (darunter auch Deutschland) fielen.

Doch auf akademische Argumente lässt sich die Gewerkschaft naturgemäß nicht ein, ohne jedoch eine konkrete Zahl zu nennen. Im Vorjahr gingen die Pro-Ge und die von Karl Proyer angeführte Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) mit fünf Prozent ins Rennen. Der Lohnabschluss lag nach vier harten Verhandlungsrunden bei drei bis 3,4 Prozent. Wobei es letztlich trotz aller Streitereien in allen Verbänden nahezu identische Lohnabschlüsse gab.

„Die alte Metallerrunde ist tot“, sagt Christian Knill, Arbeitgebervertreter in der mit 120.000 Beschäftigten größten Sparte Maschinen/Metall, zur „Presse“. Da sich die Ertragslage in den sechs Metallerbranchen – Maschinen/Metall (FMMI), Bergbau-Stahl, Gießerei, Fahrzeuge, Nichteisenmetalle und Gas/Wärmeversorger – unterschiedlich entwickle, seien Flächenkollektivverträge obsolet. Wenn die Gewerkschafter heute ihre Forderungen übergeben, sitzen nur die Vertreter der Sparten Fahrzeuge, Gießerei und Gas/Wärme am Tisch. Der FMMI folgt am Dienstag.

 

Jüngere sollen mehr verdienen

Für Knill muss heuer mehr drin sein als „nur eine Zahl“: „Wir brauchen flexiblere Arbeitszeiten mit längeren Durchrechnungszeiträumen. In vielen Betrieben gibt es die schon, wir wollen das in den KV umgesetzt“, sagt Knill. Außerdem fordern die Arbeitgeber ein Lebenseinkommensmodell, bei dem jüngere Beschäftigte länger arbeiten und mehr verdienen, hingegen ältere Arbeitnehmer kürzer arbeiten und weniger gezahlt bekommen. „So können wir Ältere länger in Beschäftigung halten“, erklärt Knill.

Wimmer verweist darauf, dass die Gewerkschaften schon im Mai mit einem entsprechenden Flexibilitätsvorschlag Entgegenkommen signalisiert hätten. So könnten etwa mehr Überstunden (derzeit 80 bis 120) länger als ein Jahr aufgehoben werden. Innerhalb von zwei Jahren also 334 Überstunden. „Wir werden aber sicher nicht von bestehenden Überstundenzuschlägen abrücken, da werden sich die Arbeitnehmer die Zähne ausbeißen.“ Die Details zum Forderungspaket werden heute Vormittag bei einer Betriebsrätekonferenz ausgefeilt.

Wimmer fügt sich zähneknirschend, getrennt nach Sparten zu verhandeln. Am Ende müsse wieder ein gemeinsamer Kollektivvertrag stehen. „Dafür kämpfen wir, das ist unsere Identität, das gibt uns Kraft.“ Wimmer macht auch kein Hehl daraus, dass eine Abkehr vom Flächen-KV eine Zersplitterung und damit Entmachtung der Gewerkschaft bedeutete.

Lohnrunde Metaller wollen ordentlichen
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2013)

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