Krebs kostet 2,6 Milliarden Euro

In Österreich verursacht Krebs volkswirtschaftliche Kosten von 2,6 Mrd. Euro. Davon profitiert die Pharmaindustrie. Doch die Wirkung vieler Medikamente ist umstritten.

Krebs kostet Milliarden Euro
Krebs kostet Milliarden Euro
Krebs kostet Milliarden Euro – (c) Clemens Fabry

Wien. Pro Jahr werden in Österreich etwa 20.000 Männer und 18.000 Frauen mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Die Sterberate ist hoch. Jedes Jahr sterben 10.000 Männer und 9000 Frauen an dieser Krankheit. Damit ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithöchste Todesursache. So traurig es klingt, Krebs ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Medikamente bescheren der Pharmaindustrie Umsätze in Milliardenhöhe. Am Montag wurde in der britischen Fachzeitung „The Lancet Oncology“ erstmals eine Studie über die volkswirtschaftlichen Kosten von Krebserkrankungen in der Europäischen Union veröffentlicht.

Die Autoren haben dazu die Daten von internationalen Gesundheitsorganisationen und verschiedenen Behörden ausgewertet. Zählt man alle 27 EU-Länder zusammen, lagen die volkswirtschaftlichen Kosten für Krebserkrankungen im Jahr 2009 bei exakt 126,2 Milliarden Euro. Für Österreich haben die Autoren Kosten von rund 2,6 Milliarden Euro berechnet. Dies entspricht in etwa 0,95 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts.

 

450 Mio. € für Medikamente

„Die Presse“ hat dazu am Montag Angaben vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger angefordert, um die Plausibilität der britischen Studie zu überprüfen. Laut einer groben Schätzung des Hauptverbands lagen 2011 die Kosten der stationären Krankenhausaufenthalte von Patienten mit der Hauptdiagnose Krebs bei rund 1,3 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch 450 Millionen Euro für Medikamente, die überwiegend zur Krebstherapie eingesetzt und von der Sozialversicherung bezahlt werden.

Zu berücksichtigen sind weiters die Ausgaben, die im spitals-ambulanten Bereich und bei niedergelassenen Ärzten anfallen. Rechnet man nun alle volkswirtschaftlichen Kosten zusammen, sind die 2,6 Milliarden Euro, die in der britischen Studie für Österreich zum Thema Krebs genannt werden, durchaus plausibel.

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt geben Deutschland, Finnland und die Niederlande mehr Geld für Krebspatienten aus als Österreich. Schlecht sieht die Situation dagegen in vielen osteuropäischen Ländern aus.

Europaweit verursachte Lungenkrebs die höchsten Gesamtkosten sowie den höchsten Produktivitätsverlust durch Krankenstände und frühe Todesfälle. Die medizinische Versorgung ist dagegen bei Brustkrebspatienten am teuersten, vor allem wegen des hohen Anteils an Ausgaben für Medikamente.

Laut einer Broschüre der Pharmafirma Roche gehört Österreich zu jenen fünf Ländern in Europa mit den längsten Überlebensraten bei Krebs. Österreich ist laut Roche neben Frankreich, den USA und der Schweiz führend in der Anwendung neuer Krebsmedikamente. Doch das sorgt für Diskussionen. „Der Nutzen der neuen Krebsmittel ist für viele Patienten gering. Häufig wird das Überleben nur um wenige Wochen verlängert, bei gleichzeitig schweren Nebenwirkungen“, sagt Claudia Wild, Direktorin des Ludwig-Boltzmann-Instituts in Wien. Ihrer Ansicht nach sei es besser, wenn man den Patienten reinen Wein einschenkte. Oft folge eine Behandlung nach der anderen.

 

Was bringen Medikamente?

Viele Patienten klammern sich an die Medikamente, weil sie hoffen, dass sie damit geheilt werden. Doch bei vielen Krebsarten sei es der Chirurg, der mit dem Herausschneiden der betroffenen Stellen eine Verbreitung von Krebs verhindere. „Man sollte mehr die Kosten und Nutzen der Medikamente hinterfragen“, sagt Wild. Das sieht die Pharmaindustrie anders. Ihren Angaben zufolge ist es den neuen Medikamenten zu verdanken, dass die Überlebensrate gestiegen ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2013)

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