Normen: Mitarbeiten? Bitte zahlen

450 Euro wird Austrian Standards ab 2014 von jenen Experten einheben, die bei der Entwicklung von Normen mitwirken wollen.

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Georg Pendl – (c) Bundeskammer der Architekten

Wien. Das Austrian Standards Institute (ASI) wird ab 1.Jänner 2014 einen Jahresbeitrag von 450 Euro von jedem Experten, der an der Entwicklung von Normen mitwirkt, einheben. Davon betroffen sind rund 6000 Fachleute, die Interessen von Wirtschaft, Konsumenten, Forschung, Verwaltung und Gesellschaft bei dem Prozess vertreten. Die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten (bAIK) ist über „das beispiellose Vorgehen“ des ASI empört: „Das ist so, als würde das Rote Kreuz für die Blutspende von den Spendern noch 450 Euro verlangen“, sagt Kammerpräsident Georg Pendl.

Ziviltechniker, Architekten und Bauingenieure brächten gratis und ehrenamtlich ihre Expertise ein. Das sei, betont Pendl, besonders wichtig, denn ohne sie würden in der Normierung die Hersteller-Interessen überhandnehmen. Dass man für diesen Input künftig zahlen soll, will er nicht akzeptieren. „Wir müssen ja auch noch die Normen, an deren Entstehung wir mitgearbeitet haben, käuflich erwerben. Absurder kann es eigentlich gar nicht mehr werden!“

Als Reaktion hat die bAIK beschlossen, ab 2014 ihre Delegierten aus allen Gremien des ASI abzuziehen. Gleichzeitig moniert sie ihre Arbeit in Hinblick auf Qualität und Transparenz: „Der Unmut über die Flut an Normen wird immer größer. Man sollte sich die Frage stellen, ob sie tatsächlich alle notwendig sind“, sagt Pendl und fordert eine Evaluierung des Normendschungels.

„Nicht verstanden, worum es geht“

Beim ASI ist man über seine Aussagen verwundert: „Herr Präsident Pendl hat offensichtlich – im Gegensatz zu anderen Vertretern der bAIK – nicht verstanden, worum es bei der Normung geht und wie sie funktioniert. Daher zur Erinnerung: Normen werden bei, aber keinenfalls von oder für Austrian Standards entwickelt, sondern für jene, die sie anwenden“, sagt Johannes Stern, Pressesprecher des ASI. „Die Experten leisten also keine ,Gratis-Expertise‘, sondern arbeiten im eigenen Interesse, auch dem der bAIK, mit.“

Überdies sei die Einhebung eines Betrages in den meisten Ländern Europas schon lange üblich. Dieser sei für die Bereitstellung der Infrastruktur des ASI zu begleichen und im internationalen Vergleich sehr moderat. „Immerhin trägt das ASI 80Prozent zur Finanzierung des Normungssystems bei.“ Positiv steht Stern der Evaluierung des „Normendschungels“ gegenüber. „Mehrfach wurde die Standesvertretung der Architekten eingeladen, jene Normen zu nennen, die das Bauen angeblich so teuer machen. Bis heute wurden uns keine konkreten Beispiele genannt.“ (hec)

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