Biomasse: Papierindustrie ärgert die Waldbesitzer

Die Subventionen seien „abseits wirtschaftlicher Überlegungen“ zu sehen, sagen die Forstwirte.

Papierindustrie, Waldbesitzer, Biomasse.
Papierindustrie, Waldbesitzer, Biomasse.
Biomasse. – (c) EPA (NACHO GALLEGO)

Wien. Der Vorwurf der Papierindustrie, hochsubventionierte Biomassekraft- und -heizwerke würden für eine Verknappung des wichtigsten Papierrohstoffs sorgen, die Holzpreise hinauftreiben und damit die heimischen Papierfabriken gefährden, bringt die Forstwirte in Rage: Der Präsident des Großwaldbesitzerverbandes „Land- & Forstbetriebe Österreichs“, Felix Montecuccoli, sagte im Gespräch mit der „Presse“, die von der Papierindustrie beklagte Konkurrenzsituation durch geförderte Unternehmen sei so nicht gegeben: Nur ein Fünftel des in Heizkraftwerken verbrannten Holzes wäre für die Papiererzeugung überhaupt verwertbar.

Der größere Konkurrent für die Papierhersteller sei die Sägeindustrie, die mithilfe neuer Technologien nun auch dünnere Baumstämme verwerten könne, die früher exklusiv an die Papierhersteller gegangen seien.

 

Falsche Strategie der Industrie

Montecuccoli sieht zwar, dass sich die Konkurrenzsituation österreichischer Papierfabriken in den internen Konzernrankings verschlechtert habe, führt das aber auf einen, wie er sagt, „massiven Einbruch des Papierverbrauchs“ und auf die heimische Wirtschaftspolitik, die „nicht gerade zur Investitionsfreude beiträgt“, zurück. Das Preisproblem sei deshalb entstanden, weil die Papierindustrie „ihre Businesspläne auf fallende Holzpreise aufgebaut hat“, was sich auf dem Markt eben nicht bewahrheitet habe.

Kein Problem sieht der Forstwirt, der auch an drei Biomassewerken und an einer Gesellschaft mit dem Unternehmenszweck Ökostromerzeugung und Pelletshandel beteiligt ist, an den hohen Förderungen für Ökostrom. Biomasseanlagen, die auch Strom erzeugen, bekommen Abnahmegarantien zu fixen Preisen, die deutlich über den Marktpreisen für Strom liegen. Ein Umstand, den die Papierindustrie, aber auch E-Control-Chef Walter Boltz als marktferne, dirigistische Maßnahme kritisiert hat. Auch die EU-Kommission hat sich negativ zu dieser Art der Subventionierung, die in Deutschland schwere Verwerfungen auf dem Energiemarkt hervorgerufen hat, geäußert.

Montecuccoli hält diese Förderungen für unverzichtbar: Nachbessern könne man zwar immer, aber die Erfüllung der Klimaschutzziele, zu denen sich Österreich verpflichtet hat, müsse auch „abseits wirtschaftlicher Überlegungen“ angestrebt werden. Zudem sei die Subventionierung gerechtfertigt, weil auch die konventionellen Energieerzeuger subventioniert würden. Weltweit würden die Förderungen für fossile Energie laut der Internationalen Energieagentur 540 Mrd. Dollar ausmachen, für Ökoenergie dagegen nur 90 Milliarden.

Dass die nachfragebedingt kräftig gestiegenen Holzpreise nicht nur die Papierindustrie, sondern bereits auch eine Reihe von Biomassekraftwerken in Bedrängnis bringen, sieht Montecuccoli nicht: Die Insolvenzwelle, die trotz hoher Förderung unter Biomassebetreibern grassiert, sei auf „Managementfehler“ zurückzuführen. (ju)

ZUR PERSON

Felix Montecuccoli ist Forstwirt und Präsident des Verbandes „Land-& Forstbetriebe Österreichs“, der den Großwaldbesitz vertritt. Montecuccoli ist an drei Biomassewerken beteiligt und hält einen Zehntelanteil am vor Kurzem gegründeten niederösterreichischen Unternehmen Pure Natural Energy Service GmbH, das im Ökoenergiegeschäft tätig ist. [ Bruckberger ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2013)

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