Casinos Austria: Hoher Einsatz für Debakel in Argentinien

Die Casinos Austria schießen ihrer Auslandstochter CAI 40 Mio. Euro zu, bitten aber die eigenen Aktionäre nicht zur Kassa. Weitere Spielbanken im Ausland werden verkauft.

Fabry

Erst vor Kurzem hat der Glücksspielkonzern Casinos Austria – nach langem Warten – die Lizenzen für die sechs bestehenden Spielbanken in den Bundesländern wieder zugeschlagen bekommen, nachdem die Casinos Austria (Casag) auch die Lizenz für die sechs bestehenden Stadtcasinos wiederbekommen hat. Und die Chance, bei einem der drei neuen Standorte in Wien und Niederösterreich zum Zug zu kommen, stehen für Casinos-General Karl Stoss sehr gut.
Weniger gut läuft es in der Tochter Casinos Austria International (CAI), in der das Auslandsgeschäft gebündelt ist. Der jüngste Flop in Argentinien („Die Presse“ berichtete) kostet die Casag nicht nur Reputation, sondern vor allem viel Geld: Nach dem Entzug der Lizenz der argentinischen Gesellschaft Enjasa wegen Geldwäschevorwürfen wurde die Enjasa geschlossen.
Damit wird eine Wertberichtigung in Höhe von rund 40 Mio. Euro schlagend. Geld, das die in den vergangenen Jahren hoch defizitäre CAI nicht hat. Weshalb die Mutter Casag einspringt, nicht aber, wie zuletzt kolportiert, die Casag-Aktionäre Münze, Raiffeisen, Schellhammer & Schattera sowie die Bablik-Stiftung. „Wir stemmen das aus eigener Kraft“, sagte Casag-Sprecher Martin Himmelbauer am Donnerstag nach der Casag-Aufsichtsratssitzung zur „Presse“. Noch stehe auch nicht fest, wie viel tatsächlich schlagend werde, weil man noch kämpfe.

Restrukturierung geht weiter

Die Sache ist dennoch unerfreulich: Die Casag konnte im vergangenen Jahr zwar den Gewinn deutlich steigern, weil sich die Verluste im Ausland auf 20,67 Mio. Euro mehr als halbiert haben. Aber der Nettoertrag lag mit 42,68 Mio. Euro nur wenig über dem notwendigen Zuschuss.
Für Stoss ist das Argentinien-Debakel Anlass genug, die 2012 eingeleitete Restrukturierung der CAI zügig fortzusetzen. Nach dem Rückzug aus Chile, Tschechien und Italien stehen weitere Verkäufe an. Dazu zählen die Spielstätten in Australien (Cairns und Canberra) sowie Glasgow. Gerüchte, wonach ein Rückzug aus Niedersachsen geplant sei, dementiert Himmelbauer. „Die dortigen Standorte und Brüssel erholen sich.“
Generell läuft das Geschäft mit dem Glück im Ausland nicht so gut: Ungeachtet lokaler Unterschiede trübt die Wirtschaftskrise weltweit die Lust, in ein klassisches Spielcasino zu gehen, ebenso, wie der Boom der Internetspiele an den Erträgen nagt. Dass neue Projekte in Vietnam und den USA (North Carolina) auf Eis liegen, kommentiert Himmelbauer nicht. Große Expansionsschritte seien jedenfalls derzeit nicht vorgesehen. Aber: „Ein kompletter Ausstieg aus der CAI kommt nicht, die Restrukturierung geht weiter.“

Glatz-Kremsner bleibt Vorstand

Stoss' Team bleibt jedenfalls unverändert: Der Vertrag von Vorstand Bettina Glatz-Kremsner wurde am Donnerstag um fünf Jahre verlängert.

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