Gaskraftwerke bringen Wien fast 400 Mio. Euro Verlust

Wien Energie muss das zweite Jahr in Folge eine Sonderabschreibung in dreistelliger Millionenhöhe vollziehen.

(c) APA (ROBERT JAEGER)

Wien. Ohne Sondereffekte haben die Wiener Stadtwerke im vorigen Jahr „eine schwarze Null“ geschafft, sagt der Stadtwerke-Finanzvorstand und designierte Vorstandssprecher Martin Krajcsir am Mittwoch bei der Präsentation des erwarteten Jahresergebnisses. Unter dem Strich werde jedoch ein Verlust von bis zu 377 Mio. stehen. Grund dafür ist die Energiesparte Wien Energie, oder besser gesagt: deren Gaskraftwerke. Diese sind aufgrund der aktuellen Situation auf dem europäischen Strommarkt nicht wirtschaftlich zu betreiben und müssen daher „nahezu auf Null“ abgeschrieben werden.

„Das ist eine Entwicklung, die zurzeit die gesamte europäische Energiebranche trifft“, so der Energie-Vorstand Marc Hall. So mussten zuletzt auch andere heimische Stromversorger – etwa der Verbund – Beteiligungen an Gaskraftwerken abschreiben. Hintergrund der Situation ist, dass der Strompreis an der Börse in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist. Dafür gibt es drei Gründe: einen immer häufiger vorkommenden zeitweiligen Überschuss von gefördertem Ökostrom, die bei Ausbruch der Krise stark gefallene und seither kaum gestiegene Nachfrage sowie die gesunkenen Produktionskosten von Kohlekraftwerken aufgrund der niedrigeren Preise bei Kohle und CO2-Zertifikaten.
Stromversorger versuchen daher, ihre Gaskraftwerke so wenig wie möglich in Betrieb zu haben oder sogar komplett einzumotten. Für die Wien Energie ist das jedoch keine Option. „Aufgrund der Wärmeversorgung der Stadt müssen die Kraftwerke laufen. Wir können nur versuchen, sie auf Wärme zu optimieren und den Strom auf dem Markt zu kaufen“, so Hall.

Im Vorjahr 911 Mio. Verlust

Den Stadtwerken bereitet die Sonderabschreibung die zweite blutrote Bilanz in zwei Jahren. Im Vorjahr musste das Unternehmen bei einem Umsatz von 3,8 Mrd. Euro bereits ein Minus von 911 Mio. Euro hinnehmen. Grund waren damals vor allem Abschreibungen aufgrund der Neubewertung von Pensionsrückstellungen für ehemalige Beamte der Stadt Wien. Wien Energie brachte das im Vorjahr einen Verlust von 258 Mio. Euro. Wie hoch der Verlust bei der Energiesparte heuer ausfallen wird, wollte Krajcsir am Mittwoch nicht verraten, weil die endgültigen Zahlen noch nicht vorliegen. Da die jetzige Sonderabschreibung aber vor allem die Wien Energie betrifft, dürfte das Minus auch voll in der Bilanz der Stadtwerke-Tochter zu finden sein.

Im Energiebereich soll daher das bereits heuer gestartete „Effizienzprogramm“ weitergeführt werden. Konkret soll der Ertrag bis 2017 um 100 Mio. Euro pro Jahr gesteigert werden. „Dies kann durch neue Erlöse oder Kostensenkungen erfolgen“, so Hall. Ein Abbau unter den 5500 Mitarbeitern sei nicht geplant. Allerdings könnte es nach Effizienzsteigerungen Verschiebungen einzelner Mitarbeiter in andere Bereiche geben, auch innerhalb des Stadtwerke-Konzerns, für den 16.000 Mitarbeiter arbeiten. Um Arbeit für überzählige Mitarbeiter zu schaffen, sei auch ein „Insourcing“ von derzeit ausgelagerten Tätigkeiten wie Facility-Management angedacht.

Für das kommende Jahr erwartet Krajcsir zwar keine weiteren Sonderabschreibungen, dennoch werde es bei den Erträgen allenfalls „seitwärts“ gehen. Ein Gewinn sei 2014 nicht zu erwarten. Dies würde dann, wie heuer und im Vorjahr, auch einen Ausfall der Dividende für den Eigentümer – die Stadt Wien – bedeuten. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2013)

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