Post: "Die Kunden werden immer anspruchsvoller"

Mit 429.026 transportierten Päckchen pro Tag bricht die Österreichische Post derzeit alle Rekorde – Onlinehandel sei Dank.

THEMENBILD POST AG-PAKET-BEREICHÒ
THEMENBILD POST AG-PAKET-BEREICHÒ
THEMENBILD POST AG-PAKET-BEREICHÒ – APA

Bei der Post geht es derzeit heiß her. Im Dezember schnellt die Zahl der verschickten Pakete – Onlinehandel sei Dank – im Schnitt um 40 Prozent nach oben. Gehen in einem durchschnittlichen Monat täglich 250.000 Päckchen durch die Hände von Postmitarbeitern, sind es im Dezember täglich 350.000.

Der 17. Dezember 2013 hält den bisherigen Päckchenrekord in der Geschichte der Post: 429.026 Pakete wurden am vergangenen Dienstag in Österreich befördert.

Extraschichten. Personal aufgestockt wird in dieser Zeit nur in der stationären Logistik, in der insgesamt 3500 Leute beschäftigt sind, 1000 davon ausschließlich in der Paketlogistik. Die Hälfte der insgesamt rund 20.000 Post-Mitarbeiter sind übrigens noch verbeamtet, obwohl die Post im Jahr 1994 privatisiert wurde. Die rund 9000 Briefträger fahren derzeit ordentlich Extraschichten. „In der Zustellung können wir nicht aufstocken, da würde die Einschulung zu viel Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Post-Sprecher Michael Homola. In Wien und anderen Ballungszentren werden sogar am heutigen Sonntag Pakete zugestellt.

Durch die wachsende Beliebtheit des Onlinehandels ist der Paketversand das Geschäftsfeld der Post mit dem größten Potenzial geworden. Jährlich wächst das Paketaufkommen im Schnitt um zehn Prozent. Waren vor fünf Jahren noch 50 Millionen Pakete pro Jahr unterwegs, deutet für 2013 alles darauf hin, dass die 70-Millionen-Grenze überschritten wird.

1800 Filialen zugesperrt. Die Post kann allerdings die Verluste, die durch den Rückgang der Briefsendungen verursacht werden, durch den Zuwachs an Paketsendungen nicht ausgleichen. „Briefe sind immer noch unser Hauptgeschäft. Und im Paketversand gibt es viel Konkurrenz“, sagt Homola. Dennoch kann sich die Post glücklich schätzen, dass der Onlinehandel ein neues Geschäftsfeld eröffnet hat. Denn es gab eine Zeit, Anfang der Nullerjahre, als die Existenz der Post keineswegs so gesichert war wie heute. Als das Internet zwar den Briefverkehr schon beträchtlich dezimiert hatte, der Onlinehandel aber noch in den Kinderschuhen steckte, stellte sich so mancher die Frage, ob die Post in ein paar Jahren nicht völlig verzichtbar werden würde. In den Nullerjahren hat es schmerzliche Einsparungen gegeben. Von den 2300 Post-Filialen, die es im Jahr 2002 noch gegeben hat, sind heute noch knapp 500 übrig. Seit 2002 wurden jährlich 600 bis 800 Mitarbeiter eingespart, bis heute. Denn nicht nur in den Filialen sind weniger Mitarbeiter nötig, durch die zunehmende Automatisierung kann auch in der Logistik Personal eingespart werden.

In den letzten Jahren hat die Post massiv in die Erweiterung der Paketlogistik investiert. Im Norden von Wien und in Hall in Tirol wurden zwei neue Verteilerzentren eröffnet. Ein weiteres ist in Oberösterreich im Entstehen. 90 Mio. Euro im Jahr investiert die Post in technische Neuerungen und die Erweiterung der Infrastruktur. „Die Kunden werden immer anspruchsvoller, es muss immer schneller gehen“, sagt Post-Sprecher Homola. Derzeit arbeite man an Systemen, um die Zustellquote zu erhöhen. Zurzeit habe man eine Trefferquote von 90 Prozent beim ersten Zustellversuch.

Mit Jahresende wird es 5000 Empfangsboxen geben, in denen Paketsendungen gelagert werden können und einem so der Gang zur Post-Filiale erspart wird. In den Filialen werden Abholstationen eingerichtet, die rund um die Uhr zugänglich sind. „Außerdem wird es bald eine Kommunikation zwischen Zusteller und Empfänger geben. Man bekommt eine Zustellzeit vorgeschlagen und kann sowohl Zeit als auch Ort der Lieferung anpassen“, sagt Post-Sprecher Homola.

Lebensmittel per Post. Auch auf neues Frachtgut muss sich die Post einstellen. Derzeit wird mit der Zustellung gekühlter Lebensmittel experimentiert. Da gibt es etwa ein Pilotprojekt mit dem Lebensmittelgroßhändler Pfeiffer (Zielpunkt, Nah & Frisch). Vielleicht bringt ja nächstes Jahr die Post den Weihnachtsbraten.

In Zahlen

70 Millionen. So viele Pakete wird die Post voraussichtlich 2013 transportiert haben. Das sind um 20 Millionen mehr als noch im Jahr 2009.

429.029. So viele Pakete wurden am
17. Dezember 2013 versandt. Das ist ein neuer Rekord. An einem durchschnittlichen Tag im Jahr sind es 250.000, in der Vorweihnachtszeit 350.000.

2,36 Mrd. Euro. So viel setzte die Post im Jahr 2012 um. Der Gewinn (Ebit) betrug 182 Mio. Euro.

500. So viele Post-Filialen gibt es in Österreich. 2002 waren es noch 2300.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2013)

Kommentar zu Artikel:

Post: "Die Kunden werden immer anspruchsvoller"

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen