Schweizer Experten: Hypo-Bad-Bank hätte früher kommen müssen

Schon 2010 sei es "verabsäumt" worden, durch die Einrichtung einer Bad Bank klare Verhältnisse zu schaffen, kritisieren die Confidum-Fachleute.

APA/GERT EGGENBERGER

"Die bisher nicht erfolgte Abspaltung des Abbauteils (der Hypo, Anm.) in eine rechtlich eingeständige Bad Bank hat die Situation der Bank sicherlich erschwert." Daran erinnern die Schweizer Confidum Financial Management Consultants die heimische Politik in einer Hypo-Analyse. Durch die Untätigkeit seit der Notverstaatlichung 2009 seien "immer wieder neue Zuschusspflichten ausgelöst" worden.

Schon 2010 sei es "verabsäumt" worden, "durch die Einrichtung einer Bad Bank klare Verhältnisse zu schaffen". Im Abbauteil gelten schließlich die selben Kapitalvorschriften wie bei normalen Banken - im Gegensatz zu einer echten Bad Bank, so Confidum.

"Insolvenz-Effekte" nicht kalkulierbar

Zur zuletzt wiederaufgeflammten und umgehend politisch wieder verworfenen Insolvenzoption für die Problembank Hypo Alpe Adria meinen die Eidgenossen: "Aufgrund des Zeitdrucks ist eher anzunehmen, dass die Verwertungserlöse in einem Insolvenzszenario geringer sind, als in einem Fortführungsszenario." Diesem Nachteil stehe aber der Vorteil einer "im Insolvenzfall geringeren Belastung des Bundes gegenüber". Die Insolvenzkosten berechnet Confidum mit rund 16,1 Mrd. Euro.

Die "Spill-over"-Effekte einer Insolvenz seien aber vor allem wegen einer Pleite des Landes Kärntens im Zuge eines Hypo-Insolvenzverfahrens "aus heutiger Sicht nicht kalkulierbar". Hier sei es ratsam von "Worst-Case"-Szenarien auszugehen. Es sei davon auszugehen, das Anleiheinhaber - Kärnten und in weiterer Folge die Republik haften derzeit für 12,3 Mrd. Euro - "intensive juristische Auseinandersetzungen" eingehen würden - auch gegen Bund und Notenbank.

Höhere Refinanzierungszinsen drohen

"Auch eine 'Bestrafung' Österreichs vom Abweichen des bisherigen 'common-sense' in der Bewältigung der Bankenkrise und der Erfüllung auch von impliziten Garantien ist nicht auszuschließen." Die Refinanzierungskosten - für Bund, Länder und Kommunen als auch Banken - würden jedenfalls steigen, so die Schweizer.

Insgesamt stehen die Risiken und möglichen Kosten einer Insolvenz der Hypo Alpe Adria für die Eidgenossen "in keinem Verhältnis zu den Prima Vista bestehenden Einsparungseffekten durch eine Einbeziehung der anderen Gläubiger der Bank".

Die Firma betonte auf APA-Anfrage übrigens, es handle sich "nicht um eine Auftragsstudie". Als "Bankexperte" sei man zuletzt laufend von Mandanten zum Thema angesprochen worden, daher habe man die aktuelle Position von Confidum nun veröffentlicht. Als Basis dienten neben der Wyman-Studie öffentliche Hypo-Daten, volkswirtschaftliche und bankenstatistischen Daten sowie Presseberichte.

(APA)

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