Kann Kunstgriff Baumax retten?

Der Verkauf der Essl-Kunstsammlung ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn Baumax ist bei den Banken mit 569 Millionen Euro verschuldet. Kunstminister Ostermayer will „Fakten auf dem Tisch“.

LOGO HEIMWERKERKETTE BAUMAX
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(c) APA/HERBERT PFARRHOFER

Wien. 52 Millionen Euro hat die Familie Essl selbst schon in ihr Unternehmen gepumpt und das gesamte Immobilienvermögen im In- und Ausland sowie die Marke Baumax an die Banken verpfändet. Jetzt stellt Unternehmensgründer Karlheinz Essl sogar seine in vielen Jahren zusammengetragene, 7000 Werke umfassende Kunstsammlung zur Disposition. Ob das reicht? Die Bankschulden von Baumax belaufen sich auf 569 Millionen Euro. Die Firma steht bei praktisch allen österreichischen Großbanken wie Raiffeisen, Bank Austria, Erste Bank und dem Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG in der Kreide.

Der Verkauf der Kunstsammlung mit einem kolportierten Buchwert von 86 Millionen Euro wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Springt der Bund nicht ein, kommen die Kunstwerke auf den Markt. Denn Vertreter der involvierten Großbanken erklärten gegenüber der „Presse“, dass sie an der Kunstsammlung nicht interessiert seien.

Bei Unternehmensberater Roland Berger und den Gläubigerbanken mit Raiffeisen an der Spitze glühen nun die Rechenstifte. Denn Essl ringt um das Überleben von Österreichs größter Heimwerkerkette, die mit 4000 Mitarbeitern auch eines der größten Unternehmen des Landes ist. Womit eine Insolvenz, die zweifelsohne droht, wenn nicht rasch frisches Geld fließt, auch politische Dimensionen hätte: Nach den Großinsolvenzen von Alpine und Dayli im Vorjahr würde Baumax die Arbeitslosenstatistik noch mehr rot färben. Die Zeit drängt: Für 2013 liegen zwar noch keine Bilanzzahlen vor, das Jahr dürfte allerdings wieder besonders schlecht gelaufen sein. Den von Roland Berger bereits 2012 erarbeiteten und Mitte 2013 noch einmal revidierten Restrukturierungsplan dürfte die Kette, die sich vor allem mit einer rasanten Expansion nach Osteuropa überhoben hat, verfehlt haben. Ende September verfügte das Unternehmen laut dem Geschäftsbericht 2012 über ein Eigenkapital von nur noch 300.000Euro. „Baumax kommt einfach nicht in die Gänge“, meinen Branchenbeobachter. Jetzt stehen nicht nur die Märzgehälter, sondern demnächst auch die Urlaubsgelder an.

 

Osttöcher sollen geschlossen werden

Der äußerst öffentlichkeitsscheue Industrielle Karlheinz Essl und sein Sohn Martin, der auf Druck der Banken nächste Woche die Konzernführung an Michael Hürter abgibt, müssen sich nun den Vorwurf gefallen lassen, die Krise zu spät erkannt und zu spät reagiert zu haben. Angesichts der Krise in der gesamten Heimwerkerbranche, die mit der spektakulären Pleite der deutschen Praktiker-Kette ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, sei es nun auch schwierig, einen Käufer zu finden.

Als Notmaßnahme sollen die größten Verlustbringer, die Töchter in Rumänien, in der Türkei und in Bulgarien liquidiert werden. Auch dafür braucht Baumax viel Geld – Gläubigerschützer sprechen von einem Betrag von 200 Mio. Euro. Um die Töchter zu schließen, müssen Haftungen und Bürgschaften abgegolten werden. Die komplizierte Konzernstruktur mit den eng verwobenen Auslandstöchtern ist der Grund, warum Teilinsolvenzen sehr schwer möglich sind: Da würde Baumax wie ein Kartenhaus zusammenstürzen, meinen Gläubigerschützer.

„Sicher ist, wir brauchen eine Rekapitalisierung“, räumte Firmengründer Essl am Dienstag ein. Und zwar schnell. Doch allzu spontane Entscheidungen sind auch von den Teilnehmern des runden Tischs, zu dem Kulturminister Ostermayer nächste Woche (voraussichtlich am 2.April) geladen hat, nicht zu erwarten. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) betont zwar, dass die Republik bereit sei mitzuwirken, doch die Frage, wann das Geld letztendlich fließen muss, stellt sich auch er. „Wir sehen das Ganze als offenen Prozess“, betonte ein Sprecher Ostermayers. „Wir gehen so vor, wie wir immer vorgehen: Zuerst müssen alle Fakten auf den Tisch, damit wir uns ein Bild machen können.“

Insbesondere müsse geklärt werden, welche Sanierungskonzepte es gäbe und ob mit dem Ankauf der Sammlung Essl eine Rettung des Unternehmens tatsächlich möglich sein könnte, heißt es. Und wenn nicht? Was passiert dann mit der Kunstsammlung und dem Kunstmarkt, dessen Einbruch Ostermayers Sorge gilt? „Das wissen wir heute noch nicht“, so sein Sprecher.

AUF EINEN BLICK

Die Heimwerkerkette Baumax mit 9000 Beschäftigten, davon 4000 in Österreich, hat sich mit einer rasanten Expansion in Osteuropa überhoben. Die Krise hat der Kette mit 158 Filialen kräftig zugesetzt. Erst 2012 wurde Berater Roland Berger mit einem Restrukturierungskonzept betraut. Die Gläubigerbanken haben die Zinszahlungen bis 2016 gestundet. Die Verluste dürften aber 2013 noch gestiegen sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2014)

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