Zumtobel streicht bis zu 600 Arbeitsplätze

Das Vorarlberger Unternehmen will die meisten Jobs im Ausland abbauen. Mehrere Standorte könnten geschlossen oder verkauft werden.

APA/BARBARA GINDL

Der börsenotierte Vorarlberger Leuchtenkonzern Zumtobel will vier bis sechs der 18 Werke verkleinern, verkaufen oder schließen - 450 Mitarbeiter sind betroffen. Für zwei Standorte gebe es Kaufinteressenten, sagte Konzernchef Ulrich Schumacher in Frankfurt. Daneben sollen im Vertrieb 150 Stellen gestrichen werden. Österreich ist vom Stellenabbau, der bis 54,5 Mio. Euro kostet, aber kaum betroffen.

Mit dem Umbau will der neue Vorstandschef den ATX-Konzern deutlich profitabler aufstellen - die operative Gewinnspanne soll sich innerhalb von drei Jahren auf 8 bis 10 Prozent mehr als verdoppeln. Schumacher, der sich bei Infineon einen Namen als harter Sanierer gemacht hat, will Synergieeffekte heben, "die seit mehr als einer Dekade im Unternehmen schlummern". Die Börsianer reagierten verhalten auf die Pläne. Die Zumtobel-Aktie lag zu Mittag 0,37 Prozent im Minus.

Zumtobel baut bis zu 600 Jobs ab
Zumtobel baut bis zu 600 Jobs ab
Zumtobel baut bis zu 600 Jobs ab – (c) APA

Verlagerungen nach China

Teile der Produktion sollen von Europa in die drei chinesischen Werke Tianjin, Guangzhou und Shenzhen verlagert werden. Auch soll Arbeit an asiatische Zulieferer ausgelagert werden. Betriebsrat Mario Wintschnig hat dennoch keine Bedenken, dass die Produktion von Österreich abwandert. "Ich kenne kein Produkt von Dornbirn, das nach Asien verlagert werden soll". Die Verunsicherung der 2.411 österreichischen Mitarbeiter sei unbegründet. Zumtobel gab den Stellenabbau während der "Light+Building"-Messe in Frankfurt bekannt.

Österreich bleibt im Gegensatz zu den rund 4.800 Mitarbeitern im Ausland dieses Mal offenbar weitgehend verschont. In der Zentrale in Dornbirn dürften von rund 500 Mitarbeiter weniger als zehn Personen betroffen sein. Bei den 135 Vertriebsmitarbeitern in Österreich ist die Rede von acht Stellen, die dem Rotstift zum Opfer fallen. Allerdings hat Zumtobel bereits im Juli 2013 entschieden, das Werk in Fürstenfeld mit 101 Mitarbeitern zu schließen. Die verbleibenden Fabriken in Österreich - Dornbirn, Jennersdorf und Innsbruck - seien gut ausgelastet, betonte das Unternehmen.

Zumtobel-Werke in Österreich

Dornbirn (Vorarlberg): Je ein Leuchten- und ein Komponentenwerk mit gemeinsam 1900 Mitarbeitern
Jennersdorf (Burgenland): LED-Produktion mit 130 Mitarbeitern
Innsbruck (Tirol): Produktionsstandort mit 100 Beschäftigten


Die Stellenstreichungen kamen überraschend: Noch im Dezember hatte Schumacher gesagt, es werde nur "von Fall zu Fall" zu Stellenstreichungen kommen - ein "umfangreicher genereller Stellenabbau" sei aber nicht geplant. Nun, knapp vier Monate später, werden 600 Jobs gestrichen, damit ist jeder zwölfte der konzernweit 7.194 Mitarbeiter betroffen.

Der Konzernumbau kostet bis zu 54,5 Mio. Euro. Die Maßnahmen würden alleine im vierten Quartal des noch bis Ende April laufenden Geschäftsjahres zu Restrukturierungsaufwendungen von weiteren 15 bis 20 Mio. Euro führen, heißt es in der Aussendung. Bereits in den ersten drei Quartalen gab Zumtobel 14,5 Mio. Euro aus, vor allem wegen der Schließung des Werks in Fürstenfeld und des Vorstandswechsels. Für das neue Finanzjahr 2014/15 rechnet das Management nochmals mit 15 bis 20 Mio. Euro, die der Sparkurs verschlingen wird.

Parallel dazu soll der Umsatz in den nächsten drei Jahren jährlich um 3 bis 5 Prozent steigen - auf 1,38 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2016/17. Zum Vergleich: Für heuer wird ein Umsatz von knapp 1,23 Mrd. erwartet.

(APA)

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