Bilanz: Asfinag trägt Schuldenberg langsam ab

Die Autobahngesellschaft Asfinag konnte dank steigender Mauteinnahmen zum dritten Mal in Folge Schulden zurückzahlen. Dies wird sich in den kommenden Jahren aber wieder ändern.

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(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Wien. Es war ein Anstieg, der Beobachtern jahrelang Sorgen bereitete: Durch den forcierten Ausbau des Autobahnnetzes stiegen die Schulden der zuständigen Autobahngesellschaft Asfinag seit der Jahrtausendwende kontinuierlich an. Die 1997 als Vehikel zum Verstecken der Schulden (damit sie nicht ins Maastricht-Budget gerechnet werden) gegründete Gesellschaft erhielt zwar von Anfang an die Mauteinnahmen aus Pkw-Vignetten und Streckenmauten sowie seit 2004 auch jene aus der Lkw-Kilometermaut. Die Einnahmen waren aber zu gering, um die Ausgaben abzudecken. Die Folge: Bis 2010 stiegen die Schulden auf rund 11,7 Mrd. Euro an.

Seither wurde das jährliche Ausbauprogramm der Asfinag jedoch „redimensioniert“ – also verkleinert. Und daher kommt die Asfinag mit ihrem Geld nicht nur aus: Sie kann auch stückchenweise Schulden zurückzahlen. 2013 waren das 53 Mio. Euro. Über die vergangenen drei Jahre fiel der Schuldenstand so um 220 Mio. Euro auf 11,5 Mrd. Euro.

100 Mio. Dividende an Staat

Neben dem reduzierten Bauprogramm machten dies auch deutlich gestiegene Mauteinnahmen möglich. Diese stiegen im Vorjahr um vier Prozent auf 1,69 Mrd. Euro (siehe Grafik). Besonders stark fiel die Zunahme im Pkw-Bereich mit 6,5 Prozent aus. Grund dafür war einerseits die gestiegene Fahrleistung, andererseits die an die Inflation angepassten Mautpreise. Den Großteil der Mauteinnahmen stellten aber wie in den Vorjahren Lkw und Busse.

Das eingenommene Geld wurde zu 730 Mio. Euro für den Neubau und die Sanierung der Straßen ausgegeben. Je rund 400 Mio. Euro flossen in Zinsen sowie den Betrieb. 250 Mio. Euro gingen an Steuern und einer Dividende von 100 Mio. Euro an den Staat. „Wir sind kein Zuschussbetrieb der Steuern erhält, sondern wir führen Gelder ab“, so die Asfinag-Vorstände Klaus Schierhackl und Alois Schedl am Montag bei der Präsentation der Zahlen.

Durch den erzielten Bilanzgewinn in Höhe von 471 Mio. Euro (möglich wurde er in dieser Höhe, da die Asfinag neben den Mauteinnahmen noch das vom Staat gewährte Fruchtgenussrecht an den gebauten Autobahnen als Umsatz verbucht) und die kleine Schuldenrückzahlung stieg auch die Eigenkapitalquote um zwei Prozentpunkte auf 22,2 Prozent. Zurzeit profitiert die Asfinag dabei auch vom gesunkenen Zinsniveau. Dieses beträgt derzeit im Schnitt über alle ausgegebenen Anleihen 3,17 Prozent. Da abreifende Anleihen aber durch neue – günstiger verzinste – Anleihen ersetzt werden, dürfte dieser Wert in den kommenden Monaten weiter sinken. „Bei unserer jüngsten Anleihe haben wir einen Zinssatz von 1,4 Prozent auf sieben Jahre“, so Schierhackl. Wird der durchschnittliche Zinssatz um einen Prozentpunkt gesenkt, entspricht dies einer geringeren Zinszahlung von etwa 100 Mio. Euro pro Jahr.

Bis zu 12,6 Mrd. bis 2019

Mittelfristig werden sich die Vorzeichen bei der Schuldenaufnahme der Asfinag jedoch wieder ändern. Da das Bauprogramm in den kommenden Jahren wieder auf eine bis 1,1 Mrd. Euro pro Jahr steigen soll, werden die Schulden laut Planung bis 2019 auf 12,6 Mrd. Euro ansteigen. Doch auch damit ist man deutlich unter den Planwerten früherer Jahre, die ein Maximum von 19 Mrd. Euro vorsahen. Das wäre auch der absolute Maximalwert gewesen, da dann die Schuldentilgungsdauer auf über 30 Jahre angestiegen wäre – und somit länger wäre, als die Lebensdauer der Autobahnen.

Ab 2019 sollen die Schulden dann auch langfristig wieder sinken, da das Ausbauprogramm des heimischen Autobahnnetzes weitgehend abgeschlossen ist. Danach soll es großteils nur mehr Sanierungsarbeiten geben, die gegenüber dem Neubau wesentlich kostengünstiger sind. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2014)

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