Nach Hedge-Fonds-Desaster: Platzt die Kreditblase?

Der Kollaps zweier Hedge-Fonds der fünftgrößten US-Investmentbank Bear Stearns lässt die Finanzmärkte zittern.

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Fast im Wochenrhythmus kaufen Private-Equity-Firmen wie Carlye, KKR und CVC Unternehmen auf. Bis Ende März bezahlten Finanzinvestoren nach Daten des Analysehauses Thomas Financial weltweit rund 192 Mrd. Dollar für Firmenkäufe.

Die Investoren wurden durch die wenigen Firmenpleiten der letzten Jahre angelockt. Die Kredit-Ausfallsrate betrug laut Ratingagentur Moody's weltweit nur 1,7 Prozent und lag damit deutlich unter dem Schnitt der letzten 25 Jahre (4,5 Prozent).

"Die Anleger wissen schon gar nicht mehr, was ein Ausfall ist. Sie vergessen daher zunehmend, sich das Ausfallsrisiko bezahlen zu lassen", warnte Howard Marks von Finanzinvestor Oaktree Capital Management laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schon im März. Mittlerweile sind in den USA zwei Drittel der Unternehmenskredite sogenannte "Ramschkredite", also Kredite mit hoher Ausfallswahrscheinlichkeit. "Das Platzen der Kreditblase wird sich um einige Jahre verzögern. Aber dafür wird die Krise auch weitaus größer", malt Marks schwarz.

Der ungezügelte Übernahme-Appetit der Private-Equity-Firmen hat in den vergangenen Jahren die Nachfrage nach Übernahme-Krediten ("Leveraged Loans") explosionsartig ansteigen lassen. Die Beteiligungsgesellschaften finanzieren ihre Shopping-Touren zu mehr als zwei Dritteln mit Schulden.

Das klassische Geschäftsmodell der Private-Equity-Firmen sieht folgendermaßen aus: Will ein Finanzinvestor ein Unternehmen übernehmen, sucht er ein geeignetes Bankenkonsortium. Das Konsortium schnürt ein Kreditpaket, wälzt das Risiko aber ab: Die Kredite werden neu "verpackt" und z.B. als schlecht besicherte Hypotheken-Kredite an institutionelle Investoren - also andere Banken, Hedge-Fonds und Pensionsfonds - weitergereicht. Die US-Investmentbanken haben an der großzügigen Kreditvergabe und dem Weiterverkauf der Kredite glänzend verdient.

Experten sehen das Finanzsystem gefährdet. Erste Anzeichen für das Platzen der Kreditblase gibt es bereits: Erst heute musste die fünftgrößte US-Investmentbank Bear Stearns ihren Kunden mitteilen, dass die Investments ihrer zwei angeschlagenen Hedge-Fonds so gut wie wertlos seien. Die Fonds sind Konstrukte aus riskanten Anlagen, die größtenteils an zweitklassige Hypothekenkredite (subprime mortgages") auf dem Immobilienmarkt gekoppelt sind. Die Hedge-Fonds hatten Ende 2006 noch einen Wert von rund 1,5 Mrd. Dollar. Der konservativere Fonds fiel seitdem um 91 Prozent, der zweite Fonds hat überhaupt kein Investoren-Kapital mehr.

Der Kollaps von Bear Stearns könnte der erste fallende Dominostein sein. An den Finanzmärkten ist die Sorge groß, dass auch anderen Investoren ähnliche Verluste drohen. Die Risikoscheu wird größer. Das wiederum lässt mehrere internationale Großbanken schwitzen - sie drohen auf Krediten in Milliardenhöhe sitzen zu bleiben: So finden die Citigroup und ABN Amro keine Abnehmer für einen 1,1 Mrd.-Euro-Kredit. Die Deutsche Bank, JP Morgan und Unicredit droht ebenfalls für einen 9 Mrd.-Pfund-Kredit keine Abnehmer zu finden.

Nach Branchenschätzungen könnten Großbanken wie die Citigroup, JP Morgan, Deutsche Bank, Credit Suisse, Goldman Sachs und die Royal Bank of Scotland auf Krediten in zweistelliger Milliardenhöhe sitzen bleiben, berichtet die "Financial Times Deutschland". (phu)

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