Hightech-Schub für die Börse

Der Baukonzern Strabag startet den herbstlichen Börsereigen; dann folgen Familienunternehmen. Einer der Fixstarter ist Frequentis.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

WIEN. Der Börsegang des Baukonzerns Strabag eröffnet nicht nur die Herbstsaison der Initial Public Offerings (IPO, der erstmalige Verkauf von Firmenanteilen) an der Wiener Börse. Es dürfte auch mit einem erwarteten Volumen von weit mehr als einer Mrd. Euro der bisher größte Börsegang Österreichs werden. Bereits für Mai war die erstmalige Notierung der Strabag an der Wiener Börse erwartet worden. Doch im April wurden die Vorbereitungen zum Börsengang kurzfristig abgeblasen – und mit Oleg Deripaska ein neuer Großaktionär vorgestellt. Derzeit ist vom 19. Oktober für den neuerlichen Börsestart die Rede.

Was nach der Strabag folgen dürfte, ist wohl viel kleiner – aber nicht weniger interessant. Denn es sind – neben der Energie AG Oberösterreich, deren Börsegang politisch nach wie vor heftig umkämpft ist – vor allem kleine, aber sehr feine Hightech-Schmieden, die sich für ihre weitere Expansion Geld vom Finanzmarkt holen wollen. Deshalb dürften die meisten Börsegänge auch mit einer Kapitalerhöhungen verbunden werden.

Einer der Fixstarter ist Frequentis, erfuhr die „Presse“ aus Börsekreisen. Der Weltmarktführer bei Informations- und Kommunikationssystemen für Flugsicherheit hat so gut wie alle größeren Flughäfen der Welt ausgerüstet und zuletzt einen Großauftrag der US-Weltraumbehörde Nasa an Land gezogen. Das Unternehmen steht zu 100 Prozent im Eigentum von Firmengründer Johannes Bardach und hat 2006 einen Umsatz von 115 Mio. Euro gemacht. Der Gewinn lag bei vier Mio. Euro.


Mit dem Auspuff Richtung Börse

Börsepläne werden auch dem Spezialisten für Sportauspuffanlagen, Remus Sebring, nachgesagt. Der von dem Unternehmer-Ehepaar Angelika und Otto Kresch aufgebaute Betrieb ist in seiner Sparte ebenfalls Weltmarktführer. Bei Remus Sebring dürfte im Zuge des Börsegangs die Lead Equities Mittelstandsfinanzierungs AG, die derzeit 49 Prozent hält, ihre Anteile zum Teil oder ganz abgeben. Mit dem Ausstieg eines Private Equity-Fonds waren auch zwei erfolgreiche IPOs im Vorjahr verknüpft: Beim Leuchtenkonzern Zumtobel zog sich der US-Fondsriese KKR zurück, beim Autozulieferer Polytec die Schweizer Capvis.

Der Dritte im Bunde ist ebenfalls Weltmarktführer, und zwar bei Minensuchgeräten. Die Börsenstory macht bei Schiebel allerdings ein Mini-Hubschrauber. Mit dem unbemannten „Camcopter“ hat Firmenchef Hans Georg Schiebel einen Verkaufshit gelandet.

Sechs Börsegänge gab es heuer bisher – Warimpex, Teak-Holz, Kapsch TrafficCom, Phion und die beiden Meinl-Firmen Meinl Airports International und Meinl International Power. Mit äußerst wechselhaftem Erfolg, wobei die jüngsten Börseturbulenzen die Kurse allgemein zerzausten. Pankl Racing wechselte zudem von Frankfurt nach Wien. 2006 wagten insgesamt nur sechs Unternehmen (Post, Zumtobel, CA Immo, A-Tec, Polytec und Bene) den Sprung an die Wiener Börse, drei – C.A.T. Oil, BDI Biodiesel und C-Quadrat – sind nun in Frankfurt gelistet. Möglicherweise spielte im Vorjahr die ebenfalls im Sommer herrschende Unsicherheit an den Aktienmärkten eine Rolle.


Turbulenzen schadeten nicht

Demnach müsste der jüngste Wirbel doch erst Recht alle Börsengelüste vertreiben? Keineswegs, glauben Investmentbanker. Dies könnte sogar ein Vorteil für IPOs sein: Private Equity-Fonds stellten bei der Kapitalbeschaffung bisher die größte Konkurrenz für die Börsen dar. Jetzt sei die Finanzkraft von Private Equity-Firmen aber dramatisch eingebrochen.

DIE KANDIDATEN.

Der Baukonzern Strabag möchte noch im Oktober Aktien über die Wiener Börse verkaufen und dabei weit mehr als einer Mrd. Euro einnehmen. Damit wird die Strabag wohl der bisher größte Börsegang Österreichs.

Frequentis, Weltmarktführer bei Informations- und Kommunikationssystemen für Flugsicherheit, gilt in Finanzkreisen ebenfalls als Fixkandidat für einen Börsengang.

Auch Schiebel, Produzent von Mini-Hubschraubern und Minensuchgeräten, sowie Remus Sebring, Spezialist für Sportauspuffanlagen, werden Börsenpläne nachgesagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2007)

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