Wein: Ähnlich gut wie im Ausnahmejahr 2003

Ernte. Weinbaupräsident Josef Pleil rechnet mit einer kleineren Ernte, aber mit einer sehr guten Qualität.

(c) AP (Winfried Rothermel)

WIEN(APA/ku). Interessante Rotweine, fruchtige Weißweine, hoher Alkoholgehalt, wenig Säure. Der Wein des Jahrgangs 2007 verspricht in den Augen von Weinbaupräsident Josef Pleil ein außergewöhnlich Guter zu werden – der sogar an das Ausnahmejahr 2003 anschließen könnte. „Qualitativ kommt die Ernte 2007 nahe an jene vom Rekordsommer 2003 heran“, sagte Pleil am Freitag vor Journalisten.

Die Ernte hat so früh wie kaum jemals zuvor begonnen: Im Burgenland wurde bereits jetzt die Lese der frühen Sorten gestartet. Die Menge wird allerdings etwas geringer als im Schnitt der letzten Jahre ausfallen. Pleil geht von 2,2 bis 2,4 Mio. Hektoliter aus. „Verdursten werden wir nicht“, fügte Pleil aber sogleich hinzu.

Qualität, Erntemenge und frühe Lese sind die Folgen der ungewöhnlichen Witterung 2007. Nachdem im Frühjahr die Blütezeit statt wie üblich Mitte Juni bereits Ende Mai die Weintraubensaison eingeläutet hatte, hofften die Bauern auf ein außergewöhnlich gutes Jahr. Die Trauben wuchsen früh und rasch, doch die Natur hat mit den tropischen Temperaturen im Juli ihre „Grenze“ aufgezeigt, erklärte Pleil. Denn bei mehr als 30 Grad Celsius „arbeiten“ die Reben nicht mehr. Die durchgehend hohen Temperaturen im Sommer haben den Vorsprung wieder verkleinert, so der Weinbaupräsident. In vielen Gebieten habe es aber während der Reifephase im August doch noch ausreichend Niederschläge gegeben.

Qualität und Menge in den einzelnen Weinbaugebieten werden sehr unterschiedlich ausfallen – die Mostausbeute aus den Trauben hängt in erster Linie von den Regenmengen ab. Das nördliche Weinviertel beispielsweise habe diesen Sommer magere 200 Millimeter Niederschlag verzeichnet. „Das spürt der Wein“, sagt Pleil.



„Verdursten werden
wir nicht.“

Josef Pleil, Präsident des Weinbauverbandes, zu der relativ geringen
Erntemenge 2007

Großen Einfluss hatten auch die hohen Hagelschäden von insgesamt rund 6200 Hektar. Zum Vergleich: Allein in der Steiermark bewirtschaften die Bauern rund 4000 Hektar Weinbaufläche. Dazu kamen punktuell noch schwere Schäden durch Spätfrost.

Europaweit gibt es einen ähnlichen Trend: Bei extrem früher Lese sind die Erntemengen auch in Frankreich, Italien und Deutschland geringer. Das sollte in den Augen Pleils auch „Auswirkungen auf das Preisgefüge am Traubenmarkt“ haben. Sprich: Wie so viele andere Lebensmittel könnte auch Wein teurer werden.

Klarer Schwerpunkt des Weinbauverbandes ist die Hebung der Qualität. Etwas über 50 Prozent der in Österreich produzierten Weine sind derzeit Qualitätsweine. Der Rest ist Tafelwein und Landwein zu je rund einem Viertel. In Frankreich hingegen werden rund 60 Prozent und in Spanien etwa 75 Prozent Tafelwein hergestellt. Das „Traumziel“ in Österreich sei es, die Qualitätsweinproduktion auf 60 Prozent zu heben, so Pleil. Die Herstellung von Tafelwein werde abnehmen, aber für die Sektindustrie nicht gänzlich aufhören.

Beim Export geht der Trend in Richtung weniger Fassweine und dafür mehr qualitativ höherwertige Flaschenweine. Somit steige zwar der Exportwert, jedoch sinke die Menge an Litern, die ins Ausland verkauft werden. Die Veränderung der Anbauflächen war zuletzt gering: Während etwa im Burgenland die Flächen abnehmen, steigen sie in der Steiermark momentan an, so Pleil.


„Heißer Herbst“

Die EU-Politik sieht Pleil sehr kritisch: Bei den jüngsten Vorschlägen der EU-Kommission zur Reform der Weinmarktordnung sei die „Meinung des Sektors ignoriert“ worden. Wie berichtet, haben auch die EU-Agrarminister von der Kommission viele Änderungen gefordert. Brüssel will die Weinüberschüsse durch die Rodung von einem Zehntel der Rebflächen abbauen. Österreich hält, ebenso wie etwa Deutschland, eine derartige Defensiv-Strategie für falsch. Richtiger sei es, auf Qualität zu setzen. Pleil erwartet nun einen „heißen Herbst“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2007)

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