TECHNIK: Sanierung von maroden Kanälen – ganz ohne Bagger

Die oberösterreichische Firma Rabmer stülpt neue Schläuche in alte Rohre. Ohne Aufgraben, und ohne Verkehrsstaus.

LINZ. Knifflig war das für die italienischen Straßenbetreiber. Wie saniert man eine kaputte Rohrleitung, die entlang einer stark befahrenen, einen Kilometer langen Hauptbrücke über den Po verläuft? Für einen Bagger war kein Platz in Taglio di Po. Zumal der Verkehr nicht beeinträchtigt werden sollte. Eine oberösterreichische Firma hatte die Lösung. Rabmer aus Altenberg bei Linz saniert (Ab-)Wasserleitungen, ohne einen Stein zu versetzen. Der „Trick“: in das alte Rohr wird ein neues aus Kunststoff eingezogen.

Was einfach zu schildern ist, galt in der Praxis als „Weltrekord“, wie die Firma betont. In das vorhandene 940 Meter lange Rohr wurde ein flexibler Plastikschlauch aus Polyethylen geschoben. Das Verfahren heißt „U-Liner-Technik“: Der dickwandige Schlauch wird zusammengedrückt, sodass er im Profil wie ein „U“ aussieht, und in die alte Leitung geschoben, dann aufgeblasen – und fertig. „Das ist um rund ein Drittel günstiger als die herkömmliche Auswechslung von Rohren“, meint Geschäftsführerin Ulrike Rabmer-Koller. „Aber viel größer wäre das Plus, würde man die Staukosten einberechnen, die der Volkswirtschaft dabei entstehen.“

Mit der „staufreien und „grabungsfreien“ Rohrsanierung ist Rabmer Marktführer in Mittel- und Osteuropa. Ein Markt, der enormes Potenzial habe, meint Rabmer-Koller, Chefin von 272 Mitarbeitern.


Erster Kanalroboter 1984

„Gerade in Osteuropa ist ein enormer Bedarf, weil seit Jahren nichts in Instandhaltung investiert wurde. Es gibt Städte, in denen die Wasserversorgung nur ein paar Stunden pro Tag funktioniert, weil die Rohre undicht sind und der Wasserverbrauch ansonsten zu extrem wäre“, erzählt Rabmer-Koller. Wo Lecks entstehen, mischt sich Kanal- mit Trinkwasser. Seuchen sind die Folge.

Weshalb Rabmer beides, Trinkwasser- und Abwasserleitungen saniert. Für Sanierungen gäbe es jetzt auch in Rumänien EU-Gelder, freut sich Rabmer-Koller. Dort hat ihre Firma einen Millionen-Auftrag bekommen: 130 Kilometer Kanalnetz sollen gereinigt, untersucht und saniert werden. Ganz ohne Bagger.

Denn auch die Inspektion des Kanals erfolgt seit Jahren hochtechnisch. „Mein Vater hat bereits 1984 einen Roboter mit einer Schwarzweiß-Kamera durch die Rohrleitungen geschickt“, sagt die 41-jährige Betriebswirtin.


Salzburgs Festung: „neuer“ Kanal

So auch im Abwasserkanal von der Festung Hohensalzburg. Dort hatten sich Wurzeln in den Kanal gebohrt und ihn verstopft. Die 78 Meter lange Strecke von der Festung ins Kanalsystem der Stadt hinab konnte unmöglich aufgegraben werden. Die Firma Rabmer sanierte im Vorjahr mit ihrem Lieblingsverfahren, die „Schlauch-Liner-Technik“. Ein 40 Zentimeter dicker Textil-Schlauch wird in die talseitige Kanalöffnung gelegt. Innen ist der Schlauch mit Epoxydharz getränkt. Beim Einführen in das alte Rohr wird er umgestülpt und mit Luft aufgeblasen, sodass sich die mit Harz getränkte Gewebeschicht an den Rohrwänden anlegen kann. Ist der Schlauch angebracht, wird heißer Dampf nachgeblasen, wodurch das Epoxydharz aushärtet. Fertig.

Zwei Drittel derartiger Sanierungen erledigt Rabmer mittlerweile im Ausland. „In Osteuropa muss man immer eine Niederlassung vor Ort haben“, sagt Rabmer-Koller, die vor kurzem den zehnten Auslandsstandort in Zagreb eröffnet hat. Deshalb arbeitet fast jeder zweite Mitarbeiter in Osteuropa, wo es die meisten Aufträge für die Sanierer gibt. Um 21 Prozent auf 46 Mio. Euro stieg der Umsatz im Vorjahr. Im zweistelligen Tempo soll es weiter gehen, so das Ziel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2007)

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