Brodmann sticht Yamaha bei Bösendorfer aus

Verkauf. Die Bawag trennt sich von defizitärem Klavierbauer.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Wien (APA/red.). Ein formaler Beschluss steht noch aus, die Würfel dürften aber gefallen sein: Die defizitäre Klaviermanufaktur Bösendorfer wird von der Bawag an Brodmann Pianos verkauft, einen Wiener Klaviererzeuger. Die japanische Gruppe Yamaha, die im Bieterstreit lange die Nase vorne zu haben schien, dürfte leer ausgehen. Die Traditionsfirma bleibt österreichisch.

Weder bei der Bawag noch bei Brodmann wollte man einen entsprechenden ORF-Bericht bestätigen. Bei der Bawag hieß es lediglich, die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen. Die endgültige Entscheidung soll erst nächste Woche fallen.

Die Bawag hätte durch den Verkauf von Bösendorfer ein Sorgenkind weniger: Der weltberühmte Klavierbauer hat im Vorjahr fast zwei Mio. Euro Verlust geschrieben. Die Schulden belaufen sich auf acht Mio. Euro. 2001 war Bösendorfer auf Wunsch des damaligen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel von der ehemaligen Gewerkschaftsbank übernommen worden, um einen Verkauf an die US-Gruppe Gibson zu verhindern. Zuvor gehörte das Unternehmen dem US-Unternehmen Kimball.

Damals schrieb die Klaviermanufaktur noch Gewinne. In den Folgejahren schlitterte das Unternehmen wegen Verkaufsproblemen in die roten Zahlen. Inzwischen wurde die Bawag vom US-Fonds Cerberus übernommen. Dieser trennt sich jetzt von der verlustreichen Beteiligung und dürfte damit elf Mio. Euro erzielen. Die Bawag hatte seinerzeit 25 Mio. US-Dollar für Bösendorfer ausgegeben.


Brodmann-Fabriken in China

Brodmann-Chef Christian Höferl kennt die Klavierfabrik sehr gut – er war Verkaufsmanager von Bösendorfer. Brodmann und Bösendorfer haben gemeinsame Wurzeln. Im Jahr 1828 hatte Ignaz Bösendorfer von seinem Lehrer Joseph Brodmann dessen Klavierwerkstatt übernommen. Das ursprünglich als Zweitmarke geplante Label „Brodmann“ wurde von Höferl gekauft.

Das Unternehmen Brodmann hat neben dem Sitz in Wien auch Standorte in Großbritannien, den USA und China. Die Endfertigung der Klaviere erfolgt in zwei chinesischen Werken. Das „Innenleben“ der Klaviere wird aber in Europa gefertigt. Auch bei den Bösendorfer-Klavieren kommen nicht alle Teile aus Österreich.

Für Bösendorfer hatte die Bawag auf Drängen der Belegschaft Standortgarantien verlangt. Höferl hatte im Vorfeld stets beteuert, dass die Bösendorfer-Produktion in Österreich bleiben werde. Auch Kunstschaffende wie Nikolaus Harnoncourt oder Rudolf Buchbinder hatten massiv für eine „österreichische Lösung“ plädiert.

Freilich: Eine österreichische Marke und ein Standort in Österreich bedeuteten noch keine Produktionsgarantie, sagt Bösendorfer-Betriebsrat Stefan Radschiner. Die Möglichkeit, dass Teile der Produktion ins Ausland verlagert werden, bestehe sowohl bei Brodmann als auch bei Yamaha. Und um die Bedeutung der Marke mit dem Wiener Flair wüssten beide potenzielle Käufer.
Siehe auch: „Im Sucher“ Seite 39

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2007)

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