Kyoto-Ziele: Österreich weit hinten

Wirtschaftsminister Bartenstein aber optimistisch – Tanktourismus im Visier.

BRÜSSEL(pö/APA). Obwohl sie derzeit weit hinten liegen, können die EU und Österreich ihre Ziele aus dem internationalen Klimaschutzabkommen von Kyoto noch erreichen, glaubt die EU-Kommission. Diese präsentierte am Dienstag in Brüssel ihren neuen Jahresbericht über das Klima. Würde sich Österreich aber auf seinen bisherigen Maßnahmen ausruhen, würde der Ausstoß von Emissionen bis 2010 sogar um 17,2 Prozent wachsen, ergaben die Prognosen. Im Kyoto-Protokoll ist hingegen festgehalten, dass diese bis 2010 um 13 Prozent sinken sollen. Sollte Österreich weitere Maßnahmen ergreifen, könnte Österreich seine Treibhausgase bis 2010 allerdings noch um 13,4 Prozent reduzieren.


EU drängt zu Maßnahmen

Als solche Maßnahme nennt die Kommission das Kaufen von Emissionsrechten aus Drittländern, wie dies das Kyoto-Protokoll erlaubt. Auch das Wiederaufforsten habe sich in der EU zum Teil schon bewährt, denn dadurch kann CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen werden.

Die 15 „alten“ EU-Staaten (noch ohne Mittel- und Osteuropa), die dem Abkommen beitraten, würden mit heutigem Stand ihr Ziel klar verfehlen. Bis 2010 ist darin eine Reduktion von acht Prozent vorgesehen, sie würden aber nur minus vier Prozent schaffen, ergaben die Projektionen der Kommission. Diese ist aber optimistisch: Sollten EU-weite Maßnahmen folgen – und zwar „ganz rasch“, wie Umweltkommissar Stavros Dimas betonte –, wäre eine Reduktion um 11,4 Prozent möglich.

Für Österreich seien minus 11,4 Prozentpunkte durch Zukauf von Emissionsrechten drinnen, weitere minus 0,9 Prozentpunkte könnten durch Wiederaufforsten sowie minus 18,2 Prozentpunkte durch zusätzliche Klimaschutz-Maßnahmen erreicht werden.

Österreich liegt neben Spanien in der Klima-Statistik besonders schlecht, Madrid hat allerdings – anders als Wien – gar keine Chance mehr, die Kyoto-Ziele zu erreichen: Selbst im besten Fall werde Spanien 14,2 Prozentpunkte dahinter zurück bleiben, errechnete man in Brüssel. Ebenfalls hinten wären Italien und Dänemark.


„Größte Herausforderung“

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein bezeichnete den Klimawandel als „eines der größten Probleme, vielleicht die größte globale Herausforderung der Jetztzeit“. Immerhin hätten Experten errechnet, dass es in den nächsten Jahren eine CO2-Reduktion von 50 bis 80 Prozent brauche, damit die Erwärmung maximal zwei Grad Celsius beträgt. Wird der derzeitige Kurs beibehalten, käme es in der EU aber im Gegenteil zu plus 50 Prozent bis 2030.

Bei den Europa-Berechnungen sind Bartenstein die Emissionen des „Tank-Tourismus“ aus Deutschland und Italien ein Dorn im Auge: Würden diese künftig nicht mehr den Österreich-Daten zugeschlagen, würde Wien mit immerhin acht Mio. Tonnen weniger deutlich besser dastehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.11.2007)

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