Brauereien: Österreich hat größte Brauereidichte Europas

Kleinbrauerei Schwarzach schließt – dem Rest der Pivatbrauer gehe es trotz dominanter Brau Union „gut“.

(c) AP (Christof Stache)

WIEN. „Tauerngold“ war das Aushängeschild. Als „würzigfein“ beschreibt die Brauerei Schwarzach ihre bekannteste Marke. Bald wird es das Salzburger Bier nicht mehr geben. Seit über zwei Wochen steht die Anlage still, Ende Jänner wurde der Betrieb nach 161 Jahren geschlossen. Die 75-jährige Chefin des Familienunternehmens, Eva-Maria Seeber, sagt, sie habe keinen Nachfolger gefunden. Auch die Konkurrenz durch Braukonzerne macht man im Pongau für das Ende verantwortlich.

Ohne Schwarzach gibt es noch 65 Industrie-Brauereien in Österreich. Acht davon sind im Mehrheitsbesitz der Brau Union AG. Diese acht halten einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Um die privaten Brauereien stehe es trotz dieser Konzentration „sehr gut“, sagt Karl Schwarz, der Geschäftsführer von Zwettler Bier.

„Zumindest, solange sie keine strategischen Fehler machen.“ Denn die Stärke der kleinen und mittelständischen Brauereien sei die Regionalität, und diese sei bei Bier sehr gefragt. Auf fremdes Terrain sollten sie sich nicht begeben, empfiehlt der Chef der Waldviertler Privatbrauerei.

Die Zahl der privaten Bierbrauer steigt. 1998 gab es erst 54 Industriebrauereien, neun davon waren im Mehrheitsbesitz der Brau Union Österreich, die 2003 von Heineken übernommen wurde. Die Zahl wächst vor allem durch „Ein-Mann-Brauereien“, sagt Heinrich Werner vom österreichischen Brauereien-Verband. Diese würden als Industriebetriebe geführt, seien aber nur sehr regional aktiv.


Im Trend liegt regionales Bier

„Wir beobachten den Trend zur Regionalisierung wie auch den der Gasthaus-Brauereien schon seit einigen Jahren“, sagt Werner. Mittlerweile brauen 102 Gasthäuser ihr eigenes Bier, Österreich hat damit die größte Brauereidichte Europas.

Nach wie vor ist Bier in Österreich die beliebteste Art des Alkoholkonsums. Drei von zehn Lokalbesuchern bestellen laut Brauereien-Verband ein „Krügel“ oder ein „Seidl“, nur halb so viele greifen zu Wein. Statistisch trinkt hierzulande jeder 109 Liter Bier pro Jahr. Nur die Tschechen und die Deutschen schaffen mehr.

Auf einen Zuwachs des seit Jahren in etwa konstanten Konsums hoffen die Brauer durch die Euro08. Die Brau Union rechnet mit einer Absatzsteigerung von zehn bis 20 Prozent während der Europameisterschaft, für das gesamte Jahr erwarte man ein „kleineres Plus“, heißt es aus dem Konzern.

Das Beratungsunternehmen KPMG erwartet für die nächsten fünf Jahre einen Produktionszuwachs von fünf Prozent, auch durch den steigenden Export. Einige der Brauereien seien aber durch die hohe Dichte in Gefahr.

Auch die gestiegenen Rohstoffpreise machen der Branche zu Schaffen. Der Preis für Braugerste und Hopfen hat sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt. „Das betrifft Brau Union und die Privaten in gleichem Ausmaß“, sagt Zwettler-Chef Schwarz. Die kleinen seien derzeit sogar im Vorteil, weil sie schneller gehandelt und günstiger gekauft hätten als die Konzerne.


Bierpreis steigt

Zwettler hat die Versorgung nun bis Ende 2009 gesichert, der Bierpreis wird trotzdem steigen: „Im Jänner haben wir begonnen, den Preis um fünf bis sieben Prozent zu erhöhen“, erzählt Schwarz.

Zwettler engagiert sich mit anderen österreichischen und deutschen Privatbrauereien im Verband „Die freien Brauer“. Denn deren „individuelle“ Biere würden die heimische Bierkultur erhalten.

Tauerngold und die restlichen Marken der Brauerei Schwarzach werden noch bis Ende März im örtlichen Braugasthof ausgeschenkt. Dann wird auch der geschlossen. Die restlichen Abnehmer wird künftig die Brau Union beliefern. Eine Übernahme der Privatbrauerei sei nicht in Frage gekommen, heißt es. Daran hätten weder die Besitzerfamilie noch der Konzern Interesse gehabt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2008)

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