Zentralbanken überlegen Massenaufkauf von Risikopapieren

Die Zentralbanken diskutieren mögliche Wege aus der Kreditkrise: Ein Massenaufkauf von Risikopapieren setzt allerdings die Zustimmung der Regierungen voraus.

(c) Reuters (Lucas Jackson)

Zentralbanken in den USA und Europa überlegen einen Massenaufkauf von hypothekengesicherten Wertpapieren, um die weltweite Kreditkrise zu bekämpfen. Das berichtet die "Financial Times" am Samstag ohne Angabe von Quellen.

Die Gespräche sind demnach erst in einem frühen Stadium und Teil eines allgemeinen Austausches, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Dem Zeitungsbericht zufolge scheint die Bank von England am ehesten einen solchen Kauf zu befürworten. Die US-Notenbank (Fed) stehe der Idee grundsätzlich offen gegenüber, die Europäische Zentralbank (EZB) hingegen sei weniger enthusiastisch. Bislang haben sich die Zentralbanken bereiterklärt, die Papiere als Sicherheiten für Kredite anzunehmen.

Der Massenaufkauf hypothekenbesicherter Wertpapiere setzt allerdings die Zustimmung der Regierungen voraus, schließlich würde die Übernahme der Kreditrisiken auf Kosten der Steuerzahler gehen. Ein derartiger Schritt ist daher laut "Financial Times" wenig wahrscheinlich. Doch schlicht die Tatsache, dass darüber diskutiert werde, zeige, wie ernst die Bankenkrise tatsächlich sei.

"Früher oder später kommt der Crash"

Indes zeigt sich der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger verwundert über den Ruf von Banken nach mehr Staat. "Gerade sie haben in den letzten Jahren alles getan, um staatliche Regeln zu umgehen. Die Devise lautete: Es müssen 25 Prozent Rendite her", schrieb er in der "BamS".

Für sichere Anlagen gebe es aber nur 4 Prozent Zinsen. Deswegen sei man hohe Risiken eingegangen und habe fragwürdige Geschäftsmodelle gewählt. "Wer auf der Landstraße eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h erzielen will, muss schneller fahren als erlaubt und Überholverbote ignorieren. Das geht eine Zeit lang gut, aber früher oder später kommt der Crash."

Angst um Ersparnisse seien aber unbegründet, schrieb Bofinger. "Die kranken Banken werden rund um die Uhr von den staatlichen Notenbanken betreut, ähnlich wie die Patienten auf der Intensivstation. Die Eingriffe erfolgen so professionell, dass Groß- und Kleinanleger keine Angst um ihre Ersparnisse haben müssen." In den schlimmsten Fällen wie bei der Mittelstandsbank IKB helfe der Staat zusätzlich mit Steuergeldern aus. (Red./Ag.)

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