Luftfahrt: „Niki“ vervierfacht Gewinn

Die Billigfluglinie von Niki Lauda will auch heuer trotz hohen Kerosinpreises schwarze Zahlen schreiben – über die Partnerschaft mit Air Berlin werden Kosten gespart.

(c) AP (Ronald Zak)

wien. In Wien gebe es zu viele Billig-Fluglinien, wetterte AUA-Boss Alfred Ötsch kürzlich und kündigte einen beinharten Kampf gegen die Konkurrenz an. Dass dieses Match spannend bleibt, dafür sorgt auch der einstige AUA-Partner Niki Lauda mit seiner Fluglinie Niki. Niki, die mit ihrem 24-Prozent-Eigner Air Berlin in Wien einen Marktanteil von 12,2Prozent hat und damit die Nummer zwei nach der AUA (52,6Prozent) ist, hat sich für das laufende Jahr, das Ötsch wegen der hohen Kerosinpreise als „grimmig“ bezeichnete, eine gute Startposition geschaffen.

„Wir haben 2007 den Nettogewinn von 760.000 Euro auf 3,5 Mio. Euro mehr als vervierfacht“, sagt Lauda im „Presse“-Gespräch. Zum Vergleich: Die AUA weist für 2007 einen Nettogewinn von 3,3 Mio. Euro aus.

Lauda nennt mehrere Gründe für den Ergebnisschub: Die Zahl der Passagiere ist von 1,2 auf 1,7 Millionen gewachsen. Damit ist der Umsatz von 135 Mio. Euro auf 186 Mio. Euro gestiegen. „Es ist uns gelungen, trotz der Aufstockung der Flotte um zwei Maschinen die Auslastung auf 80 Prozent hoch zu halten“, nennt Finanzvorstand Gottfried Neumeister einen weiteren Faktor.


110 Euro pro Ticket

Zudem habe man einen durchschnittlichen Ticketpreis von 110 Euro halten können. „Das ist besonders wichtig, weil neue Strecken mit billigen Tickets beworben werden“, so Lauda. Die Gewinnschwelle liege bei durchschnittlich 80 Euro pro Ticket und einer Auslastung je Strecke zwischen 60 und 80Prozent. Je höher der Kerosinpreis, desto höher müsse der Durchschnittspreis sein. Niki hat bis Mitte des kommenden Jahres 30Prozent des Kerosinbedarfs mittels Hedging abgesichert und hebt Kerosinzuschläge auf den Ticketpreis ein.

Einsparungen brachte auch der Aufbau einer eigenen Wartung am Flughafen Wien. Bisher wurden die Flugzeuge von Niki und Air Berlin von der AUA gewartet. „Wir nützen weiter den AUA-Hangar, haben aber ein eigenes Team“, sagt Neumeister. Pro Flugstunde hätten sich die Kosten halbiert.


Selbstständig trotz Partner

Der Partner Air Berlin (von dessen Problemen mit der Eingliederung der LTU Niki nicht tangiert ist) bringe viele Synergien, meint Lauda. So etwa kooperiere man eng beim Vertrieb. „Ich verstehe nicht, warum die AUA einen strategischen Partner so definitiv ablehnt. Ich nütze die Vorteile der Partnerschaft mit Air Berlin und agiere dennoch selbstständig“, betont Lauda im Hinblick auf die Diskussion um die Zukunft der AUA. Beim Fest zum 50-jährigen Bestehen der AUA am Montag beschwor Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) die Unabhängigkeit der AUA.

Wegen der Ölpreisentwicklung sei eine Prognose für 2008 schwierig, sagt Lauda. „Wir machen sicher wieder einen Gewinn.“ Im Mai kommt das neunte Flugzeug, die Flotte soll bis 2014 auf 20Maschinen anwachsen.

IN ZAHLEN

Die BilligfluglinieNiki hat 2007 den Nettogewinn auf 3,5 Mio. Euro vervierfacht. Der Umsatz stieg von 135 auf 186 Mio. Euro, die Passagierzahl wuchs von 1,2 auf 1,7 Millionen.
Neun Flugzeuge sind fix bestellt, das erste kommt im Mai. Bis 2014 soll die Flotte aus 20 Maschinen bestehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2008)

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