Jobs: Alt, älter, arbeitslos?

Die Wirtschaft müsste doppelt so schnell wachsen, um die Arbeitslosenquote zu drücken. Vor allem Menschen über 50 sind – mangels Frühpensionierungen – stark betroffen.

Aeltere Arbeitnehmerin
Aeltere Arbeitnehmerin
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Wien. Die jüngsten Zahlen zum Arbeitsmarkt, die am Freitag veröffentlicht wurden, sorgen auch unter Ökonomen für Ernüchterung. Das von ihnen errechnete Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent im heurigen Jahr wird nicht ausreichen, um die steigende Arbeitslosenquote im Land zu drücken. So haben Unternehmen im April zwar 26.000 Jobs mehr geschaffen als vor einem Jahr. Doch die Zahl jener, die erfolglos nach Arbeit suchten, stieg deutlich schneller. Im vergangenen Monat waren 390.289 Menschen in Österreich arbeitslos gemeldet (inklusive Schulungsteilnehmern). Das sind zwar 12.000 Menschen weniger als im März, allerdings um 10,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Um eine echte Trendwende zu schaffen, müsste die Wirtschaft fast doppelt so schnell wachsen wie prognostiziert, schätzt man im Sozialministerium. Erst bei einem Plus von drei Prozent könne die Arbeitslosenquote wieder sinken. Ein derartiges Wirtschaftswunder ist derzeit allerdings nicht in Sicht.

Die Presse

22,2 Prozent mehr Ältere ohne Job

Die größten Baustellen auf dem Arbeitsmarkt sind rasch ausfindig gemacht. Während der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen halbwegs im Zaum gehalten werden kann, war im April knapp ein Viertel mehr Ausländer, Behinderte und ältere Menschen ab 50 Jahren arbeitslos als vor einem Jahr.

Vor allem bei den Älteren zeigt sich das Ende der früher üblichen Frühpensionierungswellen deutlich. So waren einerseits noch nie so viele Menschen über 50 beschäftigt wie heute (im April 37.000 mehr als vor einem Jahr). Andererseits waren aber auch noch nie so viele Ältere erfolglos auf Jobsuche. Im April stieg die Zahl der Arbeitslosen über 50 um 22,2 Prozent an. Das Alter allein ist aber nicht das Hauptproblem. Auch in der Generation der über 50-Jährigen sei vor allem die Qualifikation ausschlaggebend dafür, ob die Menschen wieder in Beschäftigung kommen oder nicht. Eine mögliche Lösung sei für manche Branchen das derzeit diskutierte Bonus-Malus-System, bei dem Unternehmen Strafe bezahlen müssen, wenn sie zu wenig ältere Mitarbeiter beschäftigen, sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf am Freitag.

 

Steuern runter statt Förderungen

Ab Mai soll auch das bereits beschlossene Arbeitsmarktpaket der Regierung greifen. 370 Millionen Euro sollen in den nächsten drei Jahren in die Förderung von älteren Arbeitssuchenden investiert werden. Als Werkzeug wählt die Koalition dafür unter anderem eine Art temporären Kombilohn. Firmen, die über-50-jährige Arbeitslose einstellen, erhalten ein halbes Jahr einen Zuschuss zu den Lohn- und Lohnnebenkosten, wenn die Person vorher mindestens ein halbes Jahr auf Jobsuche war. Bis zu drei Monate bezahlt der Staat die Kosten, im Einzelfall bis zu hundert Prozent. Pro Jahr sollen 20.000 Personen einen geförderten Job erhalten.

Bleibt die Frage, ob das nicht ein unnötiger und teurer Umweg ist. Denn statt erst bei Arbeitnehmern und -gebern hohe Steuern zu kassieren und ihr Geld dann zu verteilen, könnte die Regierung hören, was ihr Experten aus allen Lagern seit Jahren zurufen. Am Freitag rief etwa der Österreichische Gewerkschaftsbund die längst gefundene Lösung in Erinnerung: „Steuerentlastung ist das beste Mittel, um Arbeit zu schaffen.“ (auer)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2014)

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