Verbund schließt fünf Kraftwerke

"Massive Verwerfungen am europäischen Elektrizitätsmarkt" führen zum Aus, so der Konzern. Das Gas-Kombikraftwerk Mellach wird temporär stillgelegt. Die Werke in Dürnrohr und Neudorf/Werndorf II werden endgültig geschlossen.

Gas-Kombikraftwerk Mellach
Gas-Kombikraftwerk Mellach
Gas-Kombikraftwerk Mellach – (c) Thomas Topf

Der heimische Energiekonzern Verbund schließt aus Kostengründen fünf Kraftwerke. Temporär stillgelegt werden das Gas-Kombikraftwerk Mellach (Steiermark) und die französischen Gas-Kombikraftwerke in Pont-sur-Sambre und Toul. "Das Steinkohlekraftwerk Mellach bleibt zur Fernwärmeversorgung der Stadt Graz weiter in Betrieb", teilte der Verbund am Mittwochmorgen ad hoc mit. Das Steinkohlekraftwerks Dürnrohr (NÖ) und das ölbefeuerte Fernheizkraftwerks Neudorf/Werndorf II (Steiermark) werden endgültig geschlossen.

Grund für die Schließung sei das Umfeld, der Strommarkt sei aus dem Gleichgewicht gekommen. Angesichts der Verzerrungen sei es aktuell nicht wirtschaftlich, thermische Kraftwerke zu betreiben, sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Der Verbund habe ein Jahr verschiedene Optionen geprüft. Die Schließungen sollen laut Verbund in den Folgejahren zu einer "dauerhaften wirtschaftlichen Verbesserung" führen.

Beschäftigt sind in den zu schließenden Kraftwerken in Österreich rund 100 Mitarbeiter - davon 80 in Dürnrohr. In den Kraftwerken Pont-Sur-Sambre und Toul sind rund 35 Mitarbeiter beschäftigt. Anzengruber rechnet damit, dass rund die Hälfte der betroffenen Mitarbeiter in Österreich in anderen Konzernbereichen beschäftigt werden können. Sozialpläne seien vorgesehen.

Aktie reagierte mit Mini-Gewinn

Für den Erste-Analysten Thomas Unger kam die Schließung nicht überraschend. Die Debatte zu Mellach und den französischen Gas-Kombikraftwerken in Pont-sur-Sambre und Toul habe es ja schon lange gegeben, sagte Unger zur APA. Das endgültige Aus für das Verbund-Steinkohlekraftwerk Dürnrohr (NÖ) und das ölbefeuerte Fernheizkraftwerk Neudorf/Werndorf II (Steiermark) ist für Unger aber ein "neues Element". Auswirkungen der Schließungen auf das Verbund-Ergebnis seien derzeit noch nicht abschätzbar.

An der Wiener Börse notierte die Verbund-Aktie gegen 10.45 Uhr mit einem Plus von 0,35 Prozent bei 14,17 Euro.

Mellach kostete 550 Mio. Euro

Für den Verbund hat sich das Gas- und Dampfkraftwerk Mellach südlich von Graz als finanzielles Fiasko herausgestellt. Die 832-MW-Anlage für rund 550 Mio. Euro ist seit 2011 fertig, hat aber bisher nur marginal Elektrizität geliefert. Schuld ist der Verfall der Strom-Großhandelspreise durch die deutsche "Energiewende" bei weiter hohen Gasbezugspreisen. Der Verbund hat die Entscheidung zur Zukunft von Mellach mehrmals aufgeschoben. Nun wurde die temporäre Schließung des hochmodernen Kraftwerks bekannt gegeben. Den Zeitraum für die vorübergehende Einmottung bezifferte Anzengruber mit "sicher vier bis fünf Jahre".

Mellach: 2011 eröffnet, 2014 geschlossen

Gaskraftwerke sind in Europa derzeit generell unrentabel, auch deutsche Energiekonzerne kündigten bereits Stilllegungen an. Die wirtschaftlichen Effekte bezifferte der Verbund heute nicht. Begonnen werden könnte mit den Vorbereitungen zu den Stilllegungen nach der Genehmigung durch den Aufsichtsrat.

AR-Chef begrüßt "mutigen Schritt"

Dieser werde wohl in einer Woche grünes Licht geben, sagte Verbund-Aufsichtsratschef Gilbert Frizberg. Er begrüßte den "mutigen Schritt" des Vorstands des Stromkonzerns, mehrere kalorische Kraftwerke vorübergehend oder ganz zu schließen. Die am Mittwoch bekannt gewordene Entscheidung des Verbund-Vorstand sei "im Interesse der Gesamtrentabilität" des Unternehmens und mache den Konzern "stark für die Zukunft", so Frizberg.

Mit dem Schließungs- bzw. Einmottungsbeschluss habe der Verbund "jetzt Ballast weggelegt" und weise "keine bedeutenden Verlustquellen" mehr auf, so der AR-Vorsitzende. Es sei "gut, dass der Vorstand entschieden hat", denn "man konnte hier nicht ewig warten".

Zuletzt war der Nettogewinn des heimischen Stromkonzerns im ersten Quartal beinahe um die Hälfte auf 40,9 Mio. Euro gesunken. Begründet wurde der Rückgang mit den niedrigen Strompreisen.

(APA)

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