Stefan Ponsold: "Ich hätte zwei Jahre früher gründen sollen"

Stefan Ponsold, Gründer von SunnyBag, wusste schon mit zehn, dass er Erfinder werden will. Als ein Investor bei ihm einstieg, hatte er eine schlaflose Nacht. Inspiration holt er sich beim Laufen und Surfen.

SunnyBag
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SunnyBag – SunnyBag

Wann wussten Sie, dass Sie Unternehmer werden wollen?

Stefan Ponsold: Das wusste ich schon in frühester Kindheit, weil ich immer Dinge erfunden habe. Mit zehn habe ich meinen Vater gefragt, was ich werden soll. Er hat gesagt, Erfinder und Unternehmer. Eine Lehrerin hat mir dann gesagt, Erfinder ist kein Beruf. Mein Vater hat daraufhin gemeint, alles ist ein Beruf, wenn man davon leben kann. Damit war die Sache für mich klar.

Wie lang hat es gedauert, bis Sie Ihr Vorhaben in die Tat umgesetzt haben?

Nach der HTL habe ich mich in Konzernen hinaufgearbeitet. Zum Schluss war ich Produktentwickler in der Abteilung für Forschung und Entwicklung bei der Umdasch-AG. Mit 26 habe ich mich selbstständig gemacht.

Wer oder was ist Ihre größte Inspiration?

Ich werde beim Laufen inspiriert. Ich falle da in einen losgelösten Zustand und bekomme neue Ideen. Wenn ich zurückkomme, muss ich mir gleich alles aufschreiben. Auch Windsurfen inspiriert mich, Griffe beim Surfen haben mich schon zu einem Schnellverschlusssystem bei einer Tasche angeregt. Viele Lösungen aus anderen Bereichen kann man abstrahieren und dann auf ein Problem, das man selber hat, anwenden. Als Person finde ich Elon Musk, den Gründer von Tesla und Solar World, inspirierend. Unglaublich, was eine Person schaffen kann.

Womit machen Sie am meisten Geld?

Am stärksten verkauft sich zurzeit unser Rucksack SunnyBag Explorer und das SunnyBag Leaf. Es ist das weltweit leichteste flexible Solarsystem, das sehr einfach auf Rucksäcke montiert werden kann. Wir haben es zusammen mit „Northland Professional“ entwickelt.

Was war bisher Ihre größte Not?

Die größte Not war wie bei vielen die Finanzierung am Anfang, also genügend Kapital aufzustellen, um das Wachstum zu finanzieren.

Wann wussten Sie, dass ihr Vorhaben funktionieren wird?

Das war 2010 im Oktober oder November. Kurz nachdem ich das Unternehmen gegründet habe, habe ich bei „Ärzte ohne Grenzen“ angerufen und gefragt, ob sie vielleicht solche Solartaschen für ihre Einsätze brauchen können. Und sie waren sofort interessiert. Zwei Wochen später hatte ich einen Prototypen fertig und sie haben um 25.000 Euro von diesem Produkt bestellt. Das war der erste große Auftrag. Da habe ich gemerkt: Da ist Bedarf da, das könnte klappen.

Welche Entscheidung bereuen Sie im Nachhinein am meisten?

Ich hätte vielleicht schon zwei Jahre früher gründen sollen, ich hätte mir die Selbstständigkeit früher zutrauen sollen. Dann wären wir jetzt schon weiter.

Was hat Sie gehindert?

Die Unsicherheit, ob ich reif dafür bin und die Erfahrung mitbringe. Mit 26 war ich ja trotz allem noch relativ jung zum Gründen. Ich hatte einfach nicht genug Selbstbewusstsein.

Wie viele Stunden haben Sie in den ersten Monaten ihrer Unternehmensgründung pro Woche gearbeitet und wie viele schlaflose Nächte hatten Sie?

Das war intensiv bei mir. Die ersten eineinhalb Jahre habe ich von Montag bis Samstag gearbeitet, sicher über 60Stunden die Woche, es können auch einmal 80 gewesen sein. Jetzt sind es ungefähr 45 bis 50 Stunden. Ein bisschen Work-Life-Balance muss sein. Dass ich die ganze Nacht nicht durchgeschlafen habe, war vielleicht vier, fünf Mal der Fall.

Was hat Sie da wach gehalten?

Die Unsicherheit, ob eine Entscheidung richtig war, die ich an dem Tag getroffen habe. Als ich den Beteiligungsvertrag bei einem Investor unterschrieben habe. Da stehen viele Pflichten drinn, die einen wach halten. Es wird einem ein Stück Freiheit genommen, und Freiheit ist ja genau das, was man will, wenn man sich selbstständig macht. Man gibt Entscheidungskompetenz aus der Hand.

Geschäft mit SolarZellen

SunnyBag. Mit einer Tasche mit integrierten Solarzellen, mit der man Smartphones und Tablets umweltfreundlich unterwegs aufladen kann, hat Stefan Ponsold als Unternehmer den Durchbruch geschafft. Den ersten Prototypen gab es 2008, gegründet wurde im September 2010.
sunnybag.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2014)

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